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| Hugo Friedländer: Interessante Kriminal-Prozesse von kulturhistorischer Bedeutung, Band 7 | |
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gekommen sei, habe ihm der Kammerdiener aufgemacht. – v. Kayser: Was? Mein Kammerdiener?! – v. Manteuffel: Es war ein kleiner, halbwüchsiger Junge. – v. Kayser: Also gerade das Gegenteil von dem, was der Zeuge soeben unter seinem Eide behauptet hat! – Zeuge v. Manteuffel erzählte dann, daß er zweimal vergeblich in v. Kaysers Wohnung war und dort zwei Visitenkarten zurückgelassen habe, wie dann am nächsten Morgen v. Kayser ihn aufgesucht habe, daß der Versuch, den Untersuchungsrichter Herr sofort zu sprechen, verunglückte und darauf eine Haussuchung bei v. Kayser stattfand. Er war kolossal überrascht von der tadellosen Ordnung, in welcher sich die Papiere des Herrn v. K. befanden. Letzterer habe ihm bereitwilligst alles überlassen, er hatte absolut nichts verborgen, alles sei wunderschön geordnet gewesen. Er (Zeuge) hatte die Überzeugung gewonnen, daß „nichts mehr da“ sei. Gegen die Zweideutigkeit des letzteren Ausdrucks verwahrte sich v. Kayser entschieden. Der Zeuge erzählte weiter: Er habe Herrn v. Kayser auf dessen Bitten gestattet, in seiner Gegenwart auf einen kurzen Moment Frieda Voigt zu sprechen. Dann war es natürlich für ihn von Wichtigkeit, durch Herrn v. Kayser zu erfahren, wie er sich zu der ganzen Angelegenheit stelle. Es sei überlegt worden, wo dies am besten geschehen könne, und so habe man dann die Weinstube von Eggebrecht aufgesucht. Bei diesen Erzählungen habe v. Kayser auf ihn einen sehr vertrauenerweckenden Eindruck gemacht, wenn er auch nicht habe begreifen können, warum v. Kayser so entschieden für Herrn v. Kröcher eintrat. Bei der eminenten Begabung und bei der Geschicklichkeit, mit welcher v. Kayser seine Ausführungen machte, seien ihm vorübergehend Zweifel gekommen, ob es unter solchen Umständen nötig sei, ihn sofort in Haft zu nehmen. Er glaubte überzeugt sein zu dürfen, daß v. Kayser nicht entfliehen würde und habe sich deshalb entschieden, Herrn v. Kayser in der Nacht noch in seiner Wohnung zu
Hugo Friedländer: Interessante Kriminal-Prozesse von kulturhistorischer Bedeutung, Band 7. Hermann Barsdorf, Berlin 1912, Seite 285. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Friedlaender-Interessante_Kriminal-Prozesse-Band_7_(1912).djvu/289&oldid=- (Version vom 15.5.2025)