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Bähr-Denkstein in Fürstenwalde.
Nach einer Zeichnung von Schilling und Gräbner.

Höhe, die in einem Zierrahmen die vergoldete Inschrift trägt: „Geburtsstätte George Bährs, Erbauers der Frauenkirche zu Dresden, 15. März 1666“. Als die Vereinsmitglieder und die Gemeinde sich um den Denkstein versammelt hatten, vollzog der Vorsitzende Dr. Richter die Weihe mit etwa folgenden Worten:

„Wir sind hierhergekommen, einen Mann zu ehren, der als Künstler Großes geleistet und als Mensch ein leuchtendes Beispiel von Charakterstärke und Gottvertrauen gegeben hat. Georg Bähr, der in diesem Gehöfte hier das Licht der Welt erblickte, ist seit fast 160 Jahren todt, aber in der deutschen Kunstgeschichte glänzt heute sein Name heller als je und für die Stadt Dresden bleibt er eine der verehrungswürdigsten Gestalten ihrer Vergangenheit. Die Frauenkirche, die er unter unsäglichen Mühen und Kämpfen erbaut hat, ist der Stolz unserer Stadt. Ihre herrlichen Linien geben dem ganzen Stadtbilde das Gepräge und vor ihrer einfachen, ernsten Größe muß selbst die prunkende Schönheit des benachbarten, von seinem Gegner Chiaveri geschaffenen Werkes in den Schatten treten. Und diese Frauenkirche steht zugleich da wie ein mächtiges Bollwerk, an dem jeder Angriff auf den protestantischen Charakter unserer Stadt Dresden zerschellen wird, wie an ihrer Kuppel einst die Geschosse des Belagerers wirkungslos abprallten. Dir danken wir es, Meister Bähr, daß Du uns dieses erhabene Gotteshaus, dieses herrliche Wahrzeichen des Lutherthums in unserem Lande Sachsen aufgerichtet hast. Dir und Deiner Künstlergröße hast Du damit selbst ein Denkmal gesetzt, dem gegenüber jedes andere Monument als ein Nichts erscheinen würde. Aber hier in Deiner stillen Heimath, an Deiner Geburtsstätte haben wir Dir ein bescheidenes Zeichen unserer Dankbarkeit errichten wollen. Wir weihen es, indem wir den wohlverdienten Lorbeer, der Dir im Leben vorenthalten blieb, an diesem Steine niederlegen (Niederlegung eines Kranzes). Und nun danke ich im Namen unseres Vereins denen, die um die Herstellung dieses Denkmals sich verdient gemacht haben, vor allen den Erbauern, den Herren Schilling und Gräbner, die es trefflich ausgeführt und Opfer dafür gebracht haben, ebenso auch den betheiligten Grundstücksbesitzern dieser Gemeinde, und ich begrüße alle, die heute festlich hier erschienen sind, unter ihnen besonders die Nachkommen Bährs, deren Anwesenheit den erfreulichen Beweis giebt, daß das Geschlecht des Meisters noch in voller Blüthe steht. Ihnen Herr Gemeindevorstand und Ihren Amtsnachfolgern übergebe ich den Denkstein zu getreuer Obhut. Möge seine gute Erhaltung immer beweisen, daß der große Meister des protestantischen Kirchenbaues auch in seinem Geburtsorte Fürstenwalde treu in Ehren gehalten wird. Das walte Gott!“

Im Auftrage des Gemeinderaths übernahm der Ortsgeistliche Pastor Richter das Denkmal in die Obhut der Gemeinde Fürstenwalde und dankte dem Vereine aufs wärmste für dessen Errichtung, ebenso wie dem Vorsitzenden für den kürzlich erbrachten Nachweis der Thatsache, daß Bähr nicht durch einen Sturz vom Baugerüste sein Leben freiwillig geendet, sondern nach langer Krankheit im Kreise der Seinen die Augen geschlossen hat. Außer dem Vereine legte auch die Familie Bähr einen Lorbeerkranz am Denkmale nieder. Nach der Rückkehr nach Lauenstein vereinigten sich die Festgenossen um 4 Uhr zu einem fröhlichen Mahle in „Stadt Teplitz“. Gegen 8 Uhr wurde in den von der Eisenbahnverwaltung zur Verfügung gestellten Sonderwagen die Heimfahrt angetreten.

Die Mitgliederzahl ist im verflossenen Jahre von 488 auf 520 gewachsen; durch Tod verlor der Verein 13, durch Austritt 11 Mitglieder, neu eingetreten sind 56. – Die Einnahmen beliefen sich auf 3850 Mark (darunter 300 Mark Beitrag der Stadtgemeinde, 3210 Mark Mitgliederbeiträge, 283 Mark Erlös aus Veröffentlichungen), die Ausgaben auf 2173 Mark (darunter 1040 Mark Herstellungskosten der Geschichtsblätter, 250 Mark Beitrag zum Bähr-Denkstein u. a.). Das Vereinsvermögen betrug am Jahresschlusse 2600 Mark.




Mappen zur Aufbewahrung der „Geschichtsblätter“ zum Preise von 1,25 Mark sind in der Verlagshandlung von Wilhelm Baensch (Waisenhausstraße 34) käuflich zu haben.

Empfohlene Zitierweise:
Dr. Otto Richter (Hrsg.): Dresdner Geschichtsblätter Band 2 (1897 bis 1900). Wilhelm Baensch Dresden, Dresden 1897 bis 1900, Seite 88. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Dresdner_Geschichtsbl%C3%A4tter_Zweiter_Band.pdf/91&oldid=- (Version vom 23.7.2024)