Seite:Dresdner Geschichtsblätter Fünfter Band.pdf/40

XVIII. Jahrgang 1909 Nr. 3.
3 Mark. Die Vereinsmitglieder erhalten die Blätter unentgeltlich zugesandt.
Kein Wunder, daß Avenarius, selbst ein Musikus, mit Verehrung auf Heinrich Schütz schaut. – Dieser treffliche Mann war gerade erst im Jahre 1617 dauernd nach Dresden übergesiedelt, nachdem Johann Georg I. schon seit 1615 mit dem Landgrafen Moritz von Hessen in eifriger Unterhandlung gestanden hatte, daß dieser ihn aus seiner Stadt Cassel ziehen lasse[1]. Endlich hatte er ihn für die Musik in Kirche und Kammer, vor allem für die Tafel gewonnen. Das, wie es scheint, von ihm selbst verfaßte Begrüßungsspiel hat er mit Musik versehen und aufgeführt; in den Wechselgesängen zwischen Apollo und den neun Musen hat er vielleicht seine erste dramatische Komposition, von der allerdings nichts mehr erhalten ist, gegeben. Johann Georg wollte ohne Zweifel mit seinem neuen Musikdirektor und dessen Musicis glänzen; er erließ vor Beginn der Festlichkeiten für die Musik am Hofe eine besondere Verordnung[2], etwa folgenden Inhalts: Heinrich Schütz, als bestellter Direktor, soll darauf sorgen, daß alle Instrumente usw. wohl zugerichtet und zusammengestimmt seien, „uf daß deswegen kein Mangel fürfalle. Allen Instrumental- und Vokalmusicis ist einzuschärfen, in der Zeit bei der Hand zu sein, sich nüchtern, eingezogen und mäßig zu zeigen und nichts zu versäumen. Wenn die Kais. Majestät öffentlich Tafel halten wird, soll er uf eine gute erlesene Musicam bedacht sein, dazu nicht allzuviel, jedoch die besten von S. Churf. Gnaden Musicis, und die ihrer Sache mächtig und gewiß sein, gebrauchen, nicht viel großes Wesens, sondern liebliche Musica machen lassen, uf underschiedene Manieren damit abwechseln und es allenthalben also anstellen, damit S. Churf. Gn. Ruhm und Ehre davon haben mögen. Und dieweil vermutlich über die Kaiserliche noch eine Fürstliche Tafel gehalten werden wird: Soll er aus den übrigen Musicanten, welche in des Kaisers Tafelsgemach nicht gebraucht werden, desgleichen den Jungen, die die Musik können, einen sonderlichen corpus machen, dieselben zusammen ordnen und ihnen einbinden und sie in demselben Gemach, da die Fürstl. Tafel angeordnet, mit Fleiß aufwarten, sich alles übrigen Gesäufs enthalten, nicht viel hin- und wieder laufen, sondern ihre Dienste, wie ihnen das gebühret, ufs beste verrichten.“ Wird von irgend einem der Fürsten absonderlich im Gemache eine Musica begehrt werden, soll sie von wenigen besorgt werden. Speist der Kaiser allein, soll die Musik den anderen Gästen folgen; dabei soll sich Schütz stets rechtzeitig nach den Speisegemächern erkundigen. Allen soll eingebunden werden, daß sie bei Tanz gute Tänze machen und bei Vermeidung von Strafe und Ungnade nichts versäumen. Auch beim Gottesdienste soll es an guten Konzerten nicht mangeln; es soll mit Vokal- und Instrumentalmusik abgewechselt werden.
An demselben Sonntag, an dem sich auch Avenarius an dieser Kirchenmusik ergötzte, wurde im Schlosse ein herrliches Banket abgehalten, dessen köstliche Speis und schöne, helle und klare Getränke –
Reinfall, Alacant und Malvasier,
Gut süße Wein und herrlich Bier –
Dr. Otto Richter (Hrsg.): Dresdner Geschichtsblätter Band 5 (1909 bis 1912). Buchdruckerei der Wilhelm und Bertha v. Baensch Stiftung., Dresden 1909 bis 1912, Seite 37. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Dresdner_Geschichtsbl%C3%A4tter_F%C3%BCnfter_Band.pdf/40&oldid=- (Version vom 26.2.2026)