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und die von diesem geleitete katholische Partei weniger unsympathisch waren, als das Haus der Pfalz und die Kalvinisten. Er hat sich[1] „bey Kaiserlicher und Königlicher Majestät und Erzherzoglicher Durchlauchtigkeit sehr recommandiert und ist mit dem in des Kaysers Suite gewesenen Cardinal Clesel wiederum bekannt geworden, auch bey der Gelegenheit Antithesin mascule wider das Papstthum tractiret“. Aber im übrigen hat er Klesl, namentlich persönlich, geschont, und dies hat Mag. Hänichen ihm zum Vorwurf gemacht[2]. Dieser Hofprediger hatte ihn, weil er in seiner Predigt dem Kardinal Klesl nicht seinen roten Hut und seinen Rausch[3] vorgeworfen habe, mit dem Bischoff von Laodicea verglichen und von ihm gesagt, das Urteil über ihn werde dermaleinst lauten: „Weil du weder warm noch kalt bist, will ich dich aus dem Munde ausspeien[4]. Es sei besser, daß einen die christliche Gemeine lobe und spreche: Ei, der ist eifrig, er fragt nach dem Teufel, dem Papste und den Kardinälen nichts – als wenn ein Kardinal käme und sagte: Mit diesem bin ich noch zufrieden, der ist bescheiden, der ist glimpflich, der bleibt bei den Realibus. Solche Fuchsschwänzer und Heuchler werde Christus verleugnen, die Moderation Hoës liefe wider die Ehre Christi“. Hoë wiederum konnte dem Hänichen auch etwas besonders Ungehöriges entgegenhalten: er habe in seiner Predigt Klesl den hochheiligen Kardinal Esel genannt[5].

So kräftig sich Hoë von Hoënegg, der später die Spitznamen Matz oder auch der Hohepriester erhielt, in seinen sehr zahlreichen Streitschriften gegen die Kalvinisten gezeigt hat, gegen den römischkatholischen Kardinal ist er vorsichtig und maßvoll aufgetreten; hat er doch nach der Wahl des Kalvinistenführers Kurfürst Friedrich von der Pfalz zum Könige von Böhmen lange Jahre seinen Kurfürsten dahin beraten, auf der Seite des Hauses Habsburg zu stehen. Seine Gegner haben dabei immer betont, daß er nicht nur durch die Gnade und Freigebigkeit seines Herrn, sondern auch derer, in deren Interesse er dessen Politik lenkte, so reiche Geschenke erhalten habe, daß er als Besitzer der Rittergüter Ober- und Niederrochwitz, Gönnsdorf und Lungwitz starb.

Das Jahr 1617 brachte ihm durch die von ihm geleitete große Jahrhundertfeier des Anschlages der Thesen zu Wittenberg am 31. Oktober noch große Ehren; im November darauf war seine Stellung nicht leicht, da das Haupt der Union, der Kurfürst von der Pfalz und der ebenfalls reformierte Kurfürst von Brandenburg nach Dresden kamen, um, wie eine Art Gegengewicht zu dem Kaiserlichen Besuch, auf Johann Georg einzuwirken. Sicher war aber sein Gestirn seit 1617 im Aufsteigen; sein Geschick und seine Vorsicht in der Behandlung der österreichischen Gäste hatten ihn vielleicht dem Kurfürsten besonders wert gemacht. Von 1618 an wächst sein Einfluß auf diesen Fürsten mehr und mehr.

Klesls Gestirn dagegen war im schnellen Sinken. Der von ihm in Dresden für den 1. Februar 1618 vereinbarte Regensburger Fürstentag trat nicht zusammen. Man verschob ihn auf den Mai. Aber in diesem selben Mai kam es in Prag zu dem verhängnisvollen Fenstersturz, an den sich der böhmische Aufstand anknüpfte. Am 20. Juli 1618 wurde Klesl, der Vermittelung zwischen den Aufständischen und dem Kaiser anstrebte, durch einen Gewaltstreich Ferdinands und Maximilians abgesetzt und zur Haft gebracht; am 2. November 1618 starb Maximilian, der in Dresden die Wahl seines Neffen zum Nachfolger des Kaisers so eifrig betrieben hatte. Matthias, der seit Klesls Sturz erst recht nur noch ein Schattenkaiser war, starb am 20. März 1619. Mitten in den ersten Wirren des allgemeinen Aufstandes gegen ihn reiste Ferdinand nach Frankfurt a. M., und am 26. August 1619 wurde er, hauptsächlich auf Kursachsens Betrieb, zu Matthias’ Nachfolger im Reiche erwählt.

Johann Georg hat hier in Frankfurt die Zusage, die er dem Hause Habsburg in den festlichen Dresdner Tagen gerade zwei Jahre vorher gegeben hatte, zum Schaden unseres deutschen Vaterlandes eingehalten.



Eine Dresdner Kunstgeschichte

war bei der Bedeutung Dresdens als Kunststadt schon lange ein Bedürfnis, sie konnte aber nicht gut geschrieben werden, bevor nicht Cornelius Gurlitt die Inventarisation der Dresdner Kunstdenkmäler durchgeführt hatte. Jetzt ist uns eine solche Kunstgeschichte in Gestalt von Paul Schumanns „Dresden“ (Berühmte Kunststätten Band 46, Verlag von E.A.Seemann in Leipzig, Preis geb. 4 Mark) bescheert worden. Das Werk beruht auf gründlicher Sachkenntnis und eingehender Benutzung der bisherigen Forschungsergebnisse und gibt ein zuverlässiges und lebensvolles Bild von der glänzenden Entwicklung, deren sich


  1. J. A. Gleich, Annales Ecclesiastici 1730 Bd. II, S. 81.
  2. E. Otto, der Streit usw. S. 100.
  3. Über das unmäßige Trinken während der Anwesenheit Kaiser Maximilians II. in Dresden 1575 hatte der Fürst von Anhalt dem Grafen von Henneberg gar viel zu berichten gehabt (s. Dresdner Geschichtsblätter 1908); da selbst der römische Kardinal Klesl 1617 einen Rausch gehabt hat, ist wohl anzunehmen, daß auch bei des Kaisers Matthias Anwesenheit, entsprechend der persönlichen Neigung Johann Georgs I., stark getrunken worden ist; doch schweigen die Berichte darüber.
  4. Offenbar. Joh. 3, 14–18.
  5. Einen ähnlichen Witz legt Vehse Bd. 30, 44 dem lustigen Prof. Taubmann in den Mund: In CLesel seien 150 Esel enthalten.
Empfohlene Zitierweise:
Dr. Otto Richter (Hrsg.): Dresdner Geschichtsblätter Band 5 (1909 bis 1912). Buchdruckerei der Wilhelm und Bertha v. Baensch Stiftung., Dresden 1909 bis 1912, Seite 47. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Dresdner_Geschichtsbl%C3%A4tter_F%C3%BCnfter_Band.pdf/50&oldid=- (Version vom 18.2.2026)