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XVIII. Jahrgang 1909 Nr. 1.
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Der Schmalkaldische Krieg 1546/47 brachte bekanntlich den ersten kriegerischen Zusammenstoß zwischen Kaiser Karl V. und dem Schmalkaldischen Bunde unter der Führung des Kurfürsten Johann Friedrich von Sachsen und des Landgrafen Philipp von Hessen. Nachdem der unglückliche Ausgang des Donaufeldzugs 1546 schon Süddeutschland dem Kaiser preisgegeben hatte, erhoffte man in den norddeutschen protestantischen Kreisen doch noch eine glückliche Wendung des ganzen Krieges, als der Verbündete des Kaisers, Herzog Moritz von Sachsen, vor der Übermacht des heimkehrenden Kurfürsten überall zurückweichen mußte.
Ganz Deutschland blickte in den ersten Monaten des Jahres 1547 nach dem albertinischen Sachsen, wo für viele die wettinischen Vettern den letzten Kampf um Herrschaft oder Untergang des Protestantismus auszufechten schienen. In Wort und Schrift nahm vor allem die protestantische Geistlichkeit für den Kurfürsten gegen Moritz Partei und verhetzte die breiten Schichten des Volkes immer von neuem gegen den „Judas Ischariot“ an der evangelischen Sache. Bald machte sich denn auch die allgemeine Erregung in tollen Pamphleten und häßlichen Schmähgedichten Luft, die jede Maßnahme des jungen Herzogs in derbster Weise bekrittelten und beschimpften.
Man sollte nun meinen, bei einer so allgemeinen Aufmerksamkeit auf alle Vorgänge in Herzog Moritz’ Landen dürfte die Aufgabe nicht schwer fallen, das Schicksal der Elbresidenz Dresden in dieser bewegten Zeit zu verfolgen und festzustellen. Aber bei näherem Zusehen erweist sich diese Hoffnung nur zu bald als trügerisch.
Das gedruckte Material liefert nur wenig Ausbeute, denn die „Verfassungsgeschichte der Stadt Dresden“ von Otto Richter kann sich ihrer ganzen Anlage nach mit diesem Thema nur vorübergehend berühren, und die anderen Geschichtswerke über Dresden von Hasche und Lindau folgen mit ihren Angaben aus dieser frühen Zeit durchgängig der bekannten Beschreibung Dresdens von A. Weck, die aber leider gerade für die Zeit des Schmalkaldischen Krieges nur ganz notdürftige Notizen aufweist.
Noch kärglicher ist der Ertrag bei der Suche nach verläßlichen handschriftlichen Quellen aus dieser Zeit, und so ist es ein großes Glück, daß uns in dem Handelbuche (d. i. Tagebuch) des sächsischen Rates Dr. Melchior von Ossa wenigstens die Schilderung eines unmittelbaren Zeugen des Schicksals Dresdens im Schmalkaldischen Kriege erhalten geblieben ist, die Anspruch auf selbständige Bedeutung erheben darf.
Weit reicher ist das offizielle Aktenmaterial, das im Hauptstaatsarchive ruht und das uns einen vollen Einblick in die herzogliche Kriegführung und Politik gestattet. Wir lernen hier im Briefwechsel zwischen Herzog Moritz und seinen Räten in Dresden alle die Sorgen und Nöte kennen, die in jenen stürmischen Winter- und Frühjahrswochen über das albertinische Sachsen hereinbrachen und auch die Residenz Dresden schwer gefährdeten.
Es ist natürlich, daß ich mich bei dem Mangel an andern ursprünglichen Quellen in der Hauptsache auf diese Berichte der Räte stützen muß, aber damit
Dr. Otto Richter (Hrsg.): Dresdner Geschichtsblätter Band 5 (1909 bis 1912). Buchdruckerei der Wilhelm und Bertha v. Baensch Stiftung., Dresden 1909 bis 1912, Seite 1. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Dresdner_Geschichtsbl%C3%A4tter_F%C3%BCnfter_Band.pdf/4&oldid=- (Version vom 30.12.2025)