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XVIII. Jahrgang 1909 Nr. 4.
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In dem südöstlich von Dresden an der Elbe gelegenen Dorfe Hosterwitz bestand vor Zeiten ein Vorwerk, das zu Ausgang des Mittelalters aufgelöst wurde[1]. Im 16. Jahrhundert gab es dort nur Bauergüter, darunter als größtes ein Zweihufengut, sodann das Anderthalbhufengut eines Hans Jentzsch, der zugleich von einem Fischbach zinste, mehrere gleich große und kleinere Wirtschaften und endlich eine Mühle[2].
1622 wurde Hosterwitz ein Zubehör der Herrschaft Pillnitz. Erb- und Gerichtsherr über Hals und Hand war Joachim von Loß, der „böse Loß“, von welchem es später in den Dörfern hieß, daß er nachts als schwarzer Hund in dem alten Schloß zu Pillnitz erscheine[3]. Joachim von Loß war ein durchgreifender Herr, unerbittlich den Bauern gegenüber. Es „ereignete sich anno 1624 den 24. April der Vorfall, daß von Pirna Schiffe mit Bürgern und Defensionern nach Hosterwitz gefahren kamen, weil die Bauern ihrem Erbherrn, dem Herrn von Loß, nicht untertänig sein wollten, weswegen er sie plündern und ihr Vieh nach Pillnitz treiben lassen“[4]. Spät nach seinem Tode milderte Günther von Bünau, dem als Gemahl einer Tochter Joachims die Herrschaft zufiel, die Lage der Bauern; es entstand das Erbregister von 1649[5]. Aber der Haß und die Erbitterung waren nicht so leicht zu tilgen.
Ein Menschenalter später, im Jahre 1680, lag Hosterwitz noch immer darnieder. Mehrere Höfe standen ledig, sie waren, wie es heißt, „gänzlichen wüst und ruiniert der hochadligen Herrschaft und andern Kreditoren übergeben worden“[6]. Die Gerichtsherrschaft und die Verwalter des Kirchenvermögens, der Pfarrer und die Kirchväter, hatten sich bemüht, für den einen Hof, ein Fünfviertelhufengut, Hans Treff aus Zschieren und für den andern, ein Hufengut, Georg Gobisch von der Königsteiner Ebenheit als Käufer zu gewinnen, sie hatten, wie es im Gerichtsbuch heißt, „ein merkliches angewendet“, um Acker und Anwesen wieder in Stand zu setzen und zu bestellen. Vertrauensvoller mochten sie in die Zukunft blicken, als die neuen Wirte eingezogen waren. Da trat ein Ereignis ein, das alle menschlichen Berechnungen zerschlug und zu nichte machte.
1680 brach die Pest, von Süden kommend, in Sachsen ein und suchte auch Hosterwitz heim. Am 12. Juni früh morgens kam in der Wirtschaft des Markus Scherze der erste verdächtige Todesfall vor[7] „Gott wende die gedrohete Seuche von uns!“ schrieb der Pfarrer ins Kirchenbuch. Am 20. Juni fiel das zweite Opfer, und bald nahm das Sterben überhand. In den Gärten, hinter den Scheunen, auf den Weinbergen begrub man die Toten – der Pfarrer erlag
- ↑ Dresdner Geschichtsblätter Bd. III, S. 178.
- ↑ Erbbuch des Amts Dresden von 1547 (H. St. A. [Hauptstaatsarchiv] Loc. 37 900, Rep. XLVII, Dresden Nr. 21a).
- ↑ A. v. Minckwitz, Geschichte von Pillnitz, 1893, S. 9 u. 10.
- ↑ Dresdnische Gelehrte Anzeigen auf das Jahr 1776, S. 275.
- ↑ H. St. A. Loc. 37 904, Rep. XLVII, Dresden, Nr. 181.
- ↑ Hosterwitzer Gerichtshandelsbuch von 1671, Bl. 6, 10 u. a. O. (Archiv des Amtsgerichts Dresden-N.).
- ↑ Kirchenbuch von Hosterwitz im Pfarrarchiv (1637 beginnend).
Dr. Otto Richter (Hrsg.): Dresdner Geschichtsblätter Band 5 (1909 bis 1912). Buchdruckerei der Wilhelm und Bertha v. Baensch Stiftung., Dresden 1909 bis 1912, Seite 49. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Dresdner_Geschichtsbl%C3%A4tter_F%C3%BCnfter_Band.pdf/52&oldid=- (Version vom 7.1.2026)