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allerhand fürstliche Rüstungen, von denen man höre, Bedenken äußert und ein paar beruhigende Zeilen darüber erbittet. Diese werden ihm am 17. September von Dresden aus durch Johann Georg zuteil: er habe zwar von Werbungen im oberrheinischen Kreise gehört, glaube aber nicht, daß der eine oder der andere Teil etwas Tätliches vornehmen werde; er selbst wolle die zwischen ihm und dem Könige eingetretene Vertraulichkeit nicht außer Obacht lassen. Über diese letzte Äußerung drückt Ferdinand in einem Briefe vom 6. Oktober aus Bautzen, wohin er nach seiner ihn sehr befriedigenden Huldigungsreise durch Schlesien gekommen war, um die Huldigung der Lausitzer entgegenzunehmen, seine Befriedigung aus; er selbst sei auch zu allem erbötig, käme am liebsten gleich wieder mit ihm zusammen, doch der Kaiser rufe ihn nach Prag; aber ganz gewiß wolle er mit dem Kurfürsten immer gute Nachbarschaft halten. Zum Dank dafür erhielt er unter dem 17. Oktober Johann Georgs erneute Versicherung der „continuation der angefangenen Freundschaft und Vertraulichkeit“[1].

Es ist hier nicht der Platz, das Verhältnis der beiden Fürsten zu einander weiter zu besprechen; nur sei daran erinnert, daß Johann Georg die Stadt, aus der der zuletztgenannte Brief Ferdinands kam, in den ersten Jahren der Verwirrungen des großen Krieges besetzt und alsdann dauernd für sein Haus gewonnen hat. Zu dessen Gedächtnis steht ja auch ein bescheidenes Denkmal dieses Fürsten auf dem Marktplatze Bautzens.

Daß ein Geschenkverkehr zwischen beiden Fürsten bestanden hat, beweist ein in das Aktenstück, das des Kaiser Matthias Schreiben enthält, eingehefteter Brief Ferdinands aus Prag vom 21. April 1623. Hierin schreibt Kaiser Ferdinand II.: „dem alten Gebrauch und Vertrauen nach schicke Ich zwei Wagen schwär Wein, einestheils meiner selbst Steyrischen Gewächs, theils von Ungarischen Sorten .... wie ich denn E. L. mit aufrichtig recht Teutscher Affection wie bisher also auch fürohin wohl und beständig zugethan verbleibe“.

Die Zusammenkunft in Dresden hat reichliche Gelegenheit zur Verteilung von Geschenken gegeben. Kaiser Matthias, dessen Geldverhältnisse immer bedenklich waren, scheint sich dies dadurch erleichtert zu haben, daß er mancherlei Geschenke verspendet hat, die einige Zeit vorher eine türkische Gesandtschaft für ihn nach Prag gebracht hatte. Immerhin heißt es in einem schriftlichen Berichte, der am 14. August aus Prag nach Anhalt gelangt ist: „es werden noch mehr güldne Ketten nach Dresden zu verehren gesandt, denn Ihnen große Ehre bewiesen wird, und wird Ihr. Maj. auß lauter Gold und dero Leut aus Silber gespeist“. Johann Georg wählte für Adam von Wallenstein, der die einleitenden Verhandlungen hatte führen müssen, selbst ein Kleinod im Werte von 326 Gulden, für den Geheimrat von Meggau eins für 320 Gulden, für den Oberstallmeister eins für 246 Gulden aus. Der Reichsvizekanzler erhielt eine goldene Kette für 502 Gulden. Im Ganzen wurden sieben Kleinode, neun Becher und eine Kette für 2483 Gulden durch die sächsischen Geheimräte gewählt, doch hatte man sich beim Hofgoldschmied Michael Beze[2] ausdrücklich das Abhandeln vorbehalten.

Daß Kardinal Klesl etwas erhalten habe, wird nicht berichtet. Obwohl er für Vermögensvermehrung in Form von „Verehrungen“ sehr empfänglich war[3], ist es doch wohl unwahrscheinlich, daß er als Römischer Kardinal von einem lutherischen Fürsten etwas erhalten habe.

Dies führt zum Schluß noch zu einem kurzen Berichte über die gesellschaftliche Aufnahme, die der Minister des Kaisers, der doch zugleich hoher katholischer Würdenträger war, in Dresden erfahren hat; dabei fällt auch ein Streifblick auf einen hoch angesehenen protestantischen Geistlichen jener Zeit, auf den Oberhofprediger des Kurfürsten Johann Georg I., Matthias Hoë von Hoënegg.

Beide stammten aus Wien. Klesl war als Sohn eines protestantischen Bäckermeisters in dieser Stadt geboren, hatte seine Unterweisung erst von protestantischen Lehrern erhalten, war aber später von Jesuiten zum Katholizismus bekehrt worden. Sein Eifer, seine einstigen Glaubensgenossen ebenfalls zu bekehren, gewann ihm das Vertrauen Rudolfs II., sowie des damaligen Bischofs von Passau. Er selbst wurde Bischof von Wiener-Neustadt und von Wien, vor allem aber in Nieder-Österreich der unerbittliche Bekehrer der Ketzer. Während des Bruderzwistes im Hause Habsburg trat er auf des Matthias Seite, verhalf ihm zum Besitze der österreichischen Erbländer noch zu Kaiser Rudolfs Zeiten und nach dessen Tode zur Kaiserkrone. Der jedenfalls begabte, aber falsche, herrschsüchtige, eitle und oft derbe und grobe Kirchenfürst gewann, wie schon erwähnt, einen überwältigenden Einfluß auf seinen Kaiser. Dies machte ihm viele Feinde im Kaiserhause und am Kaiserhofe.


  1. a. a. O. Bl. 589, 600, 601.
  2. In Loc. 8575 Briefe, Gelasse, fürstliche Schreiben 1591–1687 Blatt 18 und Loc. 8685 Verzeichnis der heiligen Christ-, Neuen Jahres- usw. Verehrungen und Geschenke 1611–1618 an verschiedenen Stellen als Kurfürstlicher Lieferant genannt. Ratsarchiv 147. Goldschmiedinnung. Von 1592–1633 als Mitglied aufgeführt als Michael Bezau, Pezaw, Pözo, Peza.
  3. Die schlesischen Stände gaben ihm z. B. bei Ferdinands Huldigung 1617 15000 fl., die Lausitzer 10000 fl. Hurter, Kaiser Ferdinand II. Bd. VII, 215.
Empfohlene Zitierweise:
Dr. Otto Richter (Hrsg.): Dresdner Geschichtsblätter Band 5 (1909 bis 1912). Buchdruckerei der Wilhelm und Bertha v. Baensch Stiftung., Dresden 1909 bis 1912, Seite 44. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Dresdner_Geschichtsbl%C3%A4tter_F%C3%BCnfter_Band.pdf/47&oldid=- (Version vom 3.3.2026)