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An den Kaiser und König, wie an den Kurfürsten von Brandenburg ergingen eilige Hilferufe[1]; Leipzig wurde sofort mit genügenden Truppen versehen und so stark als möglich ausgerüstet, um eine Belagerung aushalten zu können. Die Räte in Dresden wurden ebenfalls schon ermahnt, alles Getreide aus der Umgegend aufzukaufen und sich auf die Möglichkeit einer Belagerung vorzubereiten. Der Meißner Adel wurde nach Grimma aufgeboten. Überall ins Land hinaus flogen die Befehle, gute Wachsamkeit zu halten[2].

Es war klar, mit seinen wenigen Truppen konnte Moritz nicht an Kampf im offenen Felde denken. Es blieb ihm vorderhand nur die Möglichkeit, die festen Plätze zu halten und den Feind so lange davor zu beschäftigen, bis die erwarteten Verstärkungen eintreffen würden. Als Verteidigungsstellung kam eigentlich nur die Linie Leipzig, Grimma, Dresden mit Zwickau, Chemnitz, Freiberg im Hintergrunde in Betracht, denn der Verdacht lag zu nahe, daß der Kurfürst versuchen werde, die sächsischen Silberbergstädte zu erobern und mit den ihm freundlich gesinnten Böhmen in Verbindung zu treten. Herzog Moritz tat denn auch alles, um diese Linie so stark als möglich zu machen. Nachdem er Leipzig wohlbesetzt verlassen hatte, zerstörte er den Muldenübergang bei Grimma und hielt sich dann mit seinen Reitergeschwadern den ganzen Feldzug über bis zum April in der Gegend Roßwein, Chemnitz, Freiberg auf, von wo er sofort schnell nach jedem etwa bedrohten Orte seiner Verteidigungsstellung eilen konnte.

Dresden bildete also den östlichen Endpunkt der herzoglichen Operationsbasis. Die Stadt war der Schlüssel sowohl zu dem Zugang nach dem reichen Freiberg wie nach Böhmen bei einem Angriff von der Lausitz her. Kein Wunder, daß man die wichtige Elbefestung so stark machen wollte, daß sie dem Angriff jedes Feindes ohne Gefahr trotzen konnte. Leider sind die Nachrichten über die wirklich hier vorhandenen Truppen Anfang Januar 1547 durchaus unbestimmt.

Am Neujahrstage noch sprach Moritz in einem Briefe an seinen Bruder August[3] die Hoffnung aus, in den nächsten Tagen selbst nach Dresden kommen zu können, aber er zog es dann doch vor, um Colditz und Roßwein auszuharren, bis er Gewißheit über Johann Friedrichs weitere Absichten hatte. Jedoch auch dann, als er dessen Entschluß zur förmlichen Belagerung Leipzigs erkannte, war es ihm zunächst noch mehr um die Sicherung der Bergstädte zu tun und er schob den Ritt nach Dresden einstweilen wieder hinaus.

In Dresden stand seit den letzten Dezembertagen sein eigener Bruder August, und um ihn waren so treffliche Berater wie Georg von Carlowitz, Heinrich von Gersdorf, Simon Pistoris und der erprobte Graf Johann Baptist Lodron, der Befehlshaber über einige Fähnlein böhmischen Kriegsvolkes und 7 Feldgeschütze[4] Da mochte Moritz wohl meinen, daß seine Anwesenheit in der Elbefestung jetzt nicht unbedingt nötig sei. Sein Vertrauen in die Rührigkeit der Dresdner Befehlshaber täuschte ihn auch nicht. Als in den ersten Januartagen von 1547 die Gefahr eines Überfalls für die Residenzstadt nahe gerückt war, herrschte dort emsige Geschäftigkeit, um die Festungswerke in guten Verteidigungszustand zu setzen. Überraschend hatte sich nämlich damals die Kriegslage geändert.

Nachdem Herzog Moritz die Belagerung von Wittenberg hatte aufgeben müssen, um Leipzig retten zu können, war das bis dahin dort eingeschlossene kurfürstliche Besatzungskorps unter Bernhard von Mila frei geworden und sein kühner Kommandant hatte sofort einen Streifzug in die Lausitzen unternommen, der auf herzoglicher und königlicher Seite besonders deswegen sehr bestürzte, weil er bewies, daß der Feind vor Leipzig nicht völlig in Anspruch genommen war und weil man sich danach auch noch weiterer Überraschungen versehen mußte. Am 5. Januar fiel Sonnenwalde in die Hand des Feindes und alsbald mußte auch Dresden mit der Möglichkeit eines Angriffs rechnen. Gleich auf die erste Kunde hin ließen die Räte alle Brücken über die schwarze Elster abwerfen und ordneten für Dresden den Ausbau der noch nicht kriegsgemäßen Befestigungen an. Man vermied es allerdings, wie die Räte an Ernst von Miltitz schrieben, „viel einzureißen und also wie zu Leipzig zu handeln, dann es macht das volk unwillig, feige und sterk den feind“[5]. Diese Rücksicht wird begreiflich, wenn man erwägt, wie sehr die Befehlshaber auf den guten Willen der Bevölkerung angewiesen waren. Denn an geschultem Kriegsvolk scheint zunächst in Dresden außer den böhmischen Fähnlein Lodrons gar nichts vorhanden gewesen zu sein, wenn wir von 18 gerüsteten Pferden absehen, die Herzog August unter seinem Befehl hatte. – So mußte man sich also vor der Hand ganz auf die Bürgerschaft stützen. Nun bestand von altersher wohl eine militärische Einteilung der Bürgerschaft, die zusammenfiel mit der lokalen Viertelsteilung zu Verwaltungszwecken. Aber die lange Zeit ungetrübten Friedens war zweifellos nicht von gutem Einfluß auf die Entwicklung kriegerischen Geistes in der Bürgerschaft gewesen. Daher mochten


  1. Brandenburg, Polit. Korr. II, 987 ff.
  2. Vgl. hierzu: Brandenburg, Korr. II, 987/991 m. Anm. 1 u. 3. Ebenda 996, 1001, 1009, 1012/15.
  3. Konz. Dr. H. St. A. Loc. 9141 Der Rete zu Dresden . . . . Bl. 1.
  4. Brandenburg, Polit. Korr. II, 929 947.
  5. Dresden, 1547. Jan. 5. H. St. A. Loc. 9139 Kriegshendel: Bl. 364.
Empfohlene Zitierweise:
Dr. Otto Richter (Hrsg.): Dresdner Geschichtsblätter Band 5 (1909 bis 1912). Buchdruckerei der Wilhelm und Bertha v. Baensch Stiftung., Dresden 1909 bis 1912, Seite 4. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Dresdner_Geschichtsbl%C3%A4tter_F%C3%BCnfter_Band.pdf/7&oldid=- (Version vom 30.12.2025)