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Hoikendorph[1]. Der Ort Hoikendorph besteht heute noch nahe der Mündung des Serrenbachs als Höckendorf (bei Edle Krone), er lehnte sich an eine ganze Reihe Dohnischer Rodungen in der Tharandter Gegend an, Paulsdorf, Seifersdorf, Börnchen, Possendorf und andere. Um dieses Gebiet ging der Kampf zwischen Bischof und Burggraf, nicht um das Gebiet der alten Örtschaften am Unterlauf der Weißeritz. Die Frage, wo der Bach Zuchewidre oder Zucherridre, der Bach aus dem Ziegenrück, gesucht werden muß, kann nur unter Berücksichtigung der Lage von Tharandt entschieden werden.



Fürstenbesuche in Dresden.
Von Professor Dr. Paul Rachel.


I. Deutsche Kaiser. Kaiser Joseph II. (Schluß.)

Hören wir nun den leitenden Minister Sachsens, den Grafen Flemming, und den sächsischen Gesandten in Wien, Graf Siegfried Vitzthum, in ihren Äußerungen über Joseph. Flemming, der manches von des Kaisers Urteilen nach dessen Rückkehr nach Wien zu hören wünschte, teilte dem Gesandten am 27. Juni 1766[2] mit, daß sich Joseph gegen alle Mitglieder des Hauses sehr gütig und freundschaftlich gezeigt habe. Zu der im Opernhause angestellten „Ridotto“ hätte man gewünscht, daß er länger geblieben sei „zumahlen Sie bey dem hiesigen Hofe nicht zu misfallen geschienen“. „Jedermann vom Größten bis zum kleinsten, die allerseits von Sr. Kayserlichen Majestät Freundlichkeit und Holdseligkeit eingenommen sind, begleitet dieselbe mit der ausnehmensten Verehrung, denen einstimmigen applaudissemens und getreuesten Wünschen. Und in der That haben wir alle ohne billige Verwunderung sehen können, wie vollkommen dieser große und junge Monarch die Seinem höchsten Range anständige Dignitaet mit der leutseligsten Herablassung des beyzubehaltenden beliebten Incognito zu vereinbahren geruht hat“. Unter dem 30. Juni kommt Flemming noch auf das besondere Verhältnis des Kaisers zu dem um 9 Jahre jüngeren Kurfürsten Friedrich August zu sprechen und sagt: „Besonders haben Sie sich auch gegen unseren jungen Churfürsten auf eine allerhöchst Ihro wenige Jahre und Erfahrung übersteigende, so solide als güthige Art als ein wahrer Mentor (der 25jährige gegenüber dem 16jährigen!) zu explicieren und ihm die gründlichste Haupt-Regula anzuempfehlen geruhet, die Sie sich teils annoch während Ihrer Minderjährigkeit, durch fleißige Application und nützliche Zubereitung zu dero künftiger Regierung auch zur Annahme der Lehren des Administrators und der Kurfürstin-Witwe angehalten“.

Endlich am 23. Juli 1766 konnte Graf Vitzthum von des Kaisers Rückkehr nach Wien und von seinem Verhalten berichten. Den ersten Mittag hatte er mit seiner Mutter allein gespeist, dann hatte er aber sehr bald Menschen um sich gesehen. Der Gesandte fand ihn trotz aller Fatiguen unverändert, „außer daß die Luft und Sonne Sie ein wenig geschwärtzet“. Daß Joseph den Prinzen Xaver und die gesamte Familie Wettin mit großen Lobsprüchen beehrt hat, ist ja selbstverständlich. Sein Lob ergoß sich aber auch über den Zustand ganz Sachsens: „Es geruhten Allerhöchstdieselben, Sich mir zu nähern und mir in den obligeantesten Ausdrücken zu bezeugen, wie Sie in dero Tournée an Sachsen ein Land gesehen, welches sowohl wegen der Schönheit der Lage, deren trefflichen militärischen Positionen, der schönen Agricultur und besondren Industrie der Einwohner Sie vorzüglich frappiret habe. Er habe sich gewundert, wie nach einem so langen und harten Kriege man, wenigstens dem äußerlichen Ansehen nach, nicht das geringste von Calamitaeten mehr verspüre“.

Wie aus Vitzthums nächstem Berichte vom 30. Juli 1766 hervorgeht, hat er diese günstige Kritik Sachsens, die Joseph vor vielen anwesenden Diplomaten äußerte, nicht besonders freudig oder stolz aufgenommen. Er wies vielmehr den Minister Flemming darauf hin, daß er vom Bruder Xavers, dem mit der Erzherzogin Marie Christine sehr glücklich verheirateten Herzog Albert von Sachsen-Teschen, schon früher gehört habe, der Kaiser habe schon öfters den Gedanken geäußert, daß „das viele Geld, so durch die Armeen und besonders durch die Österreicher in Sachsen vertan worden sei, dieses Land mehr bereichert haben müsse, als der Krieg nicht Schaden getan“. Da dies Sachsen bei „Negotien“ schaden könne, sollte Graf Flemming ja dagegen wirken.

Sachsen hatte nun in der Tat während des Siebenjährigen Krieges nicht nur durch die feindlichen Preußen, sondern auch sehr stark unter der Besetzung der verbündeten Österreicher zu leiden gehabt[3]. Deshalb kam Flemming in zwei Schreiben sehr eingehend auf diese nach seiner Meinung sehr falsche Auffassung des jugendlichen Kaisers zurück, der eben die Schrecknisse eines Krieges für ein Land noch nicht gesehen hatte. Er schreibt nach Wien am 28. Juli, er finde des Kaisers Urteil über Sachsen konsolant, aber oberflächlich, nur dem Scheine nach. In Wirklichkeit stehe es im Lande sehr schlecht mit der


  1. Die Donins, S. 281. Nicht ausgeschlossen ist es, daß dieser Hoiko 1198 als Hoiko v. Donin genannt wird. Die Donins, S. 33, Anm. 16.
  2. Loc. 732. Vitzthums Depeschenkonzepte und Flemmings Ministerialschreiben.
  3. Görler, Studien zur Bedeutung des Siebenjährigen Krieges für Sachsen. Neues Archiv für sächs. Geschichte. Bd. 29. S. 129.
Empfohlene Zitierweise:
Dr. Otto Richter (Hrsg.): Dresdner Geschichtsblätter Band 5 (1909 bis 1912). Buchdruckerei der Wilhelm und Bertha v. Baensch Stiftung., Dresden 1909 bis 1912, Seite 87. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Dresdner_Geschichtsbl%C3%A4tter_F%C3%BCnfter_Band.pdf/90&oldid=- (Version vom 23.2.2026)