Seite:Dresdner Geschichtsblätter Vierter Band.pdf/113

Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

Bild bewahrt jetzt die Dresdener Galerie, für die es 1858 von den Erben des Künstlers erkauft worden ist. 1816 zeigte Matthäi eine biblische Komposition, die heute den Altar der Johanniskirche zu Plauen i. V. schmückt: Die Einsetzung des heiligen Abendmahls (nach Ev. Matth. 26, 21–25). Nur aus den zeitlichen Verhältnissen läßt es sich erklären, daß dieses nach heutigem Urteil nicht gerade hochbedeutende Bild auf der Ausstellung mit Begeisterung begrüßt und sogar poetisch verherrlicht wurde. Der Dresdner Advokat Christian Christoph Hohlfeldt widmete ihm in den „Vaterländischen Beiträgen“ ein beschreibendes Sonett; noch weiter aber ging der unter dem Pseudonym Theodor Hell bekannt gewordene dichtende Hofrat Winkler. Er läßt beim Anblick des genannten Gemäldes Lionardo da Vinci selbst seinen Zögling Matthäi zu weiterem Streben aufmuntern:

„Und so reich’ ich dir, ein alter Meister,
Brüderlich die Hand ob deines Strebens;
Denn, obschon Genoss’ des höhern Lebens,
Fühl’ ich’s doch: auf Erden nicht vergebens
Schuf ich Freude für die reinen Geister.
Darum geh auch du den Pfad nur dreister;
Was mit frommem Sinn in Kunst wir spenden,
Wird von oben Gottes Hauch vollenden.“

Solcher Überschwang der Gefühle entsprach ganz dem Geiste der Zeit, die so arm war an großen historischen Kompositionen, daß jede bedeutendere neue Erscheinung auf diesem Gebiete mit Freuden begrüßt wurde. Einen gewissen Aufschwung brachte nur das Jahr 1814. Die blutige Schlacht bei Leipzig hatte Napoleons Macht gebrochen. Am 31. März 1814 zogen die Verbündeten in Frankreichs Hauptstadt ein, mit ihnen das sächsische Banner, das am 24. Juli (wenn auch zunächst nur vorübergehend) in Dresden wieder eintraf. Sachsens Hauptstadt stand damals (November 1813 bis Juni 1815) unter russischem Gouvernement. Gewaltig war der Eindruck, den die Nachricht von der Einnahme von Paris und das Schicksal der wackeren sächsischen Kämpfer in Dresden hervorrief. Er gestaltete auch die schnell improvisierte Ausstellung des Jahres zu einer patriotischen. In Berlin hatte Professor Gubitz die Anregung dazu gegeben, eine außerordentliche Kunstausstellung mit Beiträgen von Kunstliebhabern – also aus Privatsammlungen – zu veranstalten, deren Ertrag „zum Besten der Vaterlandsverteidiger“ verwendet werden sollte. Der Erfolg war ein günstiger. Auch in Dresden gingen zu gleichem Zwecke viele Beiträge ein; die Ausstellung zählte etwa 370 Nummern. Am Tage der Thronbesteigung des russischen Kaisers Alexander I., am 24. März, ward die Ausstellung eröffnet. Sie zeigte meist schon von früheren Ausstellungen her bekannte Bilder, z. B. solche von Klengel und Matthäi („Tod des Ägisthus“). Doch einige Künstler hatten Darstellungen geliefert, die in symbolischer Weise sich auf die Zeitereignisse, insbesondere auf das Strafgericht über den stolzen Korsen, bezogen. Die Professoren F. Hartmann und Kügelgen lieferten solche patriotische Allegorien: Hartmann die großartig gedachte und konzipierte Skizze „Und siehe, ein fahl Pferd –“ (nach der Offenbarung Johannis 6,8), die er wie prophetisch schon im Mai 1813 entworfen und nur durch List vor den Augen französischer Späher verborgen hatte. Ein Altenburger Bildhauer Sprenger stellte einen etwas überladenen Siegesobelisken zum Andenken an die Völkerschlacht bei Leipzig aus, und selbst C. D. Friedrich weihte seinen Pinsel dem Tagesereignisse, indem er den „Zugang zu einer Grotte in romantischen Felsenklüften“ darstellte, vor welcher „dem befreienden Genius und den Kämpfern fürs Vaterland ein Denkstein errichtet“ war. Das weitere Schicksal aller der hier genannten Werke ist leider unbekannt.

Eine Art Verbindung der Stillebenmalerei mit der Historie bezeichnet ein Bild, das Demoiselle C. F. Friedrich 1802 zur Ausstellung lieferte. Es war eine Allegorie auf den Weltfrieden. Der Katalog beschreibt es folgendermaßen: „Zwei weiße Täubchen nisten in einem umgestürzten Helme, welcher mit vielen Blumen verschiedener Art umwunden ist, die Beziehung auf Erquickung des Lebens haben. Neben diesen ist ein Rauchfaß mit aufsteigendem Duft, als Bild der Dankbarkeit und der Anbetung. Im Vordergrunde liegt mit seinen Früchten ein großer Olivenzweig mit Kornähren umschlungen, mit einem himmelblauen Bande geknüpft, als das Bild der Beständigkeit, mit der in Gold gestickten Aufschrift: Pax universalis.“ Das sinnige, farbenschöne Bild ist noch heute im Besitze eines Verwandten der Künstlerin, des Kupferstechers Professor L. Friedrich in Dresden.

Zeichnete sich die Ausstellung von 1814 durch ihr patriotisch-begeistertes Gepräge aus, so wurde die von 1822 in anderer Weise bedeutungsvoll. Durch sie wurden zum erstenmale die Arbeiten der in Rom studierenden jungen deutschen Maler bekannt. Sie machten einen tiefen Eindruck auf die Dresdener Akademieschüler. So namentlich auf Ludwig Richter. Und in den folgenden Jahren sehen wir auch Dresdener in der heiligen Stadt: Maler, wie Ludwig Richter, Stölzel jun., Ad. Zimmermann, Lindau, B. Törmer, Ernst Öhme; Bildhauer, wie Ferdinand Pettrich und August Wolff, legten in eingesandten Kunstwerken ihrer Bildungsstätte Zeugnis von ihrem Streben und Können ab, und manches hochbedeutsame Werk dieser Künstler bekam man damals auf den Ausstellungen zu sehen. Es regte sich dadurch ein neuer, frischer Trieb in manchem abgelebten Kunstzweige.

Empfohlene Zitierweise:
Dr. Otto Richter (Hrsg.): Dresdner Geschichtsblätter Band 4 (1905 bis 1908). Wilhelm Baensch Dresden, Dresden 1905 bis 1908, Seite 108. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Dresdner_Geschichtsbl%C3%A4tter_Vierter_Band.pdf/113&oldid=- (Version vom 20.1.2025)