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Wechsel bald die prächtigen Bäume oder das rieselnde Wasser oder der starrende Fels; bald schaut er hinauf zu den blauen Höhen des Schwarzwalds, bald hinaus in die nebelumschleierte Rheinebene, bald blickt er in ein einsames Waldthälchen, bald auf lachende Dörfer und blühende Fluren. Und wie wenige Schritte genügen, um den Menschen aus dem Drang und dem Staub der Stadt hinauszuführen in die volle Frische und Einsamkeit des Bergwalds oder in den Frieden des Güntersthaler Thälchens, eines der lieblichsten Winkel in unserm Vaterland! Welch’ ein Gegensatz dann, wenn im Thal der Frühling mit seiner ganzen Pracht eingezogen ist, und es schauen von den Bergen noch die weissen Schneefelder in das warme junge Grün herein!

Und nicht genug, dass die Natur diesen Fleck unsrer lieben Heimath mit ihren schönsten Gaben förmlich überschüttet hat, so hat der Mensch mit seiner Kunst und seinem Fleiss auch noch das Seinige dazu gethan. Liegt schon ganz Freiburg in einem Kranz von Anlagen mit schattigen Bäumen und duftigen Blumen, so ist im Stadtgarten diese Kunst auf’s Höchste gesteigert; der Schlossberg ist mit schweren Opfern den Zwecken der Nützlichkeit entzogen; das Land, das früher Weinberge trug, ist mit seinen Bäumen und Spaziergängen heute zum Gemeingut Aller geworden; und draussen im Dreisamthal hat der Gemeinsinn im Waldsee und dessen Anlagen einen Platz von erquickender Frische und entzückender Schönheit geschaffen.

Die Freiburger Bucht ist ein Theil der Rheinebene und stimmt in ihrem geologischen Aufbau[1] mit dieser überein. Die Rheinebene zwischen Basel und Bingen ist ein Einbruchsthal, d. h. sie ist dadurch entstanden, dass ein Theil des ursprünglich gemeinsam aus Schwarzwald und Vogesen bestehenden Gebirgs in die Tiefe versunken ist. In den so entstandenen Graben sind dann der Rhein und die Bäche der umliegenden Gebirge hineingeströmt und haben ihn mit ihren Gewässern gefüllt, haben gleichzeitig auch seinen Boden mit ihrem Schutt und Geröll bedeckt und zwar so tief, dass nur noch an wenigen Stellen die Spitzen der versunkenen Berge herausschauen. Später wurde nun diese Kiesdecke selbst wieder zum Theil abgetragen und an den meisten Stellen mit Lehm und Löss in wechselnder Höhe überschüttet. In diese Decke haben dann die Flüsse ihre jetzigen Betten eingenagt und das lockere Material des Bodens noch bis in die neueste Zeit fortwährend hin- und hergeschoben. Bei den unbändigsten von ihnen, dem Rhein selbst, der Dreisam und der Elz, hat der Mensch


  1. Genaueres über die Geologie der Freiburger Bucht siehe in dem vortrefflichen »Geolog. Führer der Umgebung von Freiburg« von Steinmann und Gräff. Freiburg 1890.
Empfohlene Zitierweise:
: Freiburg im Breisgau. Die Stadt und ihre Bauten. H. M. Poppen & Sohn, Freiburg im Breisgau 1898, Seite 6. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Freiburg_Bauten_006.jpg&oldid=- (Version vom 21.11.2025)