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Kammerhüter und vier edle Knaben. Auch die Söhne Maxens hatten viele Gefolgsleute, so daß im ganzen täglich 16 Tafeln zu versehen waren. Unter König Rudolfs Dienern erscheinen Spanier, auch ein Kaplan.

Teils zu Ehren des Besuches, teils zu den bevorstehenden Verhandlungen wurden noch andere fürstliche Personen geladen, so der Kurfürst Johann Georg von Brandenburg, dessen Gemahlin Sabine, eine geborene Markgräfin von Baireuth, und Sohn, der Administrator von Magdeburg Joachim Friedrich, sowie der Fürst Joachim Ernst zu Anhalt, dessen Gemahlin Eleonore, geb. Gräfin von Württemberg, dessen Schwägerin Emilie von Württemberg und Tochter Anna Maria. Ferner werden genannt der junge Herzog Joachim Friedrich zu Liegnitz, ein Graf Wilhelm von Schwarzburg und der Graf Burkhard von Barby.

Von den äußeren Vorgängen sind wir sehr gut unterrichtet durch einen ausführlichen Bericht[1], den Fürst Joachim Ernst zu Anhalt an den gefürsteten Grafen Georg Ernst von Henneberg zwei Tage nach seiner Rückkehr aus Dresden am 24. April 1575 von Dessau aus auf dessen freundliches Begehren abgesandt hat[2]. Hierzu kommen in vieler Beziehung ergänzend drei bisher noch nicht bekannte spanische Berichte, die mir auf mein Ersuchen vom Generalarchiv von Simancas in Abschrift geschickt und zur Verwendung überlassen worden sind: eine Staatsdepesche des spanischen Gesandten Grafen von Monteagudo vom 8. Mai aus Prag, gerichtet an den Großkomthur von Kastilien[3], eine zweite vom 26. Mai ebenfalls aus Prag an König Philipp II. selbst[4]; drittens ein kurzer Bericht ohne Datum über den Verlauf der Reise Ihrer K. Majestäten nach der Stadt „Tressen“[5].

Die Anhaltische Fürstenfamilie war schon Donnerstag den 7. April nach Dresden gekommen. Mit Kurfürst August und dem Administrator von Magdeburg ritt der Fürst zu Anhalt – es waren etwa 400 Pferde insgesamt – dem Kurfürsten von Brandenburg entgegen, der mit 60 adeligen Herren, wenigen Reisigen mit nur 50 Pferden – denn fast alle Herren bedienten sich der Kutschen – einkam.

Der Kurfürst hatte das Schloß dem Kaiser und dessen Begleitung eingeräumt, er selbst war nach der Kanzlei gezogen[6] und brachte darin auch die Brandenburger und Anhalter Gäste unter, sehr zu des Fürsten zu Anhalt Zufriedenheit, „denn“, so sagt er, „wir haben allerseits gar gute, herliche und zirliche Bequemlichkeit und Raum gehabt“. Der Kaiser wurde schon für Sonnabend den 9. April erwartet; aber an diesem Tage traf zunächst nur ein Schreiben vom 6. April ein, in dem Maximilian mitteilte, daß ihn türkische und polnische Sachen verhinderten, am morgigen Tage „zu verrücken“; er könne erst am nächstkommenden Freitag (den 8. April) aufbrechen. Zur Beruhigung des Kurfürsten fügte er aber hinzu: „Wir seyn aber endlich endtschlossen, hoffen auch nit, das uns Ichtes (= etwas) daran verhindern solle, auf den Freitag, liebts Gott, gewißlich alhie auf zu sein.“ Der Wirt vergnügte indes seine Gäste zu Dresden mit einem Stahlschießen zur Wand, wobei an einem Tage für 2000 Gulden, am anderen für 1000 Gulden Silbergeschirr gewonnen wurde.

Für den Sonntag wurde ein Ritt nach Pirna angesagt, dem Kaiser entgegen. 250 Pferde stark zog man dahin. Der Rat der Stadt hatte es „fein ordentlich bestellt“, daß man dem Kurfürsten mit etlichen Fähnlein in der Ordnung ein wenig vor der Stadt entgegenzog, beim Einziehen Freudenschüsse abgab und „sich fein lustig und gehorsamlich erzeigte“. Am Montag standen alle um 3 Uhr morgens auf; um 8 Uhr bestiegen sie nach einem Ritte die „fein herlich und zirlich zugerichteten“ acht Schiffe des Kurfürsten und fuhren bis an die Grenze[7], tafelten und warteten. Als die Nachricht kam, daß des Kaisers Flottille von 14 Schiffen[8] nahe, lavierten sie mit ihren Schiffen so, daß man nicht etwa über die Grenze rückte. Die Fürsten stiegen in des Kaisers Schiff, und August empfing seinen allerhöchsten Gast „mit einer herrlichen Oration“[9]. Kaiser und Kaiserin begrüßten die Herren und Frauen stehend, so sauer dies auch dem Kaiser

wurde, denn er, der schon lange ein kränkelnder Mann


  1. Archiv für die sächsische Geschichte. Band 7 (1866), S. 225 ff.
  2. Merkwürdig ist, daß die Kurfürsten Johann Georg von Brandenburg und August nach dem Tode ihrer Frauen Töchter dieses Fürsten Anhalt heirateten, also dessen Schwiegersöhne wurden (1577 und 1586).
  3. Simancas. Staatssekretariat; Band 672.
  4. Ebenda.
  5. Ebenda. S. 57. Relación del suceso de la jornada que Sa Magestad Cesárea hizo para la villa de Tressen.
  6. Heinrich Göding der Maler und Georg Fleischer der Tischler mußten die von ihnen inne gehabten Gemächer, Kammern und Säle des Schlosses mit allem Gehörn und geschnitzten Köpfen und Schildern räumen. Neues Archiv für Sächs. Geschichte VIII S. 309. Über das 1568 vollendete Kanzleihaus s. C. Gurlitt, die Kunstdenkmäler Dresdens, S. 399 ff.
  7. Wie 1538. S. Dresdner Geschichtsblätter Band 4 S. 142, Anmerkung 18. – Die Globtbach bei Niedergrund.
  8. Nach der Relation habe der Kaiser 8, der Kurfürst nur 5 Schiffe zur Verfügung gehabt.
  9. Von dieser ist keine Notiz vorhanden. Wohl aber hatte August schon am 3. März 1575 für seinen Sohn Christian (damals 14 Jahre alt) eine Ansprache aufgesetzt; darin dankt der Sprecher dem Kaiser, daß er und dessen Familie die Eltern besuchen, und erbietet sich ihm, daß er, so unbedeutend und unvermögend er auch sei, dem Kaiser dienen werde. H St A. Loc. 8500. Schreiben Max II. usw. 1574–1576. Blatt 45.
Empfohlene Zitierweise:
Dr. Otto Richter (Hrsg.): Dresdner Geschichtsblätter Band 4 (1905 bis 1908). Wilhelm Baensch Dresden, Dresden 1905 bis 1908, Seite 236. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Dresdner_Geschichtsbl%C3%A4tter_Vierter_Band.pdf/241&oldid=- (Version vom 12.2.2025)