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Hatte Karl bisher noch geschwankt, wann er und wie er nach Sachsen rücken sollte, so hat ihn der Brief, den Ferdinand auf Moritzens Botschaft vom Falle der Stadt Rochlitz an Karl aus Dresden sofort abgeschickt, in seinen Entschlüssen fest gemacht[1]. „Alles liegt an der Eile Eurer Ankunft; und mit dieser, hoffe ich, wird das Ganze gut gehn; ich will indessen alles tun, was nur möglich sein wird, für gute Herstellung der Geschäfte; Gott wolle dazu helfen.“ Am 4. März ging eine zweite Depesche aus Dresden an Karl: „Ohne die schleunige Ankunft des Kaisers sehe er jetzt kein Mittel mehr für die Ungelegenheiten in Sachsen und Böhmen; Moritz sowohl wie seine Untertanen möchte die Sache in eine verzweifelte und gefahrvolle Lage bringen und schlimmer als jemals. Komme aber der Kaiser, so möge er gewiß sein, daß alles zu baldigem und gutem Ausgange kommen werde.“ Am 6. März berichtete er seinem Bruder aus Dresden von den zunächst getroffenen Maßregeln. Moritz ziehe die Besatzungen von Leipzig und Zwickau nach Freiberg; Pietro Colonna und Johann Baptista Lodrone feien mit 400 Reitern bei ihm; 1000 schwere und 500 leichte Pferde seien von Freiberg aus entsandt, um den Streitereien des Feindes im Lande zu begegnen. Karl antwortete in einem sehr ausführlichen Schreiben vom 10. März und stellte sein unverzügliches Kommen in Aussicht. Ferdinand hatte daher in seinem Schreiben vom 14. März reichlich Grund, des Kaisers Entschluß zu preisen; galt es doch, nicht nur Moritz zu retten, sondern auch Ferdinand in Böhmen wieder möglich zu machen. „E. M. kann aber denken, welche Unehre es mir sein würde, zur Hilfe des Herzogs Moritz so weit in dieses Land und mit so großer Schwierigkeit gekommen zu sein und jetzt wieder hinwegzugehn; außer der Unbequemlichkeit und Gefahr, worin ich meine Länder und Untertanen lassen würde, besonders Böhmen, und daß die Übelgesinnten durch meine Abwesenheit um so hartnäckiger in ihrer Rebellion sein würden.“ Zum Schluß riet er dem Kaiser, Alba nach Eger vorauszuschicken, wo er ihn mit Moritz treffen wolle. In derselben Zeit bemühte er sich, Moritz wachsam und kräftig zu erhalten, daß nicht ein neuer Schlag die Kaiserlichen treffe. Er sendete ihm nach Freiberg zu Colonna und Lodrone noch zwei andere kriegsverständige Räte, Sebastian von der Weitmül und und Zwinko Berka von der Dauba und Leipa. Wie Moritz hierdurch davon zurückgehalten wurde, allzu kühn vorzugehen, so erhielt er auch den Rat, den Rest seines Landes zu sichern und die Mannschaften zu verstärken. Er erließ daher wiederholentlich Befehle, denen zufolge Wachen und Kundschafter in den Dörfern fleißig bestellt werden sollten, die Inhaber der Güter und Schlösser zur Wachsamkeit angehalten und bedeutet wurden, sich bei Annäherung eines Feindes lieber nach Dresden zu flüchten. Auch rief ein Mandat die Landsassen, die auf frühere Befehle hin noch immer nicht erschienen – waren ein Zeichen ihrer Verurteilung der herzoglichen Politik – nach Dresden, um sich zur Verfügung des Herzogs zu stellen. Eine Besatzung wurde nach Pirna gelegt, die dem Feinde irgendwelche Zufuhr von Böhmen her verlegen sollte; sogar auf dem Königstein wurde mancherlei vorgesehen: Verproviantierung auf einen Monat und Herrichtung von Schanzkörben.
Zu großen Unternehmungen von seiten Johann Friedrichs ist es seit dem Tage von Rochlitz nicht mehr gekommen. Wohl wurden viele einzelne Streifzüge unternommen, Räuberei und Plünderung getrieben, manche Stadt und manches Amt genommen; die Hauptgefahr für Ferdinand, der in Dresden lag, drohte doch wohl aber von der böhmischen Grenze her. Während einer der Führer – Johann Friedrichs Thumshirn – die sächsischen Bergstädte besetzte, flammte in Böhmen der Aufruhr gegen den habsburgischen Herrn hell empor. Dies alles veranlaßte König Ferdinand, das Anrücken des Kaisers nicht etwa in Dresden abzuwarten; er hielt hier am 22. März noch. eine Zusammenkunft mit dem von Freiberg herbeigeeilten Moritz und verließ am 23. nach Tagen, in denen es sich mehr um das Raten als um das Taten gehandelt hatte, in Begleitung seiner böhmischen Reiterei sowie von 4 Fähnlein Fußvolk und 17 Stück Artillerie die wohlverwahrte und noch von anderen Truppen besetzte Stadt Dresden durch „böse Gebirgswege“ nach Lauenstein; von da aus traf er am 24. in Teplitz, am 4. April in Eger ein[2].
Die Dresdner sind mit dem Aufenthalt Ferdinands und seiner Leute wohl wenig zufrieden gewesen. Eine Stimme der Unzufriedenheit hören wir sich äußern in dem „Handelbuch“ des Dr. Melchior von Ossa. Dieser ausgezeichnete Edelmann hatte ein bewegtes Leben hinter sich. Er hatte die Rechte studiert, aber auch Kriegsdienste geleistet und war Professor der Jurisprudenz in Leipzig geworden. Sowohl Johann Friedrich hat er eine Zeitlang als Kanzler gedient, wie auch in Moritzens und später Augusts Dienste als Rat und als Hofrichter zu Leipzig gestanden. Er hat von 1542 bis 1555 ein Tagebuch geführt[3], worin er sein wirken, aber auch seine vielen Leiden in diesen schwierigen Zeitläuften sich selbst erzählt. Als Kurfürst Johann Friedrich im Januar 1547 Leipzig zu berennen drohte, überredete
die Herzogin Agnes, Moritzens Gemahlin, den
Dr. Otto Richter (Hrsg.): Dresdner Geschichtsblätter Band 4 (1905 bis 1908). Wilhelm Baensch Dresden, Dresden 1905 bis 1908, Seite 148. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Dresdner_Geschichtsbl%C3%A4tter_Vierter_Band.pdf/153&oldid=- (Version vom 11.2.2025)