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Bei gutem Wetter fuhren sie ab, rasteten in Tetschen und kamen am andern Tag in die Nähe von Schandau, da, wo in einem Stein ein Auerhahn gehauen ist[1]. Dort an der Landesgrenze begrüßte Johann Georg zu Schiff mit reicher fürstlicher und adliger Begleitung seine Gäste. Nicht er selbst, sondern ein junger, ihm verwandter Gast, einst sein Mündel, Herzog Johann Philipp von Sachsen-Altenburg, begrüßte in einer „schönen Oration“, die man ihm aufgesetzt hatte und die schwülstig und nichtssagend ist, die Ankommenden. Der Kurfürst bestieg des Matthias Schiff, und beide hatten „gar liebliche Gespräch“ mit einander. Darauf steuerte man am Königstein vorüber. – Er grüßte mit fliegenden Fähnlein und brennenden Pechkränzen; starkes Schießen begann, und ein Feuerwerk ließ sich sehen. Unterhalb des Königsteins wurden die Schiffe festgelegt, und es gab am sogenannten Grahlwäldchen, am Fuße des Liliensteins, eine lustige Wasserjagd. Die Festlichkeiten wurden ähnlich eingeleitet, wie es 1539 zu König Ferdinands und 1575 zu Kaiser Maximilians Ehren geschehen war.
In dem auf der Königl. Bibliothek zu Dresden unter Ms. R. 7b aufbewahrten handschriftlichen Verzeichnisse, Was Ihre Churf. Durchl. zu Sachsen in viertzig Jahren (1611–1650) ... geschossen und gefangen und gehetzt, ist ein Titelbild auf Pergament gemalt, das diese Jagd am Grahlwäldchen darstellt. Im Vordergrund die Elbe mit einer schmalen Insel, im Hintergrunde Wiese und Wald am Talgehänge hinaufsteigend, darüber der Lilienstein, zur Rechten hinter der starken Biegung des Elbelaufs und der Ufer der Königstein. Die Wiese am rechten Ufer, der Strom oberhalb und die Insel sind eingelappt. Drei mit farbig geschmückten Decks versehene Schiffe stehen am inneren Ufer der Insel; darauf sitzen die fürstlichen Jäger, sechs Schiffe sperren unterhalb der Insel den Elbstrom. Man sieht das Wild aus dem Walde auf die Wiese, von da ins Wasser rennen[2]. Johann Georg, der nach seinem Jagdbuche[3] im Jahre 1617 an 152 Tagen gejagt und dabei 4195 Stück persönlich gefällt hat, hat an diesem Tage von den ins Wasser getriebenen Tieren 39 Stück erlegt.
Als auch Matthias von seinem Schiffe so manchen Treffer getan und sich der Jagd erfreut hatte, wurden die Schiffe wieder flott gemacht und nach Pirna gesteuert. Hier erwartete der Präsident Caspar von Schönberg die aussteigenden Gäste und begrüßte sie auch mit einer „schönen Oration“. Kaiser, König und Erzherzog fuhren auf einem schwarzen, der Kardinal Klesl auf einem „roten sammetenen“ Wagen in die Stadt. Wāhrend der Einfahrt machten 10 Bürger mit einem Fähnlein und Musik auf dem die „Krone“ genannten Stadtturm, nahe der Klosterkirche, ihre untertänigste Aufwartung. Auf dem Markt und den Wällen standen viele Gerüstete; aus den Schießlöchern wurde mit Musketen und Doppelhaken unaufhörlich Feuer gegeben[4]. Nach eingenommenem Mahle schlief man in der fest zugesperrten und von vielen Gewappneten bewachten Stadt. Am andern Morgen (4. August) ist man nach „gehaltener Frühsuppen“ abwärts bis zum Oberen Hasengehege nach Pillnitz zu gefahren. Hier entwickelte sich wiederum ein munteres Jagdbild. Allen voran eilte ans Land der Kurfürst, mit dessen Jagdeifer der dichtende Chronist sehr einverstanden ist, denn er sagt von ihm:
Das bringt Gesundheit dem Leibe sein,
Viel besser, als wenn er fort und fort
Blieb lang sitzen an einem Ort
Und bewegte garnicht seinen Leib.
Gar recht, daß er solche Freude treibt.
Johann Georg hatte die Freude, bei dieser Jagd 28 Stück zu erlegen. Mittags bewirtete die Jäger zu Pillnitz Herr von Loß, Kurf. Sächs. Geheimrat, in seinem herrlichen Lustgarten.
Als nun die Schiffe in Dresden gesichtet wurden, begann ein mächtiges Schießen aus den Stücken, die man „die wilden Männer nennet“. Alsbald zogen 800 schön aufgezäumte Rosse aus dem Stallhof über die Brücke nach der Mönchswiese zu. Allen voran prangte das schön mit Edelsteinen gezierte Tier des Kurfürsten. Langsam fuhren die Schiffe heran; im ersten der Kurfürst mit Gefolge, im zweiten des Landes Adel, im dritten die drei fürstlichen Gäste. Große und kleine Fähnlein waren ums ganze Schiff gesteckt, in der Mitte wehte tief herab eine große schwarzgelbe Fahne.
Nach der Landung begrüßte der Kurfürst die über den Tritt aussteigenden Gäste, unter denen Kardinal Klesl mit dem ironischen Wort aufgeführt wird:
Herr Clösel fluxs hinden nach tut schleichen.
Ein neues gewaltiges Schießen hub an aus den Geschützen, die jahrelang hatten schweigen müssen, nun
- ↑ Nach freundlicher Mitteilung des Herrn Dr. Meiche besagt eine Notiz in Loc. 8390 Acta Unterschiedene Gruppierungen usw., daß an der Grenze am Felsen oben ein „Auerhan stehe“. Der Schenksche Atlas verzeichnet auch auf der linken Seite der Klopptbach (Niedergrund) ein Tal, Namens Auerhahnwinkel.
Bei Avenarius heißt es:
Daselbst ist in einem Stein,
Gehawn ein großer Awerhan,
Gar eigentlich man ihn sehn kann ... - ↑ Das Bild ist wiedergegeben bei Meiche, Die Burgen der Sächs. Schweiz, S. 125.
- ↑ Königl. Bibliothek Ms. R. 7c.
- ↑ Beschluß der ausführlichen Beschreibung ... der Stadt Pirna. 1772 S. 11 Anmerkung. Historische Beschreibung von der Ankunft der Röm. Kaiser und Könige allhier in Pirna. 1766 S. 6.
Dr. Otto Richter (Hrsg.): Dresdner Geschichtsblätter Band 5 (1909 bis 1912). Buchdruckerei der Wilhelm und Bertha v. Baensch Stiftung., Dresden 1909 bis 1912, Seite 27. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Dresdner_Geschichtsbl%C3%A4tter_F%C3%BCnfter_Band.pdf/30&oldid=- (Version vom 25.2.2026)