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Erzherzoge, vorgeschlagene Armierung habe sich nur gegen die richten sollen, die sich unberechtigterweise unterstehen wollten, sich der Wahl anzumaßen und „einen andern Kaiser zu setzen“. Der Kurfürst betonte, daß die Geheimhaltung richtiger gewesen wäre; er kenne Maximilians treues Gemüt, daher bedürfe es keiner Entschuldigung.

Mittwoch den 9. August 2 Uhr war der Kurfürst beim Kaiser und schlug vor: das beste Mittel sei, wenn der Kaiser, die Kurfürsten und die geheimen Räte zusammenkämen; Schicken und Schreiben sei vergeblich. Die Ausschreiben solle der Kaiser erlassen, ebenso auch das Wann und Wo darin bestimmen, aber es solle zunächst noch etwas Luft gelassen werden. Wegen der Pfalz und Brandenburgs versprach er seine besten Dienste. Als die kurfürstlichen Räte Donnerstag den 10. August schon früh 8 Uhr zu Klesl gekommen waren, wiesen sie darauf hin, daß der Zustand im Reiche nicht nur sehr, sondern äußerst unruhig sei. Sie erklärten sich ganz entschieden für einen Kurfürstentag, zu dem die Einladung vom Kaiser sicher so werde gefaßt werden, daß niemand beleidigt werde. Hierauf bat Klesl die Herren, sie sollten „ein wenig entweichen“, damit er sich mit seinen Kollegen wegen der Antwort beraten könne. Obgleich nun, so lautet das sächsische Protokoll, die Antwort also beschaffen war, daß es darüber nicht viel Skrupulierens und Disputierens bedurfte, warteten sie eine Stunde lang, dann wurden sie zum Kurfürsten befohlen und ließen das dem Kardinal melden. Da er ihnen nun zurücksagen ließ, er könne mit der Beratschlagung so geschwinde nicht fertig werden, verschob man die Verhandlung auf den folgenden Tag. An diesem, den 11. August 9 Uhr, entschuldigte sich Klesl wegen der Verzögerungen am Tage vorher noch ganz ausdrücklich und nahm die Schuld ganz auf sich; er habe nicht gedacht, daß die Konsultation so lange dauern werde. Dann nimmt der Vizekanzler das Wort und trägt, nachdem er ausdrücklich lobend hervorgehoben, „wie geschicklich, zierlich, fortrefflich und ausführlich man sich auf die kaiserlichen Projektionen resolvieret“, folgendes vor: Ein Kurfürstentag, auf dem Matthias selbst erscheinen werde, sei beschlossen, und zwar in Regensburg oder Eger in etwa zehn oder zwölf Wochen. Das Ausschreiben werde von Ihrer Majestät ergehen; persönliches Erscheinen Johann Georgs und Gewinnung Brandenburgs und der Pfalz dazu seien dringend erwünscht. Vielleicht sei günstig, wenn die kaiserlichen und die sächsischen Gesandten an jene Höfe zugleich reisten. Nach einer Unterbrechung wurden die Verhandlungen am Nachmittage fortgesetzt; die sächsischen Räte machten an dem Ausschreiben einige Ausstellungen, denn es seien Dinge darin enthalten, die der Feder nicht zu vertrauen, sondern in höchstem Vertrauen den Kurfürsten selbst zu sagen seien. Man müsse in Bezug auf den Kompositionstag sehr vorsichtig sein, damit die beiden weltlichen Kurfürsten nicht etwa das persönliche Erscheinen unterließen. Sein eigenes Erscheinen stellte Johann Georg in Aussicht, wenn der Kaiser komme und nichts Hinderliches vorfalle; aber seine Gesandten den kaiserlichen Kommissarien zu „adjungieren“, lehne er ab, weil man die Haltung der andern Kurfürsten in Sachen der Komposition nicht kenne, und weil sich der Kurfürst, wenn er zugleich mit dem Kaiser schicke, verdächtig mache; habe doch jeder Kurfürst beschworen, ohne einen anderen nichts Wichtiges zu betreiben. Auch hierauf bat der Kardinal, daß die sächsischen Räte auf eine Viertelstunde entweichen sollten. Nach ihrer Rückkehr äußerte er: Der Kaiser habe die „Adjunktion“ der sächsischen Gesandten nicht deshalb gewünscht, weil er Bedenken getragen, „den saueren Apfel zu schmecken, die harte Wurst zu beißen“, sondern um dadurch die anderen zwei Kurfürsten um so eher zum persönlichen Erscheinen zu bewegen. Die Komposition auf dem Kurfürstentag mit vorzunehmen, sei nicht richtig, da dann gewiß nur ein Streit entstehen werde. Sehr richtig äußerte Präsident von Schönberg, daß man sächsischerseits die Komposition mit erwähnen wolle, weil die anderen protestantischen Kurfürsten dann eher kommen würden.

Die Verhandlungen wurden hierauf bis zum folgenden Tage, Sonnabend den 12. August 9 Uhr, vertagt. Da erklärte Klesl, er habe sich die letzte Kontroverse „beschlafen“ und halte es nun für richtig, daß die Andeutung einer Komposition den Kurfürsten bei der Einladung zum Kurfürstentage gleich mitgegeben werde. Daran schloß Graf Hohenzollern noch einige Bemerkungen darüber, daß die Kurfürsten nicht richtig handelten, wenn sie den Reichshofrat etwa verkleinerten und ihm Kompetenzen nehmen wollten.

Montag den 14. August früh 9 Uhr erklärte der Vizekanzler, der Kaiser werde in zehn bis zwölf Wochen nach Regensburg zur Zusammenkunft reisen. Caspar von Schönberg war damit einverstanden, wies aber darauf hin, daß die Kurfürstin schwanger; wenn daher der Tag in die Zeit ihrer Niederlage falle, solle man es dem Kurfürsten nicht übel nehmen, wenn er seine eheliche Pflicht und Treue halte[1].

Und nun erst rückten die sächsischen Räte mit einigen Wünschen heraus. – Der wichtigste war: der Kaiser solle den Pfalzgrafen Wolfgang Wilhelm von Neuburg, der sich 1611 in Besitz von Jülich gesetzt hatte, in seinem Versuche, dies zu halten, ja nicht bestärken. Die andern Wünsche können hier übergangen


  1. Die Kurfürstin gab den 23. Dezember 1617 einer Tochter das Leben.
Empfohlene Zitierweise:
Dr. Otto Richter (Hrsg.): Dresdner Geschichtsblätter Band 5 (1909 bis 1912). Buchdruckerei der Wilhelm und Bertha v. Baensch Stiftung., Dresden 1909 bis 1912, Seite 42. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Dresdner_Geschichtsbl%C3%A4tter_F%C3%BCnfter_Band.pdf/45&oldid=- (Version vom 28.2.2026)