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von der Gräfin Agnes empfangen wurden, und nachdem Ihnen und der Suite mit einigen Erfrischungen daselbst aufgewartet worden, stiegen Allerhöchst dieselben in dero Karosse, bezeugten alle Zufriedenheit über dero Séjour allhier und was sie gesehen und gehört und setzten sodann gegen 10 Uhr vormittags die Reise über Zittau weiter fort.

Die Leutseligkeit und Gnade, womit sich Ihre Kayserl. Majestät gegen jedermann bezeuget und überall von allen Umständen sehr genaue Notiz genommen, wie sie dann an unsern lieben Grafen Heinrich und andere Brüder gar sehr viele und solide Fragen über unseren inneren und äußeren Statum getan, wird den hiesigen Einwohnern in unvergeßlichem Andenken bleiben. Mit Dank war es ja zu erkennen, daß sich die ungemein vielen Fremden, die von den benachbarten Städten und Dörfern sich hierher gefunden, sehr stille und ordentlich betragen. Ein großer Teil derselben war gestern Abends, jedoch separiert, in der Gemeineversammlung mit zugegen gewesen.“

Also schloß des Kaisers militärische Reise durch Sachsen in den Sommermonaten des Jahres 1766, gerade 100 Jahre vor dem Durchmarsch der Preußen durch Sachsen und vor ihrem Einmarsch in Böhmen, mit einem friedlichen Ausklange. Vorurteilsfrei hatte er noch zuletzt die kleine Brüdergemeine ihren Leitworten „Bete und arbeite“ nachlebend begrüßt; vorurteilsfrei hat er auch darüber an seine Mutter berichtet; denn er schreibt ihr aus Reichenberg am 30. Juni: „Ich habe ihre Lebensweise gesehen, die ganz eigenartig ist. Sie arbeiten geradezu wundervoll“.





Der Grundbesitz der Familie Dinglinger.
Von Carl Hollstein.

In diesen Blättern brachte Professor Paul Moritz Rachel in seiner Abhandlung über die Dresdner Goldschmiede-Innung[1] eine kurze Nachricht über des Hofjuwelier Johann Melchior Dinglingers Haus auf der Frauengasse[2], welches Dinglingers Schwiegervater anscheinend vorübergehend besessen habe. Als Ergänzung dazu haben sich bei Durcharbeitung der Kauf- und Kontraktbücher des vormaligen Stadtgerichts[3] einige für die Geschichte der Familien Rachel und Dinglinger bemerkenswerte Tatsachen gefunden. Das bisher unbestimmte Datum der Ansässigmachung Dinglingers wird durch den am 29. Oktober verhandelten und am 31. Oktober 1697 vom Bürgermeister und Rat konfirmierten Kaufvertrag[4] festgelegt. Die Verkäufer sind „Herrn Moritz Rachels vornehmen Jouaillir hinterlassene Herren und Frauen Erben“ und zwar die Witwe und 9 Kinder, unter denen „Frau Anna Dorothea Dinglingerin, hernach gemelten Käufers Eheliebste“ mit erwähnt wird. Den Kaufpreis von 4000 Thlr. bezahlte Dinglinger „in unzertrennter Summe baar“. Zu dem Hause gehörte ein halbes Weißeritz-Röhrwasser, und 175 volle Steuerschocke lasteten darauf. Nach Dinglingers Tod werden acht Kinder und drei Enkel als seine Erben namhaft gemacht[5]. Nach Bestimmung des väterlichen Testamentes übernahm der älteste Sohn Dinglingers, der Hofjuwelier Johann Friedrich Dinglinger[6], das Haus nebst den Möbeln für 8000 Thlr. Der Vertrag datiert erst Dresden den 16. und Leipzig den 19. September 1740 und wurde in Dresden am 11. Februar 1741 konfirmiert[7]. Am 2. November 1748 verkaufte dieser das Haus nebst der Mandel oder Rolle und „den auf den außen Altan vorhandenen Blumen und anderen Gewächsen“ an seine Schwester Frau verw. Anna Maria Sartorius, Witwe des med. pract. Dr. Friedrich Sartorius, für 8000 Thlr. bar[8]. Aus dem zwischen diesen Geschwistern abgeschlossenen Vertrag geht der Grund des Verkaufes, auch ein dem Johann Friedrich Dinglinger eingeräumtes Wohnungs- oder Nutzungsrecht nicht hervor, eine Hypothekenbelastung wird ebenfalls nicht erwähnt, so daß wenigstens hieraus nicht auf eine bedrängte Lage des Verkäufers[9] geschlossen werden kann. Am 30. März 1768 wurden fünf Schwestern Dinglinger mit dem Grundstück ihrer am 6. März 1760 verstorbenen Frau Muhme beliehen, gemäß dem am 19. Januar 1760 errichteten Testamente. In dem Lehnschein[10] wird das Haus als bei dem Bombardement 1760 mit abgebrannt[11] und nunmehr zum Teil wieder erbaut bezeichnet. Darauf hafteten 37 Thlr. 21 gr. 8 ₰ preußische Kontributionsgelder vom Jahre 1758 und 1800 Thlr. Hypothek. Als das Haus am 18. Februar 1792[12] an den Schwertfegermeister Chn. Immanuel Eichler für 6500 Thlr. Conv. Geld verkauft wurde, war es mit 5000 Thlr. Hypothek belastet, während die preußischen Kontributionsgelder von den Verkäuferinnen abgeführt wurden. Hierbei werden von den Schwestern Dinglinger zwei als vermählt bezeichnet, nämlich Anna Christiane als Ehefrau des Kammerherrn und Berghauptmanns Carl Wilhelm Benno v. Heyniz, verwitwet gewesene Obristleutnant


  1. Bd. IV S. 57-68.
  2. Ebenda S. 63.
  3. Im Archiv des Kgl. Amtsgerichts Dresden-Altstadt.
  4. Kaufbuch 1697 Bl. 26.
  5. Kaufbuch 1740 Bl. 553.
  6. Seit 1748 Geh. Kämmerier.
  7. Kaufbuch 1740 Bl. 554.
  8. Kaufbuch 1748 Bl. 86.
  9. Vgl. Rachel S. 68.
  10. Kaufbuch 1768 Bl. 77.
  11. Hasche, Umständliche Beschreibung Bd. 2 gibt 8000 Thlr. Verlust an, das ist der vorige Kaufpreis.
  12. Kaufbuch 1792 Blatt 60.
Empfohlene Zitierweise:
Dr. Otto Richter (Hrsg.): Dresdner Geschichtsblätter Band 5 (1909 bis 1912). Buchdruckerei der Wilhelm und Bertha v. Baensch Stiftung., Dresden 1909 bis 1912, Seite 94. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Dresdner_Geschichtsbl%C3%A4tter_F%C3%BCnfter_Band.pdf/97&oldid=- (Version vom 5.2.2026)