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| Hugo Friedländer: Interessante Kriminal-Prozesse von kulturhistorischer Bedeutung, Band 7 | |
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weiß ich nicht. Jedenfalls habe ich einmal von v. Kayser 1500 Mark geschickt bekommen. – Oberstaatsanwalt: Können Sie über die Einkünfte und die Lebenshaltung des v. Kayser Auskunft geben? – Zeuge: v. Kayser hatte einen Wechsel ungefähr wie wir alle. Er wird sich zwischen 200 und 400 Mark bewegt haben. Ich kann nur sagen, v. Kayser hat nicht luxuriös gelebt. Daß er natürlich, während er gespielt, mehr ausgegeben hat wie 400 Mark, das ist ja klar. Das ist ja eben der Fluch des Spiels, daß alle, die spielen, über ihre Verhältnisse leben. Ich mag dieser Äußerung wegen angegriffen werden, aber es ist doch einmal Tatsache. Es mag ja sehr bedauerlich sein, aber es ist einmal so. – Verteidiger Rechtsanwalt Dr. Schwindt: Weshalb sind Sie denn in den Spielzirkel gegangen. Hatten Sie denn die Absicht, dort tüchtig Gewinne zu machen und dann mit den erworbenen Schätzen vergnügt nach Breslau abzudampfen? – Zeuge: Die Frage ist schwer zu beantworten. Man setzt sich natürlich nicht zum Spiel hin, um zu verlieren. Ich spiele eben um des Spiels willen, um zu spielen. – Verteidiger Rechtsanwalt Dr. Schwindt: Sie wollen sagen, Sie spielten aus Passion. – Zeuge: Jawohl, ich bemerke übrigens, daß ich jetzt nicht mehr spiele. – Auf Befragen des Verteidigers Rechtsanwalts Dr. Schachtel sagte Zeuge v. Kardorff: Er sei mit v. Kayser befreundet. v. Kayser sei hochbegabt, aber auch ein beißender, rücksichtsloser Witz sei ihm eigen. Das habe ihm auch manchen Feind gemacht. Er halte v. Kayser für einen anständigen Menschen, ebenso wie sein Korps Saxonia, das Herrn v. Kayser noch nicht das Band entzogen habe. – Angekl. v. Kayser bestätigte, daß ihn das Korps Saxonia trotz seiner Lage noch hochhalte und ihm das Band nicht entzogen habe. Er erwähnte gleichzeitig, daß er noch in das Untersuchungsgefängnis von seinem Korpsbruder v. Hasselbarth einen freundschaftlichen Brief erhalten habe, in welchem dieser mitteilte, daß er die Doktorarbeit Kaysers sehr gut habe
Hugo Friedländer: Interessante Kriminal-Prozesse von kulturhistorischer Bedeutung, Band 7. Hermann Barsdorf, Berlin 1912, Seite 291. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Friedlaender-Interessante_Kriminal-Prozesse-Band_7_(1912).djvu/295&oldid=- (Version vom 16.5.2025)