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Stellung zueinander, wie dies bei Friedrich und Joseph der Fall war, treffen konnten, mußten sicherere Vorverhandlungen und Abmachungen getroffen werden; das entscheidende Wort mußte früher gesprochen oder geschrieben und nicht bis zuletzt hinausgeschoben werden.

Daß man in Berlin selbst über die Sache nicht viel Bestimmtes zu sagen wußte, geht aus dem Briefwechsel zwischen dem Staatsminister Grafen Flemming, der gern mehr wissen möchte, als er durch Nugeant erfahren hatte, und dem sächsischen Gesandten von Stutterheim in Berlin hervor[1], der zu Berichten darüber aufgefordert wurde.

Nachdem Stutterheim erst ziemlich im Dunkeln zu tappen erklärt hatte, schrieb er am 11. Juli aus Berlin, er habe bestimmt gehört, man habe dem König beigebracht, der Kaiser werde sich keinesfalls auf seiner Reise aufhalten; darauf habe Friedrich alle Anordnungen, die für Stellung von Postpferden getroffen worden seien, widerrufen und aussprengen lassen, er sei nach Kloster Zinna gegangen, um seinem Bruder die daselbst neu angelegten Wollfabriken zu zeigen. Stutterheim versteigt sich zu der Kritik: Il est certain qu’il a fait un pas de clerc (einen Bock geschossen!) et qu’il se repent. Damit stimme auch, daß der englische Gesandte erklärt habe, der König rede von der ganzen Sache nicht und zeige sich etwas gereizt; so schweige man denn in Berlin von der Angelegenheit. Im übrigen ist auch Stutterheim der Meinung, Joseph habe die Eifersucht Frankreichs und die Unzufriedenheit der Mutter vermeiden wollen.

Sehr viel und sehr vieles hat Friedrich über die Sache geschrieben an seine Gesandten und an die Kurfürstin Witwe Maria Antonia. Ohne auf die häufige Besprechung des Themas in den Schreiben an die Gesandten und der Gesandten selbst einzugehen, sei nur erwähnt, daß der österreichische Botschafter am Berliner Hofe, General Nugeant, von Karlsbad zurückgekehrt, dem Minister Finkenstein versichert hat[2], Joseph sei sehr betroffen gewesen, daß er die Gelegenheit verloren habe; es wäre geschehen, wenn es von ihm, dem Kaiser, abgehangen hätte. Er, Nugeant, habe von Wien keine Antwort auf seinen Bericht bekommen, der Kaiser habe eine, aber nicht nach Wunsch erhalten; der französische Gesandte, dem gegenüber man zu nachgiebig gewesen sei, habe die Hand im Spiele gehabt.

Am interessantesten sind natürlich die zwischen Friedrich dem Großen und Maria Antonia gewechselten Briefe über diesen Gegenstand. Diese selbst wäre sehr gern mit nach Torgau gereist, um der Zusammenkunft beizuwohnen. Sie hatte nicht stattgefunden – für sie ein Trost, zugleich ein Gegenstand höchsten Interesses. Friedrich erledigt in den von ihr erbetenen Mitteilungen die Frage nach seiner Art nicht; er spielt in geschickten Worten zierlich Fangball mit dem Problem.

Er schreibt ihr unter dem 13. Juli: „Der Kaiser ist glücklicher gewesen als ich. Er hat das Glück gehabt, Ihre Gegenwart zu genießen, Sie zu sehen und zu hören. In meinen Jahren gibt es kein Glück mehr. Vielleicht haben Sie, Madame, durch das Gerücht erfahren, daß eine gewisse Zusammenkunft hätte stattfinden sollen; obwohl dies im Grunde eine ziemlich gleichgiltige Sache ist, wie dieser Plan mißlungen ist.“ Nachdem er nun die Verhandlungen zwischen Finkenstein und Nugeant berührt hat, ebenso die Maßnahmen, die er selbst getroffen, bezeichnet er den Gesandten und den Ton, in dem er geschrieben hatte, als Veranlassung zum Unterbleiben der Begegnung: „Da sehen Sie, Madame, wie ein gewisses Schicksal in alle unsere Entwürfe hineinspielt. Wir sind die Drahtpuppen (marionettes) der Vorsehung, die ihren Weg geht, indem sie sich über unseren gesunden Verstand lustig macht. Ich habe dabei ein reines Gewissen, und ich beschränke mich auf die Achtung, die ich den großen Eigenschaften des Kaisers nicht vorenthalten kann, ohne den Anspruch zu erheben, ihn persönlich zu kennen. Ich würde Ihnen, Madame, diese Einzelheiten nicht berichtet haben, wenn ich es nicht für meine Pflicht gehalten hätte, Ihnen als der Lenkerin (Directeur) meines Gewissens zu beichten, und wenn ich nicht überzeugt wäre, daß Sie, wenn diese Zusammenkunft stattgefunden hätte, sie nicht gemißbilligt hätten“. In ihrer Antwort vom 4. August dankt ihm Maria Antonia für seine offenen (?) Mitteilungen und findet sein Verhalten seiner würdig; sie selbst habe den heißesten Wunsch gehabt, daß die Zusammenkunft stattfinde. Auch der Kaiser fürchte, ob wohl er begierig sei, alle Talente zu erwerben, die einen großen Heerführer machen, die traurige Notwendigkeit, davon Gebrauch zu machen. Wie Friedrich fühle er ganz den Wert des wahren Ruhmes: die Ruhe und das Glück seiner Völker zu sichern. Diese Übereinstimmung in ihren Neigungen biete der Menschheit, und besonders Sachsen, das ja an der Aufrechterhaltung des Friedens Interesse habe, großen Trost. Zwei so große Monarchen wären nicht ohne gegenseitige Achtung voneinander geschieden, und „wir Bewohner eines kleinen Erdballes, der zwischen zwei Wirbeln (tourbillons) schwebt, haben das größte Interesse an deren guter Eintracht, um nicht durch ihren Zusammenstoß vernichtet zu werden“[3].


  1. Loc. 3001, Stutternheim à Berlin 1766, Blatt 189 ff.
  2. Politische Korrespondenz Friedrichs d. Großen Bd. XXV, 25. Oktober 1766.
  3. Oeuvres de Frédéric le Grand, Bd. XXIV, unter den betreffenden Daten.
Empfohlene Zitierweise:
Dr. Otto Richter (Hrsg.): Dresdner Geschichtsblätter Band 5 (1909 bis 1912). Buchdruckerei der Wilhelm und Bertha v. Baensch Stiftung., Dresden 1909 bis 1912, Seite 92. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Dresdner_Geschichtsbl%C3%A4tter_F%C3%BCnfter_Band.pdf/95&oldid=- (Version vom 6.1.2026)