Seite:Dresdner Geschichtsblätter Fünfter Band.pdf/46
werden. Der Kardinal sicherte Verhandlungen über die Hauptsache beim Kaiser zu.
Erst nach fünf Tagen, Sonnabend den 19. August, kamen die Herren wieder zusammen, und es wurde nun als Tag der Zusammenkunft der 1. Februar bestimmt. Den besonderen Wünschen Sachsens wollte man entgegenkommen, vor allem sicherte man zu, daß man gegenüber dem Pfalzgrafen Wilhelm Wolfgang, der in Prag wegen Jülichs „sollicitieret“ habe, nichts tun werde, was Sachsen etwa beschweren könnte.
Damit waren die Verhandlungen abgeschlossen. Das Haus Österreich hatte erlangt, daß die Succession vor die Komposition gestellt werde, so zwar, daß die letztere aber nur erwähnt wurde, um mit ihr zu locken.
Klest ist mit den Ergebnissen zufrieden gewesen. Die Mühen, die er aufgewendet hatte, den Kaiser Matthias nicht nur im Gespräch mit ihm selbst zu leiten und zu beraten, sondern ihn auch unter Angabe der mutmaßlichen Fragen, die von andrer Seite fallen konnten, mit Antworten auszurüsten, waren gelohnt. So hat er sich denn mehrfach befriedigt ausgesprochen, z. B. gegenüber dem Herzog Maximilian von Bayern, dem Haupte der Liga. Er schrieb ihm am 4. September 1617[1], daß es zwar nicht gelungen sei, bei der Aufforderung zum Kurfürstentag die Frage der Abstellung der Beschwerden ganz zu umgehen, daß sie aber in dem Ausschreiben keinesfalls genannt, sondern nur angedeutet werde. „Waß man zue Rhom darzue sagen wirdt, mueß ich erwartten. Ist gleichwohl mitten in Lutherthumb und unter des Lutthers Landtsfürsten meo judicio vil gewesen, und habe ich diesen Churfürsten eines aufrechten Teutschen Hertzens E. L. gar wohl affectioniert befunden. Ir. Königl. Würden [d. i. Ferdinand] haben S. L. gar eingenomben und gegen einander große Vertraulichkeiten erzaigt; wär alles wol abgangen, wenn Ir. Maj. nit die maisste Zeit in Pött [= Bett] zugebracht hetten“.
Ebenso schrieb er an den kaiserlichen Gesandten in Spanien, den Grafen Khevenhiller[2], am 10. September: „Mein Person betreffent hab ich mit dem Churfürsten zue Sachßen so vertrauliche Kundschafft gemacht, das er mier sein Herz ganz und gar eröffnet, was für Prakhtiken die Calvinisten mit ihnen gebraucht, Item de Interregno, Item de Rege Ferdinando, und wie Er bey dem Hauß Oesterreich leben und sterben wölle“.
Auch von andrer Seite wird dies wachsende Einvernehmen beleuchtet. So wird unter dem 27. August aus Prag an den Fürsten Christian von Anhalt berichtet[3]: „Sonst verlaut, daß zwischen Allerseits bei dieser Zusammenkunft starke Verbindtniß und Freundschaft, auch der König und Churfürst zu Saxßen Brüderschaft mit einander gemacht und zu hoffen, daß es wohl baldt einen frischen Reichstag und neuen Römischen König abgeben möchte“. Wenn hinzugefügt wird: „es soll auch Ihr K. M. bei Ihrer Churf. Gn. prolongation der versetzten Stätte, so sich auf 800000 fl. erstreckt, erlangt haben“, so hat die Zusammenkunft, ähnlich wie die von 1575, auch noch eine finanzielle Seite gehabt, die sich für das immer in Geldnöten steckende Haus Österreich ebenfalls günstig gewendet hat. Klesl war vorsichtig und klug genug, den Reichshofratspräsidenten Grafen Johann Georg von Hohenzollern als Vertreter der kaiserlichen Politik, d. h. als Beobachter in Dresden zu lassen, um so mehr, als für Ende des Jahres eine Zusammenkunft des Kurfürsten von Sachsen mit anderen evangelischen Fürsten als wahrscheinlich galt.
Für wie wichtig die Zusammenkunft in Dresden in beiden Lagern, bei der Union und beim österreichischen Hofe, gehalten worden ist, dafür sprechen auch etliche andere Korrespondenzen. Kurfürst Friedrich von der Pfalz, der spätere Winterkönig, erkundigte sich unter dem 12. August von Heidelberg aus bei Johann Georg, ob etwas für das Römische Reich und die Kurfürsten Wichtiges vor sich gegangen sei[4]. Dieser antwortete am 31. August aus Stolpen: es sei sehr oft die Rede gewesen von den traurigen Zuständen im Reiche und den Remedien dagegen; er habe betont, daß als Mittel dagegen am besten ein Kom- oder Interpositionstag sei. Da dies aber ein schweres Werk sei und alle Kurfürsten dazu nötig, so habe der Kaiser erwogen, daß am besten zunächst eine persönliche Kollegialversammlung sei. Am 16. September dankte für diese Mitteilungen der Pfälzer Kurfürst, zeigte sich aber angesichts der Werbungen im Ober-Elsaß und in den Niederlanden beunruhigt, obwohl König Ferdinand und Erzherzog Maximilian in Sachen der beabsichtigten Armierung ihm beruhigende Versicherungen schriftlich gegeben hätten; er traue beiden nicht. Darauf schrieb Johann Georg am 7. Oktober, er wisse nichts von Rüstungen, hoffe das Beste und werde Wichtiges mitteilen[5].
Von König Ferdinand traf Mitte September ein am 9. d. M. von Brünn abgesendeter Brief in Dresden ein, worin er von dem guten Verlaufe seiner Huldigungsreise durch Mähren berichtet und auch seinerseits über
Dr. Otto Richter (Hrsg.): Dresdner Geschichtsblätter Band 5 (1909 bis 1912). Buchdruckerei der Wilhelm und Bertha v. Baensch Stiftung., Dresden 1909 bis 1912, Seite 43. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Dresdner_Geschichtsbl%C3%A4tter_F%C3%BCnfter_Band.pdf/46&oldid=- (Version vom 28.2.2026)