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VII. Jahrgang 1898 Nr. 3.
Die Festungswerke von Dresden-Altstadt bestanden in dem Umfange, wie sie von den Kurfürsten Moritz und August angelegt worden waren, aus sieben Bastionen, welche die Namen Venus, Mars, Jupiter, Merkur, Saturnus, Luna und Sol trugen, und den dazwischen liegenden Wällen (Courtinen). Diese Namen erhielten die Bastionen im Jahre 1721 auf ausdrücklichen Befehl König Augusts II. Vorher hieß der der Kunstakademie gegenüber gelegene, die linke Flanke der Venusbastion bildende Vorsprung der untere und die dahinter liegende Erhöhung der obere Ritterberg, während derjenige Theil, wo sich das Belvedere befindet, die Jungfer genannt wurde. Die Bastion Mars hieß der Hasen- oder Zeughausberg, die Bastion Jupiter der Salomonisberg, die Bastion Merkur der Seeberg, die Bastion Saturnus der Wilsche Berg, die nach der Ostra-Allee gerichtete Seite der Bastion Luna (ein Theil des jetzigen Zwingerwalls) die Baumschule und die nach der Stallstraße gerichtete Seite derselben der Zwingergraben. Die beiden dicht nebeneinander liegenden Flanken der Bastionen Sol und Luna, welche sich ungefähr an der Stelle befanden, die jetzt zum Theil das Hoftheater einnimmt, nannte man die zwei Mönche, und die Bastion Sol (den Platz, auf welchem jetzt das Hotel Bellevue steht) den Feuerwerksplatz. Der neben der Bastion Sol nach der Augustusbrücke zu gelegene Theil der Festungswerke hieß der Münzberg und der Vorsprung der Brühl’schen Terrasse, welcher jetzt das Rietscheldenkmal trägt, die Plattform. Die über den Thoren gelegenen kleinen Häuschen wurden Katzen genannt; es gab die „Katze überm Elbthor“ (an der Augustusbrücke), die „Katze überm Pirnaischen“ und die „Katze überm Wilsdruffer Thor“[1]. Letztere wird auch als der „Hersenthurm“ bezeichnet. Das französische Wort Herse bedeutet ein Fallgatter, woraus sich schließen läßt, daß sich in diesem Bauwerk früher eine Vorrichtung zum Aufziehen eines solchen befunden hat. Der Hersenthurm lag vor dem Thorthurm nach der äußeren Seite des Walles zu[2]. Auch über dem Ausfalle (beim Hotel Bellevue in der Richtung nach dem Packhofe) befand sich ein ähnliches Häuschen und in dessen Nähe ein Platz, auf welchem die dem Königlichen Hofe gehörigen großen gewirkten Teppiche, Gobelins etc. gereinigt wurden, welche man bei Eintritt ungünstiger Witterung in diesem Häuschen unterbrachte, weshalb es den Namen Tapetenhäuschen führte[3].
Die Bastion Venus, auf welcher sich das Belvedere befindet, ist in ihrem früheren Umfange noch vollständig erhalten; von der Bastion Mars hingegen, an deren Spitze sich das Moritzmonument, ungefähr an der Stelle der Kreuzung der Zeughausstraße und der Moritz-Allee, befand, sowie von dem an dieselbe sich anschließenden Walle in der Richtung nach der Landhausstraße ist bis auf die Erhöhung im ehemaligen botanischen Garten nichts mehr vorhanden. Der Mauerrest an der Biegung der Maximilians-Allee, der nun abgebrochenen Waisenhauskirche gegenüber, ist die Spitze der Bastion Jupiter, von deren rechter Flanke in der Vertiefung an der
Dr. Otto Richter (Hrsg.): Dresdner Geschichtsblätter Band 2 (1897 bis 1900). Wilhelm Baensch Dresden, Dresden 1897 bis 1900, Seite 109. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Dresdner_Geschichtsbl%C3%A4tter_Zweiter_Band.pdf/112&oldid=- (Version vom 11.7.2024)