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Vormundes des Kurf. Jouvelier Joh. Michael Dinglinger am 30. Juli 1722[1]. Aus dem Nachlaß ihres Vaters kaufte am 28. September 1733 Frau Johanna Maria, Eheliebste des Kammer-Kommissar Joh. Christian Stößel, geb. Mierisch, „das zwischen Hrn. Bildhauer Kretzschmar und dem sogen. Post-Stall gelegene Haus, wie es ihr Vater durch bauen und sonst meliorieret“, für 1200 Thlr.[2]. Bei Anzündung der Pirnaischen Vorstadt brannte das Haus am 30. August 1758 mit ab. Nachdem die Tochter der Frau Kammer-Kommissar Stößel, Frau Postamtssekretär Johanna Christiana Bonand, 1781 die Brandstelle geerbt hatte, erstand sie der Kurf. Finanz-Kalkulator J. W. Müller am 29. März 1784 für 261 Thlr. Nach Einführung der Brandkataster-Nummern erhielt das Grundstück die Nummer 272, die 1839 umgewandelt wurde in Vorstadt Nummer 1268 und die Hausnummer 38 der äußeren Pirnaischen Gasse, seit 1859 Abt. Ba. Nummer 419 und führt seit 1890 die Hausnummer 50.

So können wir auch aus den Kaufurkunden das Aufblühen und Welken bekannter Bürger- und Adelsfamilien früherer Jahrhunderte erkennen und interessante Einzelheiten zur Geschichte der Häuser unserer Stadt gewinnen. [3]


Vereinsbericht für 1909.

Neben der Vierteljahresschrift „Dresdner Geschichtsblätter“ erschien als 21. Heft der „Mitteilungen“ des Vereins eine vom Eisenbahnsekretär Trautmann bearbeitete Geschichte des Dorfes Kaditz, die namentlich die wirtschaftliche und die Flurentwicklung dieses jetzt in die Stadt Dresden einverleibten Ortes mit Sorgfalt und Sachkenntnis behandelt. Ein neues Bilderwerk, der zweite Teil der „Dresdner Bilderchronik“, der auf 14 großen Lichtdrucktafeln zeitgenössische Darstellungen von Dresdner Begebenheiten aus den Jahren 1709 bis 1815 mit geschichtlichen Erläuterungen von Dr. O. Richter bringt, wurde im Laufe des Jahres hergestellt und im Januar 1910 an die Mitglieder verteilt. – Es wurden fünf Vortragsversammlungen gehalten: am 17. Februar sprach Archivrat Dr. Brabant über die Herbsttage 1758 in Kursachsen, am 17. März Archivrat Dr. Beschorner über Napoleon in Dresden in der Nacht vom 13. zum 14. Dezember 1812, am 13. Oktober Eisenbahnsekretär Trautmann über das Plantagengut zu Hosterwitz im Besitz der Grafen Brühl und Marcolini, am 10. November, dem 150. Geburtstage Schillers, Seminaroberlehrer Cand. rev. min. Sigismund über Schiller in Dresden, wobei eine kleine Ausstellung wertvoller Erinnerungsgegenstände, besonders aus dem Körnermuseum, veranstaltet war; den letzten Vortrag am 8. Dezember hielt Handelsschuldirektor Professor Dr. Rachel über Kaiser Josephs II. Besuch in Dresden 1766. – Der Sommerausflug fand am 13. Juni statt und zwar nach Dippoldiswalde, dessen Altertümer unter der freundlichen Führung der Herren Bürgermeister Dr. Weißbach, Superintendent Hempel und Baumeister Fritsch besichtigt wurden; der Tag verlief trotz unsicheren Wetters und schwacher Beteiligung der Mitglieder (etwa 40) genußreich und endete mit einem Spaziergange durch Wald und Heide nach dem Einsiedlerstein und der Barbarakapelle. Starke Beteiligung fand ein Nachmittagsausflug am 8. Mai zur Besichtigung der an Altertümern reichen Kirche im benachbarten Leubnitz, wo Pfarrer Dr. Apfelstedt die geschichtlichen Erläuterungen gab. – Die Jahresrechnung schloß mit einem Kassenbestande von 1082 Mark. Die Mitgliederzahl hob sich von 1000 auf 1005 (27 starben, 34 traten aus, 66 wurden neu aufgenommen); unter den verstorbenen Mitgliedern befand sich ein verdienstvoller Mitbegründer des Vereins, der Hofuhrmacher a. D. Moritz Weiße, sowie der zweite Stellvertreter des Vorsitzenden, Oberstudienrat Prof. Dr. Otto Meltzer, dessen Hinscheiden für den Verein einen schweren Verlust bedeutet. Nach erfolgter Neuwahl bilden den Vorstand: Ratsarchivar Prof. Dr. Richter, Vorsitzender; Geh. Oberbaurat Grimm, erster, und Handelsschuldirektor Prof. Dr. Rachel, zweiter Stellvertreter des Vorsitzenden; Archivar Dr. Beutel, Schriftführer; Oberlehrer a. D. Hantzsch, dessen Stellvertreter; Bauverwalter Obersekretär Adam, Kassenverwalter; Pfarrer Blanckmeister.



  1. Kontraktbuch 1721 Bl. 421.
  2. Kontraktbuch 1738 Bl. 514.
  3. Richter, Atlas zur Geschichte Dresdens, Plan 23.
Empfohlene Zitierweise:
Dr. Otto Richter (Hrsg.): Dresdner Geschichtsblätter Band 5 (1909 bis 1912). Buchdruckerei der Wilhelm und Bertha v. Baensch Stiftung., Dresden 1909 bis 1912, Seite 96. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Dresdner_Geschichtsbl%C3%A4tter_F%C3%BCnfter_Band.pdf/99&oldid=- (Version vom 6.2.2026)