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2. das Korps des Grafen Wittgenstein anzuschließen, damit der Teil bis zur Dippoldiswaldaer Chaussee mit dem Kleistschen und Wittgensteinschen Korps gedeckt sei.
3. Die Division Colloredo wird sich an der Dippoldiswaldaer Straße links anschließen und sogestaltig den linken Flügel bis zur Elbe ausfüllen (muß wohl heißen Weißeritz).
4. Die Aufstellung der Garden und Reserven werde der General Barclay als Reserve in Antrag nehmen (auch für die österreichischen Reserven?).

Ich bleibe heute noch in Bannewitz und bin morgen auf der Höhe bei Plauen zu finden. Ich bitte um Nachrichten über die Ereignisse auf dem rechten Flügel.

Auf dem Schlachtfelde bei Dresden,
den 26. August, abends 10 Uhr.
     Schwarzenberg.“

Vervollständigt wird diese Disposition bezüglich der Absichten Schwarzenbergs durch den Befehl desselben an den noch westlich Tharandt lagernden General Grafen Klenau: „am 27. um 4 Uhr früh mit seinem Armeekorps auf den Höhen von Gorbitz zur Schlacht aufgestellt zu sein, die man anzunehmen beschlossen“[1].

Damit wie durch die Disposition war bestimmt die Schlachtannahme ausgesprochen, nicht aber Kampf um einen Rückzug, für den man sich eben nicht entschieden hatte. Wenn man letzteren im Auge behalten hätte, wozu dann die herangekommenen großen russischen und österreichischen Artillerietrains mit Geschützen bei Kaitz-Mockritz)[2] festhalten, wozu die rückwärtigen Reserven Barclays noch an seine Gros heranführen lassen (Punkt 4 des Befehls), wozu die Kolonnenmagazine weiter anmarschieren, anstatt Kehrt machen lassen? (Man begegnete letzteren[WS 1] am 27./28. nachts auf dem Rückmarsche bei Dippoldiswalde.)

Die Disposition Schwarzenbergs ließ an Deutlichkeit sehr zu wünschen übrig; sie begrenzt nicht einmal den rechten Verbündeten-Flügel und schweigt sich über den linken ganz aus.

Wie anders dagegen die für den 27. getroffenen klaren und bestimmten Anordnungen Napoleons, welchem mit Nachtende nach dem Eintreffen der letzten Staffeln rund 180 Bataillone, 130 Schwadronen und gegen 470 Geschütze mit zusammen etwa 125 000 Mann zur Verfügung kamen, gegenüber rund 150 000 Mann der Verbündeten – nicht eingerechnet die im Tagesverlauf erst anlangenden Reserven Barclays (29 000 Mann) und das Korps Klenau (21 000 Mann).

Für den Fall, daß der Feind stehen bleibt, sollten nach den nachts erteilten Befehlen Napoleons

a) Murat mit dem Korps Victor (2.), der Division Teste, dem Kavalleriekorps Latour-Maubourg und der Kavalleriedivision Pajol den linken feindlichen Flügel umgehen und dem Gegner den Rückzug auf Freiberg abschneiden;
b) Korps St. Cyr (14.) vereinigt am Großen Garten in Richtung Südost verwendbar sein;
c) Marmont und Ney mit dem 6. Korps, der alten Garde und 2 Divisionen der jungen Garde dem feindlichen Zentrum gegenüber Stellung nehmen;
d) Mortier mit 2 Divisionen der jungen Garde und den 2 Gardekavallerie-Divisionen unter Nansouty aus der Stellung zwischen Großem Garten und Elbe gegen pirnaische Straße und den feindlichen rechten Flügel vorbrechen;

– Alles mit der Absicht, die feindliche Armee von den besseren Rückzugsstraßen auf Freiberg und über Pirna abzudrängen und zum Rückmarsche auf die schlechteren Gebirgswege über Dippoldiswalde und Umgebung zu zwingen. –

Nicht zu übergehen ist nun eine eigentümliche Bemerkung S. 45 der Lüdtkeschen Schrift, wo es heißt: „Schwarzenberg gab die Disposition für den 27. aus, ‚wie gewöhnlich etwas unklar‘ – bemerkt Friederich, absichtlich so gehalten – sage ich“. Mit dieser Auslassung wird dem von Dr. Lüdtke so außerordentlich günstig beurteilten Fürsten Schwarzenberg doch ein recht schlechter Dienst erwiesen, denn ein schlimmerer Vorwurf gegen einen Armeeführer als der, daß er in seinen Befehlen absichtlich unklar sei, kann wohl kaum erhoben werden.

Weiter heißt es S. 45/46: „Sie (die Disposition) ordnet nur die Aufstellung der Truppen, um, wie es heißt, für den Fall einer Schlacht morgen in Bereitschaft zu sein“. Dem ist entgegenzuhalten: Für eine Stellung zum Verteidigungskampfe, eine Bereitschaftsstellung, kann nie etwas anderes als nur Truppenaufstellung angeordnet werden. Die Verwendung dieser Truppen hängt in der Verteidigung lediglich von der Beobachtung des gegnerischen Verhaltens und den erst darnach zu treffenden Maßnahmen ab.

Und wenn unmittelbar darauf angeführt wird: „man hatte sich zwar zum Kampfe, der ja notwendig eintreten mußte, gestellt, doch in einer so trefflichen Höhenstellung, daß man hier guten Muts die Offensive der Franzosen abwarten konnte“, so trifft dies für die isolierte ausgedehnte, schwach besetzte linke Flügelstellung, die auch eine Höhenstellung war, nicht zu. Später (S. 47) wird dies noch zugestanden. Vernichtung dieses Flügels war

die Folge der getroffenen mangelhaften Anordnungen.


  1. Nach Friederich I. Band S. 471.
  2. Vgl. Aster S. 268 unten.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: letzeren
Empfohlene Zitierweise:
Dr. Otto Richter (Hrsg.): Dresdner Geschichtsblätter Band 4 (1905 bis 1908). Wilhelm Baensch Dresden, Dresden 1905 bis 1908, Seite 53. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Dresdner_Geschichtsbl%C3%A4tter_Vierter_Band.pdf/56&oldid=- (Version vom 31.1.2025)