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dessen damals lebenden drei Söhnen Johann Georg, August und Christian gewidmet hat.

Wie etliche große Vorbilder, unter denen er den großen Philologen Scaliger nennt, hat er sein Werk Proteus genannt, da es Variationen eines und desselben lateinischen Hexameters enthält. Er nahm dazu den von ihm gedichteten Vers:

Dant tria jam Dresdae, ceu Sol dat, lumina lucem

(etwa:

Licht, wie die Sonne es gibt, drei Sterne spenden es Dresden).

Die neun lateinischen Wörter versetzt er nun beständig in den wunderlichsten Verschränkungen, wie dies ja die lateinische Sprache gestattet. 1617 Umstellungen gibt er, soviel als Jahre seit Christi Geburt bis zu der ewig denkwürdigen fürstlichen Zusammenkunft verflossen sind. Es könnte scheinen, daß er damit etwas Großartiges geleistet habe, aber die Permutationslehre sagt, daß es für 9 Zahlen oder, was dasselbe ist, für 9 Wörter 362880 mögliche Umstellungen gibt; um diese hohe Zahl zu finden, hat man einfach 1x2x3 usw. bis x9 zu multiplizieren. Ob dabei freilich 362880 richtige Hexameter entstehen würden, wage ich nicht zu entscheiden. Der vorsichtige Umsteller hat für seine 1617 Hexameter selbst die Möglichkeit nicht für ausgeschlossen gehalten, daß durch Setzefehler vielleicht hier und da kein guter Hexameter herausgekommen ist. Für diesen Fall druckt er am Ende noch 24 Hexameter hinzu, damit sich jeder nach Wunsch einen Ersatzvers nehme!

So bewundernswert Geschick und Ausdauer des Dichters Kleppisch sind, uns will diese Versspielerei doch sehr öde vorkommen. Anders dachten seine humanistisch-philologisch gebildeten Zeitgenossen. Er hat das Manuskript Gelehrten verschiedener Nationen vorgelegt und druckt in der Vorrede Lobgedichte auf sein Werk ab, in lateinischer, griechischer, französischer, englischer und italienischer Sprache gegeben. Ein Johann Wacke schreibt:

Unum difficilis non est res scribere versum,
     Artis at egregia tot variare modis

(etwa:

Einen Vers zu schreiben, dies ist nicht schwierige Sache,
     Aber ihn ändern so oft, das ist erhabene Kunst!).

Doch zurück aus diesem poetischen Freudentaumel über die Ankunft hoher Gäste in Dresden![1]

Der Kaiser bestieg mit seinen Verwandten einen Wagen und saß an der Oberstelle; im rechten Schlag der König von Böhmen, im linken der Erzherzog Maximilian, daneben ritten die Herren von Dietrichstein und Wallenstein. Unmittelbar voran ritt der Kurfürst auf einem „Appelgrawen Roß in einem angehabten Goldstücken Kleid mit köstlichen Kleinodien und Raigerbüschen geziert“[2]. Hinter des Kaisers Wagen fuhr Klesl wieder in der mit rotem Sammet ausgeschlagenen Kutsche. Da der Kurfürst, der eifrige Jägersmann, den ebenfalls die Jagd liebenden Kaiser vor seinen weiten und schönen Jagdhofgebäuden empfing, so war der Willkommen zunächst recht jagdgemäß. Der Zug ging von der Mönchswiese[3] erst zwischen Weingärten hin nach dem Jagdhofe; auf dem neuen Trompetergang standen 5 Jäger und bliesen auf französischen Silberhörnern den Willkommsgruß, dann nahmen sie große Waldhörner zur Hand; hierauf ging der Zug durch den Jägerhof hindurch, wo denn in Grün gekleidete Jäger mit silberbeschlagenen Weidmessern standen und mit Jagdgeschrei die Gäste begrüßten; des Kurfürsten 22 Leibhunde mit silberbeschlagenen Halsbändern, von 11 Jägerjungen gehalten, ließen ihr Geläut ertönen. Über dem Bärenhaus standen, mit grünen Tannenzweigkränzen auf dem Kopfe, unter Führung des langen Heinrich zur Lausnitz 12 Bauernpfeifer verborgen, die sehr lustig und „lächerhafftig“ bliesen; der eine auf einem Krumphorn, der andere auf einer Schalmei, ein dritter auf dem großen Bock[4]. Sie trieben’s so toll, daß sogar

     Ihr Kaiserlich Majestet
Zu ihnen ein Blick nauf thet.

Auch der Kurfürst lachte „ihrer von Herzen sehr“. Nun bewegte sich der Zug, bei dem ebenso die Zahl der Bewaffneten, wie der Glanz der Gewänder von Eindruck gewesen sein muß, wie vorgesehen über die Brücke, am Stallhof vorüber, nach dem Neumarkte, der Bettelgasse, der Kreuzgasse und dem Altmarkte. Trotz aller Verbote drängten sich die Dresdner und die fremden Zuschauer heran und begafften den Zug, wie dies Avenarius anschaulich, wohl etwas übertreibend darstellt:

Ja wo nur war ein Bäumchen schlecht,
     Das einen Menschen kunt tragen recht,
Das mußt sich bücken und tragen lassen,
     Man sahs auf allen Ecken und Straßen.
Ja was damals zur selben stundt
     Nur Beine hat und laufen kunnt,


  1. Derselbe Gregorius Kleppisius hat im Jahre 1623 eine Sammlung deutscher und ins Lateinische übersetzter Sinnsprüche mit Kupferstichen in Verbindung mit dem Kupferstecher Grallius herausgegeben, die er unter dem Titel Emblemata varia Johann Georg I. widmet. Auf dem in reichem Renaissancestil gehaltenen Titelblatt ist ein Bild Dresdens angebracht, das den Beginn des Festzuges 1617 zeigt. Im Hintergrunde Altstadt-Dresden, auf dessen Wällen Kanonen gelöst werden; auf dem Elbstrome mehrere Schiffe, im Vordergrunde auf der Mönchswiese das Zelt, vier Kutschwagen, Reiterei und Fußvolk im Zuge dahinschreitend, offenbar der Einzug des Kaisers Matthias in Dresden 1617.
  2. Vera Descriptio usw.
  3. Abbildung von ihr und den Dächern und Turmhauben des Jägerhofes auch in Ms. R. 7c (Königl. Bibl.). S. auch in Wecks Chronik eine Abbildung davon S. 64.
  4. Dies ebenso wie das Krummhorn ein großes Holzblaseinstrument, von Haydn in den Vier Jahreszeiten (Chorlied im Herbst) noch erwähnt: „es dudelt der Bock“.
Empfohlene Zitierweise:
Dr. Otto Richter (Hrsg.): Dresdner Geschichtsblätter Band 5 (1909 bis 1912). Buchdruckerei der Wilhelm und Bertha v. Baensch Stiftung., Dresden 1909 bis 1912, Seite 29. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Dresdner_Geschichtsbl%C3%A4tter_F%C3%BCnfter_Band.pdf/32&oldid=- (Version vom 26.2.2026)