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aber so donnerten, daß in die Pferde eine starke Unruhe fuhr.
Etlich lagen auf beiden Knien,
Etlich stunden auf den Hinder Bein,
Und dienten wie die Hündlein klein,
Die man für Lust abrichtet fein.
Auf das von den Basteien gegebene Feuer ward, obwohl es noch heller Tag war, ein Feuerwerk abgebrannt, und während die Gäste in den schönen Gezelten standen und sich an Konfekt ergötzten, begrüßten in Kähnen fünf Meerwunder die darob sehr Erstaunten. Es waren dies Neptun, die Elbenymphe und etliche Sirenen. Worte und Weise stammten vom Hofkapellmeister Heinrich Schütz und klangen in dem Segenswunsch aus:
Wolauff, den Kayser Lobesan
Wier inniglich thun singen an.
Herr Christ, laß dir befohlen sein
Ihr Majestät, gibn Segen dein!
Avenarius aber sagt, daß in einem grünen Schifflein ein wilder Mann und ein wildes Weib zu sehen waren,
von Haaren rauch
An Achseln, Schultern, Bein und Bauch.
Es ist erklärlich, daß diese Fahrt und Einfahrt hoher Gäste noch andere Dresdner Dichter begeistert hat. Einige solcher deutscher und lateinischer Erzeugnisse, von Lob und Verherrlichung der drei Fürsten, die wohl gar semidei genannt werden, triefend, sind gesammelt erschienen[1]. Unter diesen kaiserlichen gekrönten Dichtern ragt besonders hervor Johannes Süße, der mit den Meistern der schlesischen Dichterschule in näherer Verbindung stand und damals eine gewisse Berühmtheit genoß. Nach seinem lateinischen und dann ins Deutsche übertragenen Gedichte wollen Adler, böhmischer Löwe und österreichische Lerche die sächsische Raute besuchen und machen sich auf die Reise.
Vom Königstein schreibt er begeistert:
Et Lapis innixus qui rupibus undique nomen
A prisco ductum tempore, Regis, habet.
(etwa:
Auch der Stein, der rings auf mächtigem Fels sich erhebend,
Stolz seit uralter Zeit Stein sich des Königs benennt.)
Ganz virgilisch klingt der Vers, mit dem er die Wasserjagd veranschaulichen will:
Pars ruit in campos, medium pars irruit Albim.
(etwa:
Ein Teil stürzt ins Gefild, ein andrer hinein in die Elbe.)
Nun nahen sich die Gäste Dresden, man sieht es von weitem:
Et jam Dresda suis auratis turribus, et jam
Dresdae in conspectu haec aurea classis erat.
(etwa:
Und schon war in Sicht mit golden schimmernden Türmen
Dresden, und Dresden erschaut golden die Flotte sich nahn.)
Alle guten und holden Götter nahen sich und vertreiben jede Gefahr und Bedrohung. Seussius gibt von seinem lateinischen Gedicht eine deutsche Bearbeitung, in der wohl Pillnitz in zierlichen Versen so gepriesen wird:
Drauff sie passieren weiter fort.
Durch Hilf der sanften Wind,
Für einen gar lustigen Orth,
Deßgleichen man kaum find,
Moecenas drinn
Stets residiert
In allerschönsten Garten,
Vertumnus ihn
Selbst excoliert,
Flora tut auch sein warten,
Von Früchten aller Arten.
Von Blümlein schön und zarten
Er allzeit abundirt. –
Letzlich die Spitzen hoch man sach
Des Rautengarten werth,
Auch die Armada allgemach
Anzulanden begehrt ....
Die guten Gottheiten verdrängen die bösen.
Plutoni man befahl alsbald,
Daß er jetzund mit Fleis
Die Furias verwahren sollt
Und dergleichen Geschmeiß.
Zeichen und Wunder geschehen! Seussius weiß zu berichten, daß den ankommenden Gästen zu Ehren im Löwenhaus eine Löwin Junge geworfen hat; Diana habe gleichsam selbst die Hebammenstelle verwalten wollen!
Eine andere höchst seltsame literarische Verherrlichung des Fürstentages sei an dieser Stelle besprochen. Dies ist der sogenannte Proteus Poëticus[2] des Gregorius Kleppisius. Kleppisch war der Sohn eines Juristen in Dippoldiswalde, besuchte die Fürstenschule zu Grimma und studierte dann in Leipzig. Schon 1611 und 1616 (als gekrönter kaiserlicher Dichter) hatte er lateinische Epigramme[3] herausgegeben, aus denen hervorgeht, daß er oft in Dresden gewesen ist und mit Avenarius und Seussius, die er auch zu preisen versteht, verkehrt hat. Am 30. Oktober 1617 – am letzten Tage des ersten Jahrhunderts der Lutherischen Lehre – hat er die Vorrede zu seinem Werkchen Proteus Poëticus geschrieben, das er dem Kurfürsten Johann Georg und
- ↑ Panegyrici Caesario-Regio-Archiducales .... a Poetis aliquot Territorii Elect. Saxon. Celebribus. Dresdae. Gimel Bergen. – Urban Hantschmann, Simeon Reinhard, Balthasar Simon, Gregor Kleppisch, Johann Burcart, Elias Rudel sind die Dichter. – Plausus adventorius pro Matthiae .... ad Joh. Georgium adventu 25. Julii (4. August) Anno 1617. Dresdam, herausgegeben von Johannes Süße.
- ↑ Auf der Königl. Bibliothek vorhanden.
- ↑ Hilarothrenus Epigrammatum.
Dr. Otto Richter (Hrsg.): Dresdner Geschichtsblätter Band 5 (1909 bis 1912). Buchdruckerei der Wilhelm und Bertha v. Baensch Stiftung., Dresden 1909 bis 1912, Seite 28. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Dresdner_Geschichtsbl%C3%A4tter_F%C3%BCnfter_Band.pdf/31&oldid=- (Version vom 26.2.2026)