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Das Innere der Sophienkirche bot früher mit seinem reichen Schmuck an Grabdenkmälern, Gedächtnistafeln, Totenschilden und Gemälden einen eigenartigen, malerischen Anblick. Dies zeigen anschaulich die jetzt in der Stadtbibliothek aufbewahrten 12 Wasserfarbenbilder, die der Hoforganist Kirsten in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts durch den Maler Kannegießer vom Äußern und Innern der Kirche hat aufnehmen lassen. Die erste Empore war mit 18 in Ölfarben ausgeführten Darstellungen aus der Lebens- und Leidensgeschichte Christi geschmückt, neben jedem dieser Historiengemälde befand sich eine Schrifttafel mit einer Erläuterung in Versen. Bei einer verständnislosen Restaurierung im Jahre 1834, der ein großer Teil des künstlerischen Schmuckes der Kirche zum Opfer fiel, ließ man auch die etwas verblichenen Emporenbilder auffrischen: die damit beauftragten Maler Lindau, Oertel und Wolf suchten dabei eine größere Fernwirkung der Bilder durch kräftige Übermalung, besonders der roten und blauen Farben, zu erzielen, die alle Feinheiten der alten Malerei vernichtete. Seitdem machten die Bilder allerdings keinen erfreulichen Eindruck, zumal nachdem manche von ihnen beim Maikampfe 1849 durch Kugeln beschädigt worden waren. So war es möglich, daß ihnen bei dem Umbau des Kircheninnern im Jahre 1875 der leitende Architekt Professor Arnold jeden Wert absprach und ihre Entfernung veranlaßte. Der Verein für Geschichte Dresdens erhielt die Bilder auf sein Ansuchen zur Aufbewahrung überlassen, mußte sie aber 1881 auf Verlangen des Rates zurückgeben, da er sie nicht in angemessener Weise unterzubringen vermochte. Die 18 Tafelgemälde waren, wenn auch größtenteils in Stücke zerbrochen, noch vollständig vorhanden, von den ursprünglichen 18 Schrifttafeln aber nur 12[1]. Später gelangten sie in das neubegründete Stadtmuseum und wurden durch den Konservator Karl Müller wieder zusammengefügt, gereinigt und mit Rahmen versehen. Neuerdings hat die Verwaltung des Museums durch den Maler Karl Jantzsch auch die grobe Übermalung aus dem Jahre 1834 entfernen lassen, so daß die Bilder jetzt glücklich wieder in ihren ursprünglichen Zustand zurückversetzt sind.
Über die Herkunft dieser Bilder herrscht eine falsche Meinung, deren Urheber wohl Ch. Ch. Hohlfeldt ist: er hat im „Sammler“ (S. 198) 1837 behauptet, sie seien ursprünglich in der alten Frauenkirche gewesen und erst 1738 bei Verlegung des evangelischen Hofgottesdienstes
- ↑ Sophienkirchrechnung 1834. – Ratsakten B. II. 111 c und B. III z Vol. III.
Dr. Otto Richter (Hrsg.): Dresdner Geschichtsblätter Band 5 (1909 bis 1912). Buchdruckerei der Wilhelm und Bertha v. Baensch Stiftung., Dresden 1909 bis 1912, Seite 35. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Dresdner_Geschichtsbl%C3%A4tter_F%C3%BCnfter_Band.pdf/38&oldid=- (Version vom 25.2.2026)