Seite:Dresdner Geschichtsblätter Vierter Band.pdf/306
befindet, führt den bezeichnenderen Titel: „Die
Trauerjahre der Königlich sächsischen Armee.“
Und in der Tat, es waren Jahre der Trauer, aber doch auch Jahre der Treue[1], und daß die Treue sich so bewährte, ist nicht zum mindesten das Werk der zwei in unserem Tagebuche so oft genannten Männer: Lecoq und Zezschwitz. Ihr Verdienst ist es, daß die Armee als Ganzes sich nicht lossagte von ihrem Könige und diesen damit im Festhalten an seinem guten Rechte bestärkte, ohne welches Sachsen heute kein selbständiges Glied im deutschen Reiche wäre. Dankbar haben König Friedrich August und sein Haus das Verdienst jener beiden treuen Sachsen anerkannt: Lecoq wurde nach dem Frieden kommandierender General der gesamten sächsischen Armee[2]. Er starb kinderlos im Jahre 1830 auf einer Reise nach dem Süden zur Wiederherstellung seiner Gesundheit zu Brieg in Wallis. „Auf Befehl des Königs [Anton] legte die Armee um diesen hochverdienten Mann, der namentlich in der schwierigen Periode von 1813–1815 Beweise einer entsagungsvollen Ergebenheit für seinen Landesherrn abgelegt hatte, eine 14tägige Trauer an.“ Der mehrfach genannte Graf von Holtzendorff hielt ihm die Grabrede. Zu Glies, am Fuße der Simplonstraße, wo er begraben liegt, hat ihm das sächsische Offizierskorps aus eigenen Mitteln ein prächtiges Denkmal errichtet[3].
Adolf von Zezschwitz wurde 1821 als Nachfolger Zeschaus Präsident der Kriegsverwaltungskammer und 10 Jahre später Kriegsminister. Er starb 1845 als Generalleutnant und Kommandant der Festung Königstein[4].
Bemerkung der Redaktion. Die Beurteilung, die der Herausgeber dieser Tagebücher in Übereinstimmung mit deren Verfasser manchen darin geschilderten Vorgängen zu teil werden läßt, weicht von den heutzutage auch in Sachsen geltenden Anschauungen über die Zeit der Befreiungskriege erheblich ab. Die Redaktion will nicht unterlassen, dies, bei voller Anerkennung der Gewissenhaftigkeit und Zuverlässigkeit der vom Herausgeber geleisteten Forscherarbeit, hiermit festzustellen.
- Richard Julius Erbstein, Dr. jur., Geh. Hofrat, Direktor des Grünen Gewölbes, des Münzkabinetts und der Porzellansammlung, geb. in Dresden 30. Juni 1838, gest. 17. Okt. 1907 in Blasewitz, Residenzstr. 30. – Trinitatisfriedhof.
- Georg Otto von Ehrenstein, Dr. jur. h. c., Wirkl. Geh. Rat, Kreishauptmann a. D., geb. in Dresden 19. Januar 1835, gest. 3. Nov. 1907 Residenzstr. 1. – St. Pauli-Friedhof.
- Heinrich Leo von Carlowitz, Generalleutnant z. D., geb. in Leipzig 18. Sept. 1846, gest. 12. Nov. 1907 Forststr. 41. – Garnisonfriedhof.
- Ernst Bruno Stübel, Dr. phil., Hofrat, Oberbibliothekar, geb. in Leipzig 18. Nov. 1842, gest. 28. Nov. 1907 Löwenstr. 4. – Trinitatisfriedhof.
- Karl Oskar Unruh, Dr. med., Geh. Hofrat, geb. in Dresden 23. Dez. 1847, gest. 5. Dez. 1907 auf dem Weißen Hirsch, Bautzner Str. 15. – Friedhof Weißer Hirsch.
- Richard Löber, Dr. theol. et phil., Oberkonsistorialrat, Hofprediger a. D., geb. in Kahla 12. März 1828, gest. 6. Dez. 1907 Kaiserstr. 7. – Johannesfriedhof (Tolkewitz).
- Anton Heinr. Wilh. Karl Kösting, Dramendichter, geb. in Wiesbaden 3. Febr. 1842, gest. 17. Dez. 1907 Bienertstr. 30. – Krematorium Chemnitz.
- Kurt von Raab, General der Infanterie z. D., Dr. phil. h. c., geb. in Bautzen 15. Juli 1834, gest. 1. Jan. 1908 Königstr. 3. – Innerer Neustädter Friedhof.
- Karl Rudolf Hetschel, Bürgermeister a. D., geb. in Dresden 25. Okt. 1852, gest. 14. Jan. 1908 Wartburgstr. 20. – Trinitatisfriedhof.
- Joachim Kaspar Anton Richard von Schlieben, Minister des Kultus u. öffentl. Unterrichts, geb. in Niederfriedersdorf 23. Juli 1848, gest. in Nieder-Taubenheim an der Spree 7. Febr. 1908. – Friedhof Taubenheim.
- Marie Schramm-Macdonald geb. Schwendy, Schriftstellerin und Lehrerin der Schauspielkunst, geb. in Berlin 11. April 1846, gest. 7. Febr. 1908 Canalettostr. 11. – Trinitatisfriedhof.
- Gustav Leberecht Hartwig, Baumeister, früher Stadtverordneter u. Stadtrat, geb. in Unkersdorf bei Wilsdruff 15. Dez. 1839, gest. 25. Febr. 1908 Strehlener Str. 58. – Johannesfriedhof (Tolkewitz).
- Friedrich Leon Pohle, Porträtmaler, Geh. Hofrat, früher Professor an der Kunstakademie, geb. in Leipzig 1. Dez. 1841, gest. 27. Febr. 1908 Fürstenstr. 30. – Trinitatisfriedhof.
- ↑ Daß schließlich doch eine große Zahl der Offiziere in preußische Dienste trat, war die natürliche Folge der Einwilligung des Königs von Sachsen in die Teilung seines Landes.
- ↑ Er erhielt auch das Großkreuz des Militär-St. Heinrichs Ordens, das außer ihm nur noch v. Zeschau besaß. 1818 wurde er zum Konferenzminister ernannt, und am 27. April 1830, bei seinem 50jährigen Dienstjubiläum überreichte ihm König Anton persönlich in seiner Wohnung den Königl. Hausorden der Rautenkrone.
- ↑ Ein Portrait Lecoqs befindet sich im Armeemuseum.
- ↑ Vgl. „Allg. deutsche Biogr.“, 45. Bd. S. 146 f. und „Neuer Nekrolog der Deutschen“, 23. Jahrg., I, 372 (Weimar 1847).
Dr. Otto Richter (Hrsg.): Dresdner Geschichtsblätter Band 4 (1905 bis 1908). Wilhelm Baensch Dresden, Dresden 1905 bis 1908, Seite 301. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Dresdner_Geschichtsbl%C3%A4tter_Vierter_Band.pdf/306&oldid=- (Version vom 18.3.2025)