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Die Spüljauche wird gewöhnlich zunächst zur Abscheidung gröberer Bestandtheile in ein zweitheiliges Absatzbecken von je 30 m Länge und 15 m Breite geleitet, soweit sie nicht zur Wässerung solcher Stücke, auf welchen diese Bestandtheile nicht hinderlich sind oder gar gewünscht werden, unmittelbar Verwendung findet. Quer durch die Becken gezogene Flechtzäune nöthigen die durchfliessende Jauche zu Serpentinen und befördern das Niederschlagen des Schlammes. Durch tiefliegende Kanäle kann das Wasser aus den einzelnen Becken abgelassen werden. Der eingetrocknete Schlamm wird dann ausgestochen und zu Compost verarbeitet.
Bei der ausschliesslich durch offene Gräben erfolgenden Vertheilung der Spüljauche über das Gebiet müssen Bewässerung, Entwässerung, landwirthschaftlicher Betrieb und die Bebauung des Geländes gleichzeitig in Betracht gezogen werden.
Der Bewässerung gestatten hier die grossen Gefälle einen weiten Spielraum. Für den Ackerbetrieb jedoch kommen die Grundstücksformen und das Wegnetz in Frage. Unregelmässig gestaltete Grundstücke sind wegen der Schwierigkeit der Bestellung zu vermeiden, während bei Wässerwiesen solche Formen weniger schaden. Das Wegnetz hat sich darnach zu richten, dass der Mundenhof am nordwestlichen Ende der Anlage der Sitz des Betriebes ist, dass aber der Hauptverkehr gegen die Stadt hingeht. Es müssen mithin überallher Hauptwege nach diesen beiden Punkten führen; für Verbindung im Innern wird duch Querwege gesorgt. Bei den Entwässerungsanlagen ist das Eindringen der Jauche in fremdes Gebiet zu verhüten und für ordnungsmässige Abführung der Drainagewasser zu sorgen.
Die Bewässerungsgräben durchziehen von den Absatzbecken in der Richtung des stärksten Gefälles die Fläche. Die Leitung der Spüljauche in offenen Gräben hat sich vollständig bewährt. Sie kommt im strengsten Winter mit einer Temperatur von 5–6° C auf dem Rieselfeld an und kühlt sich bei ihrem Lauf an das äusserste Ende auf 3 km Entfernung nur um etwa 2° ab. Ihre Vertheilung hat darum auch noch nie Schwierigkeiten gemacht. Wegen des starken Gefälles erhalten die Gräben nur kleine Profile; 0,6 m Sohle und 0,6 m Tiefe reichen fast durchweg aus, die grösste Wassermenge von 750 Secundenlitern überall hin zu führen, selten sind grössere Weiten erforderlich. Die Dammkronen der Gräben sind mindestens 20 cm über den höchsten Wasserstand gelegt und beiderseits als Fusswege ausgebildet. In Entfernung von je 60 m sind Stauschleusen eingesetzt, welche das Wasser nach beiden Seiten auf die Fläche zu leiten haben. Diese Schleusen, bei
: Freiburg im Breisgau. Die Stadt und ihre Bauten. H. M. Poppen & Sohn, Freiburg im Breisgau 1898, Seite 160. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Freiburg_Bauten_160.jpg&oldid=- (Version vom 28.12.2025)