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eingesetzte Kommission fand, wie es scheint, in der landesherrlichen Kasse nicht das nötige Geld, um die Kosten des Festes zu bestreiten, und so unterblieb es. Da wandte sich der Kurfürst an den Rat mit dem Ansinnen, die seit 30 Jahren unterbliebene löbliche Übung des Vogelschießens wieder in Schwang zu bringen, indem er dafür seine persönliche Teilnahme, sowie die freie Lieferung des zu einer neuen Vogelstange erforderlichen Holzes aus der Heide zusagte. Der Rat glaubte „Ihrer kurfürstlichen Durchlaucht hierunter tragender Begierde gehorsamst begegnen“ zu müssen und ging alsbald mit Eifer an die Vorbereitungen für das vom Landesherrn selbst auf den 24. Juni angesetzte Fest.

Um nichts zu versäumen, was in früheren Zeiten bei dem Schießen und besonders bei der Bewirtung des Hofes Herkommen gewesen, ließ der Rat die alten Schützenakten durchstudieren und die bei der Veranstaltung in Betracht zu ziehenden hunderterlei Kleinigkeiten in ausführlichen „Gedenkzetteln“ zusammenstellen. Die Mitglieder des kurfürstlichen Hauses wurden vom regierenden Bürgermeister Christian Brehme, die hohen Beamten und Offiziere, 46 an der Zahl, von den mit der Festaufsicht beauftragten beiden „Marschällen“, den Ratsherren Johann Hillemayer und George Wiegner, persönlich eingeladen. Die vom Bürgermeister entworfene Schießordnung ward vom Kurfürsten selbst geprüft und festgestellt. Darnach sollte jeder, der „gutes Namens und untadelhaften Gerüchtes“ sei, auch wenn er der Schützengesellschaft nicht angehöre, zur Teilnahme am Schießen zugelassen werden. Für die Armbrüste oder „Rüstungen“ war eine bestimmte Beschaffenheit nicht vorgeschrieben, nur durften die Bolzen nicht mehr als höchstens 14 Lot wiegen. Mehrere Schützen konnten eine Armbrust gemeinschaftlich benutzen, aber jeder mußte seinen eignen, mit dem Namen bezeichneten Bolzen haben. Geschossen wurde in der durch das Los bestimmten Reihenfolge. Wer den Vogel traf, ohne etwas herabzuschießen, erhielt beim ersten Treffschusse einen Nelkenkranz, bei jedem weiteren eine Zitrone oder Pommeranze gereicht. Dem, der „die Spille räumen“ und den Vogel abschießen würde, bewilligte der Kurfürst Steuerfreiheit auf ein Gebräude Bier, der Rat stiftete ihm einen vergoldeten silbernen Becher; die Gewinne für die vier Kleinode, ebenfalls in Silbergeschirr bestehend, wurden aus der Einlage der Schützen, die für jeden 2 Taler betrug, bestritten. Schützen wie Zuschauer wurden in der gedruckt veröffentlichten Schießordnung zum Wohlverhalten ermahnt, „damit die gnädigste Herrschaft in ihrer vorhabenden Ergötzlichkeit nicht verunruhiget, sondern alles mit guter Vergnügung zu Ende gebracht werden möchte“.

Es ist ergötzlich zu sehen, mit welcher Umständlichkeit und Wichtigkeit die Vorbereitungen zu dem harmlosen Feste betrieben wurden. Am 22. Juni nahm man auf dem Rathause an, daß die Vogelstange fertig sei und der Vogel aufgezogen werden könne. Es langten daher gegen Abend zwei „Karreten“ auf der Vogelwiese an: in der ersten die beiden zu Schießmarschällen ernannten Ratsherren und die vier Ältesten der Schützengesellschaft, vorn auf dem Kutscherbocke der Zieler in langem schwarz und gelben Rocke, den Hut mit schwarz und gelber Feder in der Hand und den Vogel vor sich haltend, damit er von Jedermann gesehen werden konnte; in der anderen Karrete der regierende Bürgermeister mit vier Ratsherren. Da sich nun aber fand, daß der schwierige Bau der Vogelstange noch nicht vollendet war, setzte man den Vogel einstweilen behutsam in das kurfürstliche Zelt. Das hölzerne Heiligtum war vom Büchsenmeister und Bildhauer Abraham Frost gefertigt und wog 20 Pfund; das „Korpus“ war grün, Kopf und Hals blau, der rechte Flügel rot, der linke pfirsichblütfarben und der Schwanz gelb angestrichen; auf dem Kopfe hatte er eine vergoldete Krone, in der Mitte einen Busch von Hahnefedern, um den Hals ein Band von Goldlahn (d. h. Goldfäden). Auch der Stadt- und Festungskommandant Oberst von Liebenau (aus dem Jahre 1639 rühmlich bekannt als tapferer Verteidiger des Sonnensteins gegen die Schweden) war inzwischen herausgekommen, um wegen der Aufstellung der Zelte einiges anzuordnen. Es wurde ein Trunk und dazu Kuchen herumgereicht und darauf die Rückfahrt nach der Stadt angetreten.

Am andern Morgen nahmen die Zimmerleute die Arbeit schon um 4 Uhr auf und brachten die Vogelstange wirklich bis gegen Abend zustande, sodaß der Vogel noch aufgezogen werden konnte, „und also Gott Lob dieser in 83 Ellen hoch in die Höhe geführete Bau ohne Schaden einiges Menschen vollführet worden“. Auch die Zelte waren nun aufgestellt, und zwar das des Kurfürsten gleich gegenüber dem Schießstande, rechts davon je eins für die fürstlichen und für die adeligen Frauenzimmer, links je eins für die Kavaliere, für den Rat und die Judizierer(Schiedsrichter) und eins für die Schützen, dahinter eine Brettbude als Kellerei und Speisekammer. Als alles vollendet war, kam der Oberhofmarschall Freiherr von Rechenberg mit dem Oberlandbaumeister Klengel hinausgefahren, ließ sich von dem Zimmermeister über den Bau der Vogelstange berichten und sagte befriedigt: „Nun an diesem Orte hat wohl noch nicht eine so feine Stange gestanden, sie ist wohl gebauet.“ Hierauf betrat er mit den Marschällen die Zelte und ließ ihnen „sein hieran habendes Vergnügen spüren“. Auch der Hausmarschall von Metzradt und der Oberschenk von Güntherodt besichtigten die getroffenen Anstalten, und viel neugieriges Volk fand sich auf dem Platze ein.

Empfohlene Zitierweise:
Dr. Otto Richter (Hrsg.): Dresdner Geschichtsblätter Band 4 (1905 bis 1908). Wilhelm Baensch Dresden, Dresden 1905 bis 1908, Seite 126. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Dresdner_Geschichtsbl%C3%A4tter_Vierter_Band.pdf/131&oldid=- (Version vom 18.2.2025)