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Das hochlöbliche Frauenzimmer
So geschwindt, so hurtig kam es rümmer;
Gleich wie ein fliegendes Vöglein fein,
Schwung sich das edle Jungfräulein.
Fürstlich, höflich und Edle sitten
Sah man allda samt leisn tritten;
Mit ihren schmalen geschnürten Schuhen
Gar schön und fein kunnten sie thun.
Ich glaub, daß mancher offt und dick
That auff die seit einen Blick.
Nachdem am 15. August wieder ein Jagdritt nach den Micktener und Kaditzer Feldern unternommen worden war, wurde am 16. in der mit Festbauten geschmückten alten Rennbahn nahe dem Schloß (nach Westen zu) ein Hirschschießen abgehalten.[1] 33 Gewinne im Werte von etwa 1300 Gulden konnten verteilt werden. Der Hauptgewinn war ein silbernes Gießbecken mit Kanne, auf 157 Gulden geschätzt; die übrigen waren Silberbecher mit je einer schönen Fahne.
Der Hauptfesttag für die Gäste, die übrigen Fremden und die Dresdner war der 17. August, an dem auf dem alten Markte eine Tierhetze abgehalten wurde. Etwa 800 Zeilen in Avenarius Werke sind der Beschreibung gewidmet[2]. Es seien einige charakteristische Momente herausgehoben.
An das Rathaus war eine hohe Tribüne angebaut, auf der der leidende Kaiser, alle hohen Gäste, unter ihnen auch Kardinal Klesl, das Frauenzimmer und alles Gefolge versammelt waren. Eine Bretterwand, an der Jäger und Hunde gemalt waren, schloß den Markt nach Norden zu gänzlich ab; die Zugangsgassen im Osten und Süden waren durch Tribünen abgesperrt. Mitten auf dem Markte markierten Kiefernbäume und niederes Gebüsch den Wald; etliche Wasserfässer, sowie die an der Südseite des Altmarktes offen fließende Kaitzbach dienten den Bären zur Kühlung, wohl auch zur vorübergehenden Zuflucht. Zur Aufreizung der Tiere war eine Wergpuppe, mit grimmem feuerrotem Barte und einem Spieße in der Hand, an der Holzwand, durch Stricke hin- und herziehbar, angebracht. Gejagt wurden 8 Bären, außerdem Hirsche, Ochsen, Dachse und Marder. Teils hetzten die Jäger sie mit ihren Hunden selbst, teils wurden sie gegeneinander gehetzt. Da heißt es nun:
Saurüden wurden herausgelassen,
Die jagden ihn (den Bären) über die maßen,
Thaten sich häuffig zu ihm finden
Und zwackten ihn bald vorn, bald hinden.
Das wolt den Bähren nicht behagn,
Brummt mechtig sehr, that umb sich schlagn,
Endlich er in die Katzbach sprang,
Die Hunde säumten sich nicht lang,
Eylten ihn nach sehr ungeschwungen,
Belten, daß ihn die Ohren klungen.
Der Bähr schlug um sich mit Verdruß
Mit seiner Klawen und starken Fuß
Und wehrte sich so lang er kundt,
Ergreiff und hetzt so sehr ein Hund,
Das ihme baldt der Athem sein
Außgangen wehr in solcher Pein usw.
Sobald das Tier genügend gehetzt war, trat der Kurfürst selbst mit einem Spieß heran, und einmal heißt es:
Baldt kam der Churfürst lobesan
Und zog ihm den Sterbekittel an.
Zwei mehr scherzhafte Zwischenspiele gab eine Dachsjagd, bei der Hans „der alte Zwarck“ mit Dachsfängern auftrat.
Drey zum ersten wurden rauß gelahn,
Da watzschelten sie hin auff den Plan.
Die Hündlein kamen hinder ihn her,
Etzlich zwackten sie ohn gefehr.
Mit größter Freude sah man zu, als ein starker gelber Hund einen Dachs hin- und herriß, emporwarf, aufs Pflaster schleuderte und dann zertrat. Ebenso jubelte alles, als „Herr Görg der kurtzweilige Rhat“ ohne Hunde mit einem Hirschfänger eine Bache verfolgte, unermüdlich hinter ihr herlief und ihr endlich einen Fang in die rechte Seite gab.
Zu all den sehenswürdigen Dingen kam noch hinzu, daß der Turmsteiger ein zweites Mal den Kreuzturm erklomm und 6 Stunden oben stand und die Fahne schwang. Schon damals machten sich die Bürger der Stadt die Schaulust vermögender Leute zu nutze; für ein Fenster am Altmarkte wurden bis 4½ Taler gezahlt.[3] So schildert denn auch Avenarius das gaffende Volk auf das lebhafteste; es ist dabei nicht bloß von der Kühnheit der Männer, sondern auch von der erstaunlichen Leistung einer Frau die Rede:
Ferner hör man den folgenden Bericht,
Kein Weibsbild hab ich gesehen nicht,
Die es gewagt so liederlich,
So kühn, daß Jedrmann wundert sich.
In einem hochwohlgebauten Hause am Altmarkt wagt sie folgendes:
- ↑ Dorthin verlegt Avenarins, der hinzufügt: „Die alte Rennbahn im Zwinger, die habe ich gar offt gesehn“, das Fest. Nach Weck S. 391 wäre es „auf der großen Pastey hintter dem Zeughause, allwo etliche Triumphportale und schöne Gezelte aufgerichtet waren“ abgehalten worden.
- ↑ S. Abbildung davon in den Dresdner Geschichtsblättern Bd. 1. S. 72, entnommen aus Msc. R. 7b. – In der Erläuterung dazu hat O. Richter die Beschreibung einer 1614 abgehaltenen Tierhetze benutzt. – S. auch Dr. Beutel, Der Altmarkt als geschichtlicher Schauplatz. Dresdner Geschichtsblätter Bd. 4. S. 6.
- ↑ J. S. Müller, des Hauses Sachsen Annalen 1701, S. 312.
Dr. Otto Richter (Hrsg.): Dresdner Geschichtsblätter Band 5 (1909 bis 1912). Buchdruckerei der Wilhelm und Bertha v. Baensch Stiftung., Dresden 1909 bis 1912, Seite 39. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Dresdner_Geschichtsbl%C3%A4tter_F%C3%BCnfter_Band.pdf/42&oldid=- (Version vom 26.2.2026)