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Diese letzte Äußerung enthält, wenn auch in schmeichlerischer Form, ein offenes Zugeständnis der politischen Unbedeutendheit und der gefährdeten Lage Sachsens als eines Landes zwischen zwei Großmächten, anderseits eine Betonung, von welcher Wichtigkeit ein einheitliches Zusammengehen Preußens und Österreichs hätte sein müssen.

1766 haben Friedrich der Große und Kaiser Joseph an der Grenze Sachsens wenige Meilen voneinander gleichsam aufeinander gewartet und haben sich nicht gesehen. Aber drei Jahre später haben sie einander in Neiße auf preußischem Boden wirklich gesehen.

Doch nun zum Schluß. Joseph reiste am 28. Juni nach Königsbrück. Über einen kurzen Aufenthalt, den er an diesem Tage auf Schloß Zabeltitz, das der Gräfin Salmour gehörte, nahm, meldet, wie mir Pastor Niedner (Glauchau) freundlichst mitgeteilt hat, eine Eintragung des Pfarrers Hildebrand in das seit 1731 geführte Kirchenbuch folgendes: „Den 28. Juni 1766 Nachmittags zwischen 4 und 5 Uhr kamen Ihre Majestät der Kaiser Joseph II. in Gesellschaft verschiedener Generale und Stallmeister, in der Zahl 12, nach Zabeltitz. Sie stiegen bei dem damahligen Herrn Bettmeister Herrig ab und gingen im Garten spatzieren. Nachher nahmen Sie Erfrischungen unter dem großen Pavillon zu sich. Der Zulauf des Volkes war groß, die Hohen Gäste aber überaus gnädig. Alsdann verfügten sie sich ins neue Palais, besahen sich die schönen Zimmer, sodann setzten sie sich in ihren Wagen und fuhren nach Hayn, von da nach Königsbrück, wo sie des Nachts geblieben sind“. Von Königsbrück reiste er nach Bautzen, traf dort mit dem General Laudon zur Besichtigung des Schlachtfeldes von Hochkirch zusammen und begab sich dann aus Wißbegierde nach Herrnhut, um den Wohnort und das Treiben der böhmisch-mährischen Brüdergemeinde kennen zu lernen. Da schon vorher einiges darüber verlautet war, hatte sich der der Gemeinde zugehörige, in Herrnhut lebende Graf Heinrich Reuß nach Bautzen zur Begrüßung begeben. Am 29. Juni traf der Reisezug abends 8 Uhr in Herrnhut ein.

Es sei gestattet, den Auszug aus dem Diarium der Gemeinde Herrnhut vom 29. und 30. Juni 1766, der mir freundlichst mitgeteilt worden ist, teilweise wiederzugeben: „In Gesellschaft der Herren Lacy, Dietrichstein, Wied, Laudon, Colloredo, Nostiz und Riedesel, sowie anderer Offiziere trafen Ihre kaiserliche Majestät, nachdem sie ihre Bedeckung von Husaren zurückgelassen und wo anders hin kommandiert hatten, ein. Sobald als Ihre Majestät aus dem Wagen gestiegen waren, erhuben sie sich sogleich ins Mädchenhaus, nahmen selbiges und darauf das ledige Schwesternhaus in höchsten Augenschein, und als sich inmittelst die hiesige Gemeinde zur gewöhnlichen Zeit um 9 Uhr auf den Saal versammelt hatte (die sämtlichen Schwestern waren in ihren braunen und die Kinder in weißen Festkleidern) so ließen sichs Allerhöchstdieselben auch gefallen, dieser Versammlung mit der Suite auf einer der Logen beizuwohnen. Zu Anfang wurde gesungen: Herr Jesu Christ, dein Tod – Wir repräsentirn uns deine Wunden – Mein Herz ist bereit, daß ich singe und lobe – So lang die Hütte steht – Herzlich lieb hab ich dich, o Lamm – O daß ihn doch jedes mit fröhlichem Geiste – liebte, lobte und preiste. Amen. Unter den letzten Worten stand die Gemeine auf, und nach dem Vers: Preis, Ehre, Macht, betete Bruder Johannes kürzlich, las darauf den heutigen Text: „Das ist sein Gebot, daß wir glauben an den Namen seines Sohnes Jesu Christi und lieben uns untereinander“, worauf sich die Gemeine wieder setzte, und Johannes redete alsdann stehend über genannten Text mit warmem und vollem Herzen (Ihre Majestät hatten expreß verlangt, daß eine Rede gehalten würde). In dem Schlußgebet wurden sowohl der anwesende Röm. Kaiser Josephus II. als auch unsere liebe Landesobrigkeit mit der innigsten Beistimmung der Herzen der ganzen Gemeinde eingeschlossen. Nach der Versammlung begaben sich Ihre Majestät mit gedachten bei sich habenden Generals ins Gemeinlogis an Tafel, wobei sowohl teils hiesige Brüder, teils von denen vielen Hundert anhero gekommenen Auswärtigen, um dieselben speisen zu sehen, nach und nach zugelassen wurden. Es waren auf Ihre Majestät Verlangen aus hiesigem Ort Brüder bestellt, die Speisen auftragen und überhaupt die Bedienung erleichtern zu helfen, wie auch die Wache vor dem Hause und kaiserlichen Zimmer zu besorgen. – Nach aufgehobener Tafel begaben sich Ihre Majestät sogleich zur Ruhe. Montag den 30. nach eingenommenem Frühstück und um ½8 Uhr verrichteter Morgenandacht besahen Ihre Majestät das ledige Brüderhaus und die darinnen befindlichen Professionen, hatten sich auch schon vorher und teils bereits gestern Abends vom Schneider, Schuhmacher und Beutler Maß nehmen lassen und Arbeit bei ihnen bestellt. Aus dem ledigen Brüderhause erhoben sich dieselbe in die Knaben-Anstalt, von da in die Apotheke, Zitz-Fabrique, zum Sattler (wo dieselben drei Sättel für sich bestellten), in den Laden[1], Tabacks- und Siegellack-Fabrique, Wittwenhaus und dann nochmals ins ledige Schwesternhaus, um die Schwestern in ihrer alltäglichen Arbeit und Kleidung zu sehen, als welches Ihre Majestät ausdrücklich verlangt hatten. Endlich begaben sie sich ins Gräfliche Reußische Haus, vor welchem Ihre Majestät


  1. d. h. in das noch heute bestehende, berühmte Geschäft Abraham Dürninger.
Empfohlene Zitierweise:
Dr. Otto Richter (Hrsg.): Dresdner Geschichtsblätter Band 5 (1909 bis 1912). Buchdruckerei der Wilhelm und Bertha v. Baensch Stiftung., Dresden 1909 bis 1912, Seite 93. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Dresdner_Geschichtsbl%C3%A4tter_F%C3%BCnfter_Band.pdf/96&oldid=- (Version vom 5.2.2026)