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Zu öberst auff dieses Haus und Dach
     Macht sich ein Weibesbildt fein sacht.
Inwendig steigt sie bis in Gübl,
     Klettert hinauf, ihr wird nicht übel.
Sie hebt etzliche Ziegl vom Dach,
     Kreucht durch die Sparre. Hört, was geschach;
Wie sie nun kömpt zu öberst hinauff,
     Setzt sich fein nieder, gab nicht viel drauff.
Obs noch gewesen wer zu hoch,
     So wer sie nauff gestiegen doch.
Sie setzt sich nauff wol an die Spitz,
     Allda sie hatte ihren sitz.
Wenns wer gewesn ein Mannsperson,
     Wollt ichs ihm zu gut gehalten hon.
Deren schauten ja genug überall hinaus!
     Sie saßen hinter den fewermäwren,
Bey zweyen, dreyen und auch viren,
     Wo ein Löchlein war in einem Hauß,
Dardurch kaum kont kommen ein Mauß,
     So mußte kuckn ein Auge rauß.
Das kam einem für so lächerlich usw. –

Als der achte und letzte Bär erlegt war, wurde die Jagd fröhlich abgeblasen; auch der Kurfürst blies dabei sein Waldhorn kurz und schön.

Der folgende Tag, der 18. August, brachte im Gegensatz zu diesem roheren Jagdvergnügen eine Musikaufführung im Schlosse. Auch hierbei ist Avenarius anwesend gewesen, und gewiß war es ihm Bedürfnis, das Werk des von ihm geschätzten Heinrich Schütz zu loben und zu preisen.

In diesem Spiel[1] kam gar schnell fliegend gerannt Pegasus, den Berg Parnassus auf seinem Rücken tragend. Aus dem Berg kamen die 9 Musen hervor mit Lautenklang und Gesang, auf des Berges Spitze aber saß Apoll. Die Musen traten vor und gaben den drei höchsten Gästen „künstliche und vortreffliche Geschenke“. Dann aber ertönte aus dem Berg, unter Schützens Leitung, ein lieblich Musika,

Die ich jetzt nicht aussprechen kan
     Noch auf der Welt ein kunstreich Man.

Darauf tanzten zwei junge kurfürstliche Fräulein „Galliard und andere anmutige Täntz, wie man sieht an Französischer Gräntz“. Ein Ball schloß sich an, wobei König Ferdinand die kurfürstliche Frau Mutter „aufzog“. Erzherzog Maximilian folgte

     Mit der Churfürstin lobesam
Von Lichtenberg, gar schön geziert,
     Frau Hedwig sie genennet wird. –

Am 19. August ward im Walde bei Wilsdruff Hirschjagd gehalten; am 20., einem Sonntage, war Ruhetag; am 21. ward an der Klipphausener[2] Leite, am 22. in der Dresdner Heide gejagt. Da man aber an diesem Tage auf keinen Hirsch stieß, begnügte man sich mit Vogelstellen an zwei Herden nahe bei Klotzsche. Von diesen „lieblichen Thierlein klein“ wurde dritthalb Hundert gefangen. Als man am Abend in Dresden wieder einritt, kam die Botschaft, daß der Friede zwischen Venedig und Ferdinand abgeschlossen worden sei. Dies wurde mit vielem Geschrei und lustigem Trunk gefeiert; so kräftigen Rausch bereiteten sich viele, daß der Dichter denjenigen glücklich preist, von dem man sagen könnte,

Das ihm derselb so wohl bekummen
     Und nicht that im Kopfe brummen.

Mittwoch den 23. August marschierten noch einmal auf der Wiese mit den Fähnlein von Leipzig, Freiberg und Torgau die von Meißen, Hain, Dippoldiswalde, Pirna, Chemnitz und Colditz auf; außer ihnen die Dresdner Bürgerschaft.

Punkt 9 Uhr setzte sich der Kaiser „frisch und gesund“ wieder auf das Schiff, und es begann ein gewaltiges Schießen. Die Wilden Männer, ein Geschütz auf dem Elbetor, die Wallgeschütze, die Musketiere auf der Mönchswiese, alles fiel ein und „respondierte“ sich.

Das Pfeifen hört man in der Lufft,
     Erschrecklich das Geschütze pufft;
In eines Menschen Haupt das Hirn
     Von diesen Krachen sich thet movirn.

Gar mancher wackre Monsier, schöne Held und Cavalier sehnte sich, wie Avenarius singt, danach, an solchem Ort zu sterben in frischem, freiem Feld, da solche Klänge ertönten. Der alte Student, der im Kapellmeister Avenarius steckt, läßt ihn die Ungebundenheit im Studenten- und Sängerleben preisen. Er sagt:

Wie hertzlich gerne wollt ich fort,
     Wenn ich stürb an einen solchen Ort.
Mit Freuden wollt ich mich begraben lahn,
     Wenn ich gleich wer der reichste Man.
Studentenlebn, o Kriegslebn,
     O du allerfröhlichstes Lebn,
Ein freudig Hertz thut ihr offt geben –
     Sonderlich wenn Geldt zu jeder Frist
Bei euch beiden vorhanden ist. –

Die Reise führte die österreichischen Gäste, vom Kurfürsten geleitet, zunächst bis Pirna; am andern Tage, den 24. August, über Schandau nach Tetschen. An der Grenze kehrte der Kurfürst um, die jungen Altenberger Gäste aber fuhren bis nach Prießnitz[3]; bei einem kalten Frühstück hielt Herzog Johann Philipp


  1. Abgedruckt bei Seussius: Wunderliche Translocation des Weltberühmten und fürtrefflichen Berges Parnassi und seiner neuen Göttin mit ihrem Großfürsten und Präsidenten Apolline, die .... zu Ehren in die Wohlverwahrte Hauptvestung Dreßden ablegiert worden seyn.
  2. Dorf zwischen Neudeckmühle und Wilsdruff.
  3. Gemeint ist Groß- oder auch Schönpriesen vor Aussig; auch Prießnitz genannt.
Empfohlene Zitierweise:
Dr. Otto Richter (Hrsg.): Dresdner Geschichtsblätter Band 5 (1909 bis 1912). Buchdruckerei der Wilhelm und Bertha v. Baensch Stiftung., Dresden 1909 bis 1912, Seite 40. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Dresdner_Geschichtsbl%C3%A4tter_F%C3%BCnfter_Band.pdf/43&oldid=- (Version vom 28.2.2026)