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der Dichter „im löblichen Dresn“ mit schwungvollen Worten preist. –

Am 1. August fiel ein gelinder Regen ein, so daß viele von den Zugewanderten zu Hause blieben; anderen stak noch immer die Reise in den Köpfen.

     Mancher kunt sich nicht schicken in die Weiß,
Wies pflegt in Dresden schön zu gehn,
     Viel Vernarrte blieben stille stehen . . .
und bewunderten alle Herrlichkeiten.

Mittlerweile blieb das Befinden des Kaisers wenig gut[1], so daß von größeren Festlichkeiten abgesehen wurde; es ist zu keinem Ritterspiel oder Stechen gekommen, obwohl man dergleichen zuerst auch geplant hatte. Dienstag den 8. August ritt der Kurfürst mit König und Erzherzog nach dem neuen Jägerhaus, um dies eingehend zu betrachten. Zur Erinnerung des Kaiserlichen Besuches ließ Johann Georg später die Decke eines schönen Saales in diesem Gebäude mit Gemälden schmücken, auf denen man die Ankunft der Gäste in Dresden, ihren Einzug über die große Wiese durchs Jägerhaus und Altdresden, über die Elbbrücke und in Neudresden sah. Auch die Jagden des Kurfürsten mit seinen Gästen, vor allem die große Tierhetze auf dem Altmarkt, wurden in Deckengemälden verherrlicht. Die Stimmung der Gäste wurde übrigens an diesem 8. August durch den plötzlichen Tod des Kaiserlichen Oberhofmeisters, des 72jährigen Grafen von Fürstenberg, stark beeinflußt. Er fiel früh am Waschtisch zu Boden. Seine Sachen in Dresden wurden „verpetschiert“, sein Körper in seidenem Rock mit einem Sammetmützchen auf dem Haupte einstweilen beigesetzt.

Da in den nun folgenden Tagen starkes Regenwetter eintrat, so unterblieben auch ferner alle äußeren Festlichkeiten. Als es aber am 12. August licht wurde, trabten und fuhren Wirt und Gäste, aber ohne den Kaiser, ½6 Uhr früh über die Brücke nach der Lausnitzer Heide und hielten auf dem Birkteiche bei Ottendorf eine dritte Wasserjagd ab, bei der die fürstlichen Jäger hinter Schirmen saßen und reiche Beute an Hirschen, Rehen und Wildschweinen gewannen; nach seinem Jagdbuch hat Johann Georg allein an diesem Tage 72 Stück erlegt. Der Imbiß wurde auf dem Rückweg in Schloß Hermsdorf bei Lausa eingenommen. Am 14. August jagte man im Friedewald auf Hirsche und Rehe; abends gab es im Schloß festlichen Tanz. Dieser Hofball erlangte dadurch eine gewisse Bedeutung, daß König Ferdinand, der seit 1616 Witwer war, mehrere Male mit Hedwig, der Witwe des 1611 verstorbenen Kurfürsten Christian II., einer Tochter König Friedrichs II. von Dänemark, tanzte. Schon vor der Reise war davon die Rede gewesen, daß Klesl beabsichtigt habe, Ferdinand mit ihr zu vermählen, um das Haus Sachsen dadurch noch mehr an Habsburg-Österreich zu fesseln. Die Kurfürstin lebte zumeist auf dem Schlosse Lichtenberg, bei Prettin an der Elbe gelegen, noch heute auch Hedwigsburg genannt, war aber zu den Festlichkeiten besonders nach Dresden gekommen. Von ihrer äußeren Erscheinung kann man sich erstens durch das Reliefbild am Erker des fürstlichen Hauses auf der Schloßstraße Nr. 30 einen Begriff machen; zweitens zeigt ein Ölbild auf Kupfer, das im Schloß in Wermsdorf hängt, ihr Gesicht, und zwar mit großen Augen, langer, gerader Nase und einem kleinen Mund[2].

Obwohl sie 36 Jahre alt war, galt sie noch als sehr begehrenswert. In verschiedenen Korrespondenzen jener Zeit wird von der Annäherung Ferdinands gesprochen[3], und allem Anschein nach hat er damals entweder wirklich Neigung zu ihr empfunden oder aus politischen Gründen eine Annäherung betrieben. Jedenfalls hat er nach Khevenhiller „in Conversiren eine solche Affection bekommen, daß zu glauben, wo Sie die Religion nicht von einander geschieden, Sie sich mit Ehe zusammen verbunden hätten, dazu der Cardinal Klesl und andere nicht wenig geraten, wie denn der König von Spanien, als Ihr Maj. der Graf Khevenhiller des Königs Ferdinands Resolution, zum andernmahl zur Ehe zu greifen, erklärt, unter denen andern vorgeschlagenen Personen als Florentz, Savoye, Mantua, zu dieser Sächsischen Wittib sein Votum gegeben.“

Obwohl diese Verbindung eine Zeitlang in das Bereich der Möglichkeiten gezogen worden ist, hat Ferdinand doch davon abgesehen. Ohne den Übertritt Hedwigs zum Katholizismus wäre eine Ehe mit ihr wohl kaum denkbar gewesen; dieser wäre bei ihr, einer Prinzessin aus streng lutherischem Lande, einer fürstlichen Witwe aus dem eigentlichen Ursprungslande eben dieser Lehre, ebenso schwierig wie aufsehenerregend gewesen. Die Zeit des fürstlichen Konvertitentumes war damals bis auf wenige vereinzelte Fälle noch nicht gekommen. Ferdinand hat erst 1622 wieder geheiratet, und zwar Eleonore von Mantua; Hedwig hat sich nicht wieder vermählt.

Den Glanz des Hoffestes, die Schönheit der Frauen und Jungfrauen malt sich der Dichter Avenarius mit lebhafter Phantasie aus:


  1. Er litt fünf Tage lang, da das Podagra „in die Füß und in die Achseln gekommen“. Schriftl. Zeitung vom 12. August 1617. Herzogl. Anhalt. Haus- und Staatsarchiv zu Zerbst.
  2. Sponsel, Fürstenbildnisse aus dem Hause Wettin. S. 46.
  3. Herzogl. Haus- und Staatsarchiv zu Zerbst. Schriftl. Zeitung vom 5. August, Prag. – Desgl. vom 12. August. – Khevenhiller, Annales Ferdinandei, VIII, S. 1148.
Empfohlene Zitierweise:
Dr. Otto Richter (Hrsg.): Dresdner Geschichtsblätter Band 5 (1909 bis 1912). Buchdruckerei der Wilhelm und Bertha v. Baensch Stiftung., Dresden 1909 bis 1912, Seite 38. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Dresdner_Geschichtsbl%C3%A4tter_F%C3%BCnfter_Band.pdf/41&oldid=- (Version vom 26.2.2026)