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XVI. Jahrgang 1907 Nr. 2.
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Die Besuche fürstlicher Personen sind von jeher für die Städte von besonderer Bedeutung gewesen. Zu solchen Zeiten steigerte sich in ihnen das Erwerbsleben, wurde Schaulust und Neugier befriedigt; der Name der Stadt wurde bekannter als bisher, der Chronist buchte solche Ereignisse gern und ausführlich.
Dresden ist eine verhältnismäßig junge Stadt, daher ist erst im 14. Jahrhundert davon die Rede, daß bedeutende Fürsten sie aufgesucht haben. Von großen Festen konnte hierbei nicht die Rede sein; die Stadt war klein, das Schloß noch unansehnlich. Erst im 16. Jahrhundert, als kunstsinnige Fürsten diese ihre Residenzstadt auszuschmücken begannen, erschien häufiger fürstlicher Besuch und entfaltete sich ein glänzenderes Leben dabei. Dies steigerte sich noch im 17. Jahrhundert, nachdem die schlimmsten Folgen des dreißigjährigen Krieges überwunden waren, namentlich schon unter Johann Georg II., der zuerst Welsche und welsche Kunst in der Residenz bevorzugte. Unter den beiden polnischen Augusten, besonders unter August dem Starken, wurde Dresden die anziehende Pracht- und Prunkstadt, bis der siebenjährige Krieg einen gewaltigen Wechsel herbeiführte. In den darauf folgenden Zeiten geht das fürstliche Besuchsleben in Dresden nicht über den üblichen Durchschnitt hinaus, nur daß zur Zeit Napoleons neben glänzenden militärischen Schauspielen einmal auch eine besonders reichbesuchte Fürstenversammlung stattfand. Nach der Neuordnung der Dinge 1815 haben dann Jahrzehnte lang meist nur Familienfeste am Hofe zahlreichere fürstliche Persönlichkeiten nach Dresden gebracht, bis im letzten Drittel des verflossenen Jahrhunderts der erneuerte Glanz deutschen Kaisertumes auch nach Dresden seine Strahlen warf.
Aus dem reichen Stoffe, der vorliegt, seien zuerst herausgehoben die Besuche deutscher Kaiser im alten und im neuen deutschen Reiche.
Kein Kaiser[1] des sächsischen, des salischen und des Hohenstaufenhauses hat in Dresden geweilt. Einer aus dem Hause der Luxemburger ist der erste gewesen, der Dresden aufgesucht hat: der vielgewandte Kaiser Karl IV., König von Böhmen und Markgraf von Mähren. Hochpolitische Erwägungen waren es, die ihn 1348 in den ersten schweren Jahren, da er in Deutschland festen Fuß zu fassen versuchte, nach Dresden trieben.
Der Wettiner, der damals die Mark Meißen und die Landgrafschaft Thüringen regierte, war Friedrich der Ernsthafte, ein Enkel der Stauferin Margarethe, ein Urenkel Kaiser Friedrichs II. Ihn hatte Kaiser Ludwig der Baier in sein Hausinteresse zu ziehen gewußt durch Verheiratung mit seiner Tochter Mathilde. Er sollte dem Wittelsbacher in den Verwickelungen und Streitigkeiten, die dieser mit dem schlauen Böhmenkönig
Johann auszukämpfen gehabt hatte, zur Seite stehen.
- ↑ Bei dem bekannten Wechsel in den Bezeichnungen: römischer oder deutscher Kaiser, deutscher oder römischer König sei es gestattet, unter der oben gebrauchten Bezeichnung diejenigen zusammenzufassen, die im alten Reiche als Könige oder Kaiser, im neuen als Kaiser in Dresdens Mauern geweilt haben.
Dr. Otto Richter (Hrsg.): Dresdner Geschichtsblätter Band 4 (1905 bis 1908). Wilhelm Baensch Dresden, Dresden 1905 bis 1908, Seite 137. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Dresdner_Geschichtsbl%C3%A4tter_Vierter_Band.pdf/142&oldid=- (Version vom 11.2.2025)