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hingen kleine Pistolen in ledernen Futteralen; über dem Rücksitz war eine große, runde Repetieruhr angebracht, über die ein grünseidenes Kissen gegeben war. Auch in seinen Monturen war er durchaus einfach; war eine solche zerrissen, so ließ er sich sogleich, wie zum Beispiel in Dresden, eine neue machen. Er trug an jenem Reisetage einen schwarzen, glanzleinewandenen Hut, mit schmaler goldener Tresse eingefaßt, eine schwarze Binde um den Hals, die Uniform seines Dragonerregimentes, grün mit rotem Aufschlag, eine weiße Tuchweste mit silbernen Tressen, Lederhosen, Stiefel mit silbernen Sporen und einen Degen. Auf der linken Seite des Rockes waren zwei Sterne übereinander gestickt, der obere von Silber mit einem grünen Kranz umflochten, der untere golden. Obwohl militärisch gekleidet, trug er Stock mit Goldknopf. Er erschien dem Ratsschreiber von mittlerer Statur, etwas schmächtig; er trug eigenes dichtbraunes Haar mit einem von schwarzseidenem Bande umwundenen Zopfe. Der wohlgewachsene Mann bewegte sich lebhaft, ja feurig; die dunkelbraunen Augen, die etwas längliche Nase, das zurückliegende Kinn, der etwas offen gehaltene und mit der Nase heraufgezogene Mund gaben ihm das gewisse habsburgisch-lothringische Aussehen.

So eilte er an jenem Tage von Dresden nach Meißen, fuhr zwischen 1 und 2 Uhr durch das Brückentor nach Meißen hinein, die Elb- und die Burggasse hinauf und zum Lommatzscher Tore an den aufs Rad Geflochtenen vorüber über Löthain auf Zehren zu; von da hat er über Strehla Torgau noch am selbigen Abend erreicht. An demselben Tage war Friedrich der Große von Potsdam aus mit seinen Bruder, dem Prinzen Heinrich, und dem Prinzen Friedrich von Braunschweig nach Kloster Zinna gereist, einem Orte, der sechs bis sieben Meilen nördlich von Torgau auf preußischem Gebiet gelegen ist. Eine Zusammenkunft beider Fürsten lag im Bereich der Möglichkeit[1].

Friedrich der Große hatte schon im Anfange des Jahres 1766 seinen General Hord dem österreichischen Botschafter in Berlin, dem General Nugeant, Anträge auf engstes Bündnis mit Österreich machen lassen, denn dann könnten sie allen übrigen Mächten Europas die Spitze bieten! Auch war er persönlich sehr freundlich und liebenswürdig gegen den Gesandten gewesen. Ebenso scheint Kaunitz eine Zeitlang daran gedacht zu haben, durch Annäherung an Preußen verlorenes Terrain in der polnischen Angelegenheit wiederzugewinnen. Joseph war davon unterrichtet und hegte, als der Plan für seine sächsische Reise festgestellt wurde, den entschiedenen Wunsch, den berühmten Schlachtenmeister kennen zu lernen. Er fragte den 19. März 1766 bei Hofe den preußischen Gesandten in Wien, ob er dem König nicht eine Freude machen könne durch Übersendung florentinischen Weines, den er von seinen Bruder erhalten hatte. Die Berichte, die der König nach einem Geschenkwechsel weiterhin aus Wien erhielt, veranlaßten ihn, den General Finkenstein im Anfang Juli damit zu beauftragen, beim österreichischen Gesandten Nugeant auf eine Zusammenkunft mit Joseph hinzuarbeiten; „er würde sehr traurig sein, angesichts der Nähe des Ortes, des Vergnügens beraubt zu sein, diesen Fürsten zu sehen“. Nugeant ging auf den Gedanken ein, vermied aber, irgend etwas Positives zuzusichern. Erst wenn er den Kaiser in Dresden gesprochen habe, könne er etwas Bestimmtes mitteilen. Friedrich griff den Gedanken, den Kaiser in Torgau oder auf Schloß Lichtenburg zu begrüßen, sehr begierig auf; bei ihm war es wohl weniger die Neugier, den jungen Herrscher kennen zu lernen, als die Absicht, Rußland, mit dem er damals wegen Polens nicht besonders gut stand, zu zeigen, daß er noch eine andere Macht gewinnen könne, vielleicht auch, um Österreich und Frankreich, die auch nach 1763 noch zusammenhielten, auseinander zu bringen.

Es kann hier nicht darauf eingegangen werden, wie die Aussichten auf ein solches Zusammentreffen gepflegt oder, was Wien anbelangt, hintertrieben worden sind. Kaunitz hat geschwankt, ob er es für rätlich halten oder vereiteln solle. Maria Theresia ist aus Besorgnis, daß Joseph sich von dem ihr nach seiner religiösen Auffassung und seiner politischen Tätigkeit höchst bedenklichen Manne werde beeinflussen lassen oder sich vor ihm werde Blößen geben, dagegen gewesen; auch konnte ihr bei ihrem Verhältnisse zu Frankreich eine Annäherung an Preußen nicht angenehm sein, besonders da sie wußte, daß Joseph dem Bündnis mit Frankreich sehr abgeneigt war. Joseph hat sich durch den Gedanken an sich gereizt gefühlt; auch die Warnungen, die ihm der österreichische Gesandte Nugeant in einer längeren Unterredung vor des Kaisers Abreise aus Dresden gegeben hat, werden ihn wenig beeinflußt haben in seinem Wunsche, den großen Gegner seiner Mutter kennen zu lernen. Vielleicht gibt von der der Zusammenkunft gegnerischen Auffassung der Brief ein gutes Bild, den Nugeant nach seiner Abreise von Dresden nach Karlsbad von da an den Fürsten Kaunitz am 30. Juni schrieb, denn er enthält das Gespräch, das eben dieser österreichische Gesandte in der Nacht vor der

Abreise im Dresdner Schlosse mit Joseph gehabt


  1. Hierzu wichtig: Die politische Korrespondenz Friedrichs des Großen Bd. XXV. – Oeuvres de Frédéric le Grand Bd. XXXIX (Korrespondenz zwischen ihm und Maria Antonia) – Arneth, die Korrespondenz Maria Teresias und Josephs II. 1867 - Adolf Beer, die Zusammenkünfte Josephs II. zu Neiße und Neustadt. Archiv für österreichische Geschichte Bd. XLVII. S. 385f. – Alfred Loebl, Österreich und Preußen 1766-1768. S. 378 ff. – Arneth, Maria Theresia, Bd. VIII S. 107 ff.
Empfohlene Zitierweise:
Dr. Otto Richter (Hrsg.): Dresdner Geschichtsblätter Band 5 (1909 bis 1912). Buchdruckerei der Wilhelm und Bertha v. Baensch Stiftung., Dresden 1909 bis 1912, Seite 89. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Dresdner_Geschichtsbl%C3%A4tter_F%C3%BCnfter_Band.pdf/92&oldid=- (Version vom 2.1.2026)