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Kostenbeschaffung gerieth. Zunächst geschah nichts: die Schwierigkeiten, die bei näherer Betrachtung sich häuften, waren stärker, als die Thatkraft, sie zu besiegen. Im Jahre darauf brachte Clausnitzer seinen Antrag wieder vor. Er führte seine schon früher entwickelten Vorschläge über Bauplatz und innere Einrichtung noch weiter aus. Sein Gedanke war, das neue Schulgebäude auf dem Platze der noch stehenden aber wüsten und leeren Tertiatwohnung zu errichten, dann erst das alte Schulgebäude niederzureißen und nun an das neue mit Hinzuziehung der Plätze des Kirchner- und Organistenhauses zwei Seitenflügel mit Wohnungen für sämmtliche Lehrer anzubauen. Diesmal hatte er den Erfolg, daß der Rath beschloß, die Baufälligkeit der Schule untersuchen, Riß und Kostenanschlag fertigen zu lassen und an das Oberkonsistorium Bericht zu erstatten. Die Besichtigung ergab die Nothwendigkeit eines Neubaues. Die Geldfrage aber machte große Schwierigkeiten, umsomehr als damals die Preise und Löhne sehr hoch standen. Daß aus dem Schulvermögen auch nicht der geringste Beitrag zu dem Bau entnommen werden konnte, war von vornherein klar. Die Berichterstattung ans Oberkonsistorium verzögerte sich bis 1801. Neben anderen Quellen für die Kostendeckung war darin auch auf ein „erkleckliches Gnadengeschenk“ des Kurfürsten Bedacht genommen. Anfang 1802 bewilligte denn auch der Kurfürst ein Gnadengeschenk von 10000 Thlr. für den Kreuzschulfiskus, jedoch unter der Bedingung, daß bei dem Neubau auf die Verbindung einer Industrial- und Bürgerschule, deren die Altstadt bedürfe, mit den unteren Klassen der Kreuzschule Rücksicht genommen werden.

Ansicht der Kreuzschule 1812–1891.
Die Hereinspielung dieser Frage verwickelte die Angelegenheit und trug, neben den Kriegsereignissen, viel Schuld an dem langsamen Fortgang der Sache. Der Rath wünschte, wofür auch Clausnitzer sich aussprach, die Kreuzschule als Gelehrtenschule zu erhalten und eine solche Verbindung zu vermeiden. Nach mehrfachem Schriftenwechsel über diese Frage theilte das Oberkonsistorium im September 1805 mit, daß der Kurfürst von einer materiellen Verbindung einer Bürgerschule mit der Kreuzschule absehe und nur eine räumliche Verbindung wünsche, die Ueberlassung seines Gnadengeschenks aber von dem Nachweise abhängig mache, wie der übrige Kostenaufwand gedeckt werden solle. Die Antwort darauf verzögerte sich. Es ging inzwischen 1807 ein Antrag des nunmehrigen Inspektors der Kreuzschule, Kämmerer Fehre, ein, anstatt des Neubaues eine umfangreiche Reparatur vorzunehmen. Der Rath aber lehnte unter Vorgang des Bürgermeisters Clausnitzer den Antrag ab. Darauf sandte er im Februar 1808 dem Oberkonsistorium Bericht ein, wie er den auf etwa 50000 Thlr. veranschlagten Bauaufwand allmählich zu decken gedenke und erbat sich vom Kurfürsten daraufhin einen Vorschuß von 40000 Thlr. Die Antwort, die erst 1810 kam, entsprach nicht diesem Wunsche. Sie nahm Bezug darauf, daß der Kostspieligkeit des Neubaues und den schlechten Zeitumständen gegenüber auch Meinungen für eine bloße Reparatur obwalteten, und forderte, indem sie die Anlegung einer Bürgerschule fallen ließ, eine genaue Lokalbesichtigung zum Zwecke der Feststellung, ob nicht doch eine Reparatur genüge. Die geforderte Besichtigung fiel in diesem Sinne aus. So war das Schicksal der Kreuzschule entschieden und der seit einem halben Menschenalter betriebene Neubau ins Wasser gefallen. Und es darf dies als ein Glück angesehen werden: denn das damals Geschaffene hätte doch, auch wenn es für seine Zeit gut gewesen wäre, den mit einem Male sich mehrenden Erfahrungen und Bedürfnissen der anbrechenden neuen Zeit des raschen Fortschritts nicht Stand halten können. – Mittels Reskripts vom 1. November 1811 war allerhöchstenorts „genehmigt“, daß man den Neubau auf andere Zeit aussetze und sich jetzt auf die möglichen Hauptreparaturen und verbesserte Einrichtungen im Inneren beschränke. Das Gnadengeschenk aber wurde auf 15000 Thlr. erhöht, wovon die eine Hälfte für die Reparaturkosten sofort ausgezahlt, die andere zu einem bleibenden Schulkapitale bestimmt werden sollte. Der Bau wurde Anfang 1812 begonnen und im Laufe des Jahres zu Ende gebracht[1]. Der Kostenaufwand betrug 12628 Thlr. 13 Ngr. 1 Pf. Nur die fast verfallene Tertiatwohnung wurde abgebrochen. Die äußere Ansicht veränderte sich insofern, als der bisher an der Hauptfassade befindliche Renaissancegiebel
Dr. Otto Richter (Hrsg.): Dresdner Geschichtsblätter Band 2 (1897 bis 1900). Wilhelm Baensch Dresden, Dresden 1897 bis 1900, Seite 167. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Dresdner_Geschichtsbl%C3%A4tter_Zweiter_Band.pdf/170&oldid=- (Version vom 16.7.2024)
- ↑ Ausgeführt wurde der Umbau durch Maurermeister F. C. Hünich nach dessen Plänen (jetzt im Rathsarchiv), denen wir auch nebenstehende Ansicht der Schule vor dem Umbau verdanken.