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Das kroch herfür und lief darvon;
     Obs Keulen hett geregnet schon,
So wern sie nicht in Häusern bliebn,
     Gleich wie der Schnee theten sie schiebn.
Gar kleine Kinder auf der Gassn
     Liefen in dies’, in jene Straßen,
Gar wenig, wenig Leut man fund
     In ihren Häusern znr selben Stund.

Von allem Sehenswerten hat Avenarius am meisten die Besteigung des Kreuzturmes begeistert. Diesen bestieg, vom Rate dazu in Lohn genommen, ein ältlicher Mann, der 59jährige, aus Ortrand gebürtige Schuster Hans Streubel. Mit Leitern, Stricken und Kloben ist er auf den höchsten Turmknopf gestiegen. Auf diesem stand er etliche Stunden und schwang eine gelbe und schwarze Fahne mit des Rates Wappen. Nach 5 Stunden kam er herunter „als ein Held“. Avenarius preist ihn, daß er neben seinem Handwerk noch gelernt habe, „hohe Türme steigen, Fahnen aufsetzen, bessern und fegen“, und dies nicht aus Tummkühnheit (d. h. Tollkühnheit)[1].

Am Schlusse des Einzugs marschierten die etwa 3000 Mann mit ihren 18 Fähnlein durch das Schloß. Dies selbst wurde durch Geschütze gesichert, die Tore der Festung waren geschlossen. Beim Eintritt in den Schloßhof hatten die Kurfürstin-Witwe Hedwig und die verwitwete Mutter der Kurfürstin, seine Gemahlin Magdalene Sibylle und andere fürstliche Frauenzimmer die Gäste empfangen und nach den Gemächern geleitet. Als sie so ins Schloß traten, wurden sie von den über dem Schloßtor stehenden kurfürstlichen Musikanten begrüßt.

     Es wardt gehalten ein lieblich Musica
Von mancherlei Instrumenten
     Posaunen, Zinken und Flöten.
Den Dulcian[2] vor andern mehr
     Hörte man lieblich schnarren sehr.

Da der folgende Tag (5. August) ein Sonnabend war und alle, namentlich aber der kränkliche Kaiser sich von der Reise ermattet fühlten, ward Ruhetag gehalten. Am Sonntag aber gab es in der kurfürstlichen Kirche zum Gottesdienst eine schöne Musica. Daß diesem von den hohen Gästen jemand beigewohnt, wird nicht erwähnt, ist auch kaum glaublich; hatten sie doch ihre Kapläne, ja sogar einen Kardinal mit sich. Um so eifriger liefen dahin die protestantischen Bewohner und herzugeströmten Gäste, denn ein schon berühmter und beliebter Musicus hatte eigens für diese Tage geistliche und weltliche Musik komponiert. Ihn preist natürlich auch der Weesensteiner Kantor:

Heinricus Schütz der Componist,
     Ein weitberühmter Organist,
Der hatte componiert mit Fleiß
     Etzlich Concerten auf Chorweiß.
Die wurden artig modulirt,
     Lieblich und schöne musicirt.
Man sah und hört an allen end
     Gar mancherley schön Instrument,
Auch reine Diskantisten gleichfalls
     Zierlich regierten ihren Hals.
Sie mordierten[3] mit höchsten Fleiß
     Gar hell nach ihrer Art und Weiß,
Ihre Stimmlein rein hinauff schwungen,
     Klar biß ins höchste a nauff sungen.
Das war der stolze Jonicus,
     Welcher schön steigt mit seinem Fuß.
Sein lieblich repercussion,
     Sein scherzhafftiger frölicher Thon
Gefelt mir aus der maßen wohl,
     Drumb ich ihn billich loben soll.

(Schluß folgt.)


Ezechiel Eckhart, der Erbauer der Hoflößnitz.
Von Dr. Hans Beschorner.

( gemeinfrei ab 2027)


  1. Auch in unsern Tagen sind bei festlichen Gelegenheiten Fahnen von verwegenen Turmsteigern auf den höchsten Spitzen angebracht und tags darauf wieder heruntergeholt worden, so vor einigen Jahren in Wien auf dem Stephansturm.
  2. Ein hölzernes Blasinstrument, dem Fagott gleichend.
  3. Vielleicht „modulierten“?
Empfohlene Zitierweise:
Dr. Otto Richter (Hrsg.): Dresdner Geschichtsblätter Band 5 (1909 bis 1912). Buchdruckerei der Wilhelm und Bertha v. Baensch Stiftung., Dresden 1909 bis 1912, Seite 30. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Dresdner_Geschichtsbl%C3%A4tter_F%C3%BCnfter_Band.pdf/33&oldid=- (Version vom 25.2.2026)