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Wahl seines Sohnes Ferdinand zum Nachfolger zuzusichern. Obwohl Sachsen die Jahre nach dem Ende des großen Religionskrieges in den mißlichsten Geldverhältnissen war, mußte Rat geschafft werden, damit Johann Georg, noch dazu in Begleitung sehr vieler Menschen (621) und Pferde (590), die Reise ausführen konnte. Am 21. Oktober brach er von Dresden auf und gelangte über Gießhübel und Aussig am 25. d. M. nach Prag. Er traf hier mit den Kurfürsten von Mainz und Trier und dem Großen Kurfürsten von Brandenburg zusammen und beteiligte sich an einer Fülle glänzender Gastmähler.[1] Das Ergebnis der Tagung war, daß 1653 Ferdinand IV. wirklich zum römischen Könige gewählt wurde. Da er aber bereits 1654 starb und ihm sein Vater Ferdinand III. 1657 im Tode folgte, trat die Frage der Kaiserwahl von neuem an die Kurfürsten heran.
In Sachsen regierte seit 1656 der ebenso prachtliebende wie geldbedürftige Johann Georg II., eine politisch sehr unbedeutende Persönlichkeit. In dem großen Gegensatze zwischen Frankreich und Österreich, Bourbon und Habsburg, hat er wohl eine Zeitlang geschwankt. Fast scheint er nahe daran gewesen zu sein, mit Frankreich abzuschließen und für die vom Kardinal Mazarin betriebene Kaiserwahl Ludwigs XIV. einzutreten[2], doch hat er die Hoffnungen, die man auf ihn auch von Wien aus setzte, noch erfüllt. Ein besonderer Gesandter, Graf Wolkenstein, kam 1657 nach Dresden und gewann des Kurfürsten Zusicherung. Auf einer Zusammenkunft zwischen dem Reichsvizekanzler Khurtz und dem sächsischen Gesandten Heinrich von Friesen zu Raudnitz wurden im August 1657 die Verhandlungen abgeschlossen. Gegen das Versprechen, Sachsen werde für Erzherzog Leopolds Wahl stimmen, erhielt der Kurfürst 100000 Taler, ratenweise zahlbar, zugesichert. Um seiner aber ganz sicher zu bleiben, wollte ihn der Kaiser noch durch besondere Gesandte (Lobkowitz und Kinsky) zur Abreise nach Frankfurt a. M. veranlassen. Johann Georg II. erschien denn auch im April 1658 mit größter Prachtentfaltung auf dem Wahlkonvent, leistete aber dem Kaiserhause nicht soviel, als man erwartet hatte, wenn er auch fest an der Wahl Leopolds I. hielt[3] und weder für Ludwig XIV. noch für den von Mazarin sonst noch ins Auge gefaßten Kurfürsten Ferdinand Maria von Bayern eintrat.
Als 32 Jahre später Leopold I. seinen ältesten Sohn Joseph I. auf einem Kurfürstentag in Augsburg zur Wahl vorschlug, erlangte er das Einverständnis sämtlicher Kurfürsten, auch Johann Georgs III., verhältnismäßig schnell. Ebenso wurde Karl VI. nach Josephs Tode noch während seiner Rückfahrt von Spanien, das er sich als Erbe zu erkämpfen gehofft hatte, in Frankfurt a. M. von den meisten Kurfürsten gewählt. August der Starke, ein Fürst voll hochfliegender Pläne und von unruhigem Streben, aber wenig nachhaltiger Kraft, hatte eine zeitlang wohl daran gedacht, sich selbst als Nachfolger in der Kaiserwürde aufzustellen, diesen Plan aber bald wieder fallen lassen.
Noch einmal ist im 18. Jahrhundert der Gedanke, daß ein albertinischer Wettiner Kaiser werden könnte, aufgetaucht; da ihn aber Graf Brühl für seinen schwerfälligen Herrn, August III., König von Polen, faßte, ist es nicht zu verwundern, daß er bald aufgegeben wurde[4] und Sachsen sich dazu entschloß, den Gegner Maria Theresias, Karl Albert, Kurfürst von Bayern, den Kandidaten Frankreichs, bei der Bewerbung um die Kaiserkrone 1741 zu unterstützen. Sachsen hoffte auf diese Weise, von dem großen Habsburger Erbe, obwohl es einst Karls VI. pragmatische Sanktion anerkannt hatte, einen ansehnlichen Teil zu erhalten. Damit im Zusammenhange steht ein kurzer Besuch, den der nachmalige Kaiser Karl VII. in Dresden abgestattet hat.
Am 19. Oktober 1741 war zu Frankfurt a. M. zwischen Sachsen, Preußen und Bayern ein Vertrag abgeschlossen worden: Karl Albert soll in der Eroberung des Habsburgischen Erbes und bei der Bewerbung um die Kaiserkrone unterstützt werden. Sachsens Hoffnung, Nordböhmen mit Prag zu gewinnen, konnte nicht erfüllt werden; doch wurde ihm das Markgrafentum Mähren als zukünftiges Königreich, sowie Oberschlesien bis an die Neiße und eine Etappenstraße durch Böhmen nach Mähren zugesichert.
Bald darauf erstürmten Bayern, Sachsen und Franzosen Prag; die Sachsen vom Grafen Rutowsky[5], die Franzosen vom Marschall Moritz von Sachsen geführt, beide Halbbrüder Augusts III. Nach der Erstürmung der Stadt ließ sich Karl Albert unter Entfaltung großer Pracht zum König von Böhmen wählen und krönen. Um über München, seine bayrische Hauptstadt,
nach Frankfurt a. M. zur Kaiserwahl ungefährdet
- ↑ K. G. Helbig: Eine fürstliche Reise 1652. Archiv für die Sächs. Geschichte. Bd. VI, S. 294 ff-
- ↑ Auerbach, La diplomatie française et la cour de Saxe 1648-1680. S. 89.
- ↑ H.St.A. Loc. 10682 Reisejournal. – Přibram, zur Wahl Leopolds I. (1654-1658). Archiv für österreichische Geschichte. Bd. 23, S. 153.
- ↑ A. A. Heigel, der Österreichische Erbfolgestreit und die Kaiserwahl Karl Alberts. Nürnberg 1877.
- ↑ Heigel a. a. O. nennt ihn durchgehends irrtümlich Rustowski.
Dr. Otto Richter (Hrsg.): Dresdner Geschichtsblätter Band 5 (1909 bis 1912). Buchdruckerei der Wilhelm und Bertha v. Baensch Stiftung., Dresden 1909 bis 1912, Seite 70. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Dresdner_Geschichtsbl%C3%A4tter_F%C3%BCnfter_Band.pdf/73&oldid=- (Version vom 22.3.2026)