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     Ein schön Valet Oration.
Darauff mit Reden wohlgeziert
     Herr Klösel prächtig respondiert.

Die Reise führt alsdann nach Leitmeritz, von da wieder über Welwarn zu Wagen nach Prag. –

Drei Wochen war das Haupt des Reiches mit ein paar Hundert Gefolgsleuten beim Kurfürsten von Sachsen zu Gast gewesen. Die Kränklichkeit des Kaisers, der im Gegensatze zu dem Besuche des Vaters, des Kaisers Maximilian, bei Kurfürst August 1575 ganz zurücktritt, die Schwierigkeit der Verhandlungen mögen dies veranlaßt haben. Jedenfalls hat dieser Besuch dem Wirte ganz bedeutende Kosten verursacht; und dabei war er doch derjenige, von dem etwas erbeten werden sollte; ein Empfangender war er selbst nicht, wenn er sich auch geschmeichelt haben mag, daß ihm die mit dem Habsburger erneut gepflegte Vertraulichkeit in politischer Beziehung, in der sogenannten Jülich-Cleve-Bergischen Erbschaftsfrage einst Früchte bringen werde.

Die Habsburger wollten sich die Nachfolge in der Kaiserwürde sichern, der Wettiner hoffte, durch Entgegenkommen einen Landgewinn, freilich weit im Westen des Reiches, am Rheine zu erlangen; also dynastische Bestrebungen auf beiden Seiten. Die Beruhigung des Reiches, das von tiefen Gegensätzen zerfressen war, die Sicherung der protestantischen Reichsstände gegen weitere Uebergriffe der Katholiken, damals „die Forderungen des Tages“, wurden doch recht nebensächlich behandelt.

Ohne Zweifel war die äußere Schale bei dieser Zusammenkunft glänzend und kostbar genug: was ist nun über den Kern des Ganzen zu berichten – über die Verhandlungen, die hierbei in hochwichtigen Reichsangelegenheiten geführt worden sind?[1]

Am 4. August war der Einzug erfolgt; am 5. August nachmittags 2 Uhr ließ der Kaiser den Kurfürsten zu sich „erfordern“. Er rühmte dessen Liebe und Affektion zum Hause Oesterreich, die er „in viel weg gespüret“; so sei es geblieben und so werde es gewißlich bleiben. Die Liebe, die er zum Kurfürsten geschöpfet habe, demonstriere sein Besuch. Hierauf erinnerte Matthias an den betrübten Zustand des Reiches, zu dessen nötiger „Remedierung“ Johann Georg auch sicher geneigt sei. Er selbst habe das Möglichste getan, nun aber, da er alt und schwach sei, sorge er sich wegen der Nachfolge und der damit verbundenen „Konfusiones“. Daher sei die Erwählung Ferdinands vorzuschlagen, und er hoffe auf Verhandlungen darüber zwischen seinen und des Kurfürsten Räten. Hierauf sprach Johann Georg seinen Dank für des Kaisers Kommen aus und erklärte die Succession für einen wichtigen Punkt. Obwohl Sonderverhandlungen zwischen dem Kaiser und einem der Kurfürsten nicht statthaben sollten, wolle er doch seinen Räten Befehl zur Aufnahme der Verhandlungen geben. Am Montag darauf, den 7. August, ließ der Kardinal Klesl Herrn Caspar von Schönberg und die übrigen sächsischen Geheimräte früh um 9 Uhr bitten, zu ihm zu kommen. Diese erschienen und fanden bei ihm die Grafen von Fürstenberg, von Zollern, von Harrach, Herrn von Meggau, sowie den Reichsvizekanzler von Ulm. Auf die Frage Klesls, ob die sächsischen Herren einen Sekretarius nehmen wollten, antwortete Schönberg: Das sei hier nicht Brauch. Darauf wurde in Klesls Schlafkammer eine Tafel zugerichtet; an sie, die mit Papier umlegt war, setzte er allein sich auf einen Samtstuhl; rechts saßen die kaiserlichen, links die kurfürstlichen Räte, die aber ihre „Bänklein“ etwas von der Tafel abzogen; untenan saß der Reichshofratssekretarius Pucher, den Klesl hatte rufen lassen. Hierauf erhielt der Reichsvizekanzler das Wort. Er strich die treuen Ratschläge der kurfürstlichen Räte hoch heraus, schilderte die große Not im Reiche, die einen gänzlichen Ruin erwarten lasse. Im Vertrauen zu dem „treuen und aufrechten Churhause Sachsen“ habe der Kaiser schon immer kommen wollen, aber Geschäfte und „vorgefallne Leibsschwäche“ hätten ihn abgehalten. Zu dem Plane des Kaisers, Ferdinand wählen zu lassen und einen Kurfürstentag zu ermöglichen, stellte er nun noch bestimmte Fragen: Ob der Kurfürst für einen solchen Tag sei? Wann und wo er zu halten, damit die Krönungsreise nach Ungarn nicht behindert werde? Wer die Ausschreiben besorge und wie sie abzufassen seien? Ob der Kurfürst persönlich auf den Tag kommen werde? Ganz besonders wichtig aber erscheine, daß die Kurfürsten von der Pfalz und von Brandenburg ebenfalls kommen und sich dem Kaiser „anschließen.“ Schönberg rekapitulierte bis auf weniges alles „minutim“, so daß Klesl fand, daß er sich alles, wie „ad calamum diktiert“, eingeprägt habe[2], und bat hierauf um Aufschub, damit er dem Kurfürsten alles vortrage. Dieses wurde natürlich gewährt. Zur selben Zeit begab sich Erzherzog Maximilian zum Kurfürsten und entschuldigte sich bezüglich seiner Eingabe beim Kaiser im Jahre 1616. Er bedauerte einige schlechte Worte, bekannte sich aber zum Hauptinhalte. Er habe es dem Kaiser ganz insgeheim gegeben und auch geheim zu halten anempfohlen; dieser aber habe es Klesl gegeben. Die von ihm, dem


  1. Hauptquelle: Sitzungsprotokolle in dem schon mehrfach herangezogenen Aktenstücke H. St.A. Loc. 10676 Erste Buch Succession am Römischen Reich 1613–1617 Bl. 569–583. (Nur in den Hauptpunkten schon benutzt in W. Meier, Composition und Sezession unter Kaiser Matthias 1615–1616 Bonn 1895) – Schreiben Klesls in Hammer-Purgstall, Klesls Leben Bd. 3, Anhang.
  2. Das Protokoll über die Verhandlungen ist a. a. O. sechs Tage nach der Abreise des Kaisers datiert.
Empfohlene Zitierweise:
Dr. Otto Richter (Hrsg.): Dresdner Geschichtsblätter Band 5 (1909 bis 1912). Buchdruckerei der Wilhelm und Bertha v. Baensch Stiftung., Dresden 1909 bis 1912, Seite 41. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Dresdner_Geschichtsbl%C3%A4tter_F%C3%BCnfter_Band.pdf/44&oldid=- (Version vom 28.2.2026)