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Landwein für 75 Taler, 2 Faß Zerbster Bier aus dem Neumarktkeller (zu je 13 Taler), 1 Faß Wurzener Bier (für 9 Taler) und 51/2 Faß hiesiges Bier (zu je 7 Taler).

Aus solchen Ziffern läßt sich erkennen, daß man beim Mahle wie während des Schießens dem Becher wacker zugesprochen hat. Zwischen den einzelnen Gängen des Mahles wurden Gesundheiten ausgebracht, und zwar „im Andenken des in Europa erneuerten Friedens“, auf den Kaiser, auf den Kurfürsten und andere mehr. Man erfährt nicht, wer die Tischredner waren, doch können es wohl nur die Fürsten und ihre Räte gewesen sein, da die Vertreter der Bürgerschaft gar nicht mit am Tische saßen. Die Rede auf den Frieden bezog sich auf die kurz vorher, am 3. Mai und 6. Juni, zu Oliva und zu Kopenhagen abgeschlossenen Friedensverträge zwischen Schweden und dem Kaiser, den Polen, Brandenburg und Dänemark. Es ist bemerkenswert, wie hier erfreuliche Ereignisse des europäischen Staatenlebens auch in das bescheidene Dresdner Schützenfest herein einen Lichtschein werfen. Als etwas Besonderes hebt der Berichterstatter hervor, daß der Kurfürst und sein Bruder den alten Bürgermeister Valentin Scheffer durch gnädiges Zutrinken und vertrauliche Unterredung auszeichneten. Der Kurprinz wurde schon vor Beendigung des Mahles nach Hause geschickt, die übrigen Herrschaften erhoben sich aber erst nach 2 Uhr nachts, verließen das Haus „Gott Lob mit Gnaden und Vergnügen gegen Einen Ehrbaren Rat ohne einiges Unglück oder Irrsal“ und fuhren in Begleitung der vornehmsten Kavaliere unter Vorantragung von Windlichtern nach dem Schlosse.

Am andern Morgen schickte der Kurfürst einen Lakaien zum Bürgermeister Brehme und ließ fragen, ob die Schützen bald wieder hinauskommen würden, er werde dann auch sogleich erscheinen. Kurz vor 12 Uhr langte er mit seinem Bruder Moritz und dem Kurprinzen nebst Gefolge auf der Vogelwiese an, worauf das Schießen wieder begann. Wie am Tage vorher wurde vom Rate kalte Küche und ein Trunk in die Zelte gereicht. Inzwischen hatte ein „böhmischer Kerl“ namens Hans Mache aus Praskowitz die Kletterstange bis zum ersten Gewinste erstiegen und den halben Taler heruntergeholt. Nach zwei Stunden fand sich ein Schiffmann aus Loschwitz namens Martin Sang, der den in halber Höhe angebundenen Taler gewann; dadurch ermutigt, wagte er es nochmals, nachdem er etwas geruht und im Judizierzelte „eine gute Lase Bier verschluckt“ hatte, und nahm glücklich den ganz oben hängenden 11/2 Taler ab, ließ aber den im Laube sitzenden, vor Hunger und Durst verschmachteten Hahn und die Trommel stehen. „Seine Hosen und Hemde aber, ja der ganze Leib waren einer Schweinbrühe würdig, weil selbige mit der an den Baum gestrichenen Seife und Öle im Auf- und Niederfahren sehr wohl balsamiret gewesen.“

Die Schützen setzten das Schießen fleißig fort und im siebenten Rennen abends 1/2 6 Uhr räumte der Landvogt der Oberlausitz Kurt Reinicke Freiherr von Callenberg die Spille und erhielt das Königsrecht. Bürgermeister Brehme beglückwünschte ihn im Namen des Rates und traf Anstalt zur Verteilung der Gewinste. Unter Trommel- und Pfeifenklang und Vortragung der Schützenfahnen wurden die Gewinste von den Schützen vor das kurfürstliche Zelt getragen und durch die Pritschmeister mit einer Reimrede den Gewinnern überreicht. Der Schützenkönig erhielt einen vergoldeten hohen Tischbecher im Werte von 28 Talern. Dabei erinnerte ihn der Pritschmeister an die übliche Stiftung eines Schildchens für die Schützenkette; das daraufhin von ihm gestiftete schöne Schild, ein von Greifen gehaltenes Callenbergsches Wappen in vergoldetem Silber getrieben, ziert noch jetzt die Königskette der Bogenschützengesellschaft. Ferner erhielten der Jägermeister von Bomsdorf für den geschossenen Kopf, der Kanzleisekretär Schindler für das Hauptstück des rechten Flügels, der Kammerdiener Krause für das linke Flügelstück und der Kurfürst selbst für das Schwanzstück silberne Geschirre im Werte von 18 bis herab zu 10 Talern. 41 Geldgewinste für geschossene Späne in Höhe von 3 Groschen bis 1 Taler 9 Groschen wurden in lauter neugeprägten Geldstücken, in türkisches Papier eingewickelt, an die Schützen ausgeteilt. Für den Fall, daß eine fürstliche Person den Vogel abschießen würde, hatte der Rat einen wohlriechenden Würznelkenkranz, in den für 10 Taler Perlen eingeflochten waren, anfertigen lassen; dieser wurde nun für ein andermal aufgehoben.

Nach der Verteilung der Gewinste ergötzten sich die fürstlichen Herrschaften im Zelte noch mit einem Reihetrunk, wobei sie den Bürgermeister Brehme um sich hatten, während die übrigen Herren des Rates draußen standen. Nachdem sich dann der Hof und ebenso der Rat zu Wagen in die Stadt zurückbegeben, hielten die Schützen ihren feierlichen Einzug in ähnlicher Ordnung wie den Auszug. Der vornehme Schützenkönig trug die Kette und den gewonnenen Becher mit dem Kranze im Zuge nicht selbst, sondern ließ sich durch seinen Amtmann vertreten, ebenso ließen der Kurfürst und der Herr von Bomsdorf ihre Becher durch ihre Armbrustspanner im Zuge tragen, während die bürgerlichen Gewinner dies selbst taten. Die Vogelkette und die Schützenlade ward auf dem Rathause abgeliefert, und dort stärkten sich die Schützen noch mit einem Abschiedstrunke.

Am folgenden Tage erstieg „post festum“ ein Walachenjunge namens George Galuschy den noch

Empfohlene Zitierweise:
Dr. Otto Richter (Hrsg.): Dresdner Geschichtsblätter Band 4 (1905 bis 1908). Wilhelm Baensch Dresden, Dresden 1905 bis 1908, Seite 130. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Dresdner_Geschichtsbl%C3%A4tter_Vierter_Band.pdf/135&oldid=- (Version vom 19.2.2025)