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| Hugo Friedländer: Interessante Kriminal-Prozesse von kulturhistorischer Bedeutung, Band 7 | |
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Artikels mit Verdächtigungen inbetreff Wolffs an ihn herangetreten sei. Er habe aber kein Gewicht darauf gelegt, da Kornblum für seine Angaben keine Unterlage hatte. Dies sei etwa am 15. September 1898 gewesen. Der Angeklagte v. Kayser gab dies zu. – Vors.: Herr Kommissar, Sie haben gesagt, daß Sie von dem Spieler Reuter wertvollen Unterricht inbetreff des Falschspiels erhalten haben. Wollen Sie darüber etwas mitteilen? – Zeuge v. Manteuffel: Da muß ich zunächst erzählen, wie ich dazu gekommen bin. Der bekannte Reuter ist seit der Zeit, daß er seine Spielertätigkeit aufgegeben hat, bei der Polizei eine angenehme Nachrichtenquelle. Er kam auch häufig zu mir. Als vor Jahren ein Verfahren gegen einige gewerbsmäßige Spieler schwebte, kam Reuter auch zu mir. Er wollte augenscheinlich für die Angeklagten Stimmung machen; denn er ließ Äußerungen fallen, daß es doch so harmlose, anständige Menschen seien, ich möchte doch nicht so scharf gegen sie vorgehen. Um mich in guter Stimmung zu erhalten, erbot er sich, mir zu zeigen, wie man falsch spiele. Ich nahm dies Anerbieten gern an. Auf den Wunsch Reuters ließ ich zwei Spiele neuer Karten kommen. Reuter riß den Verschlußstreifen vor meinen Augen durch und steckte die Karten durcheinander. Er machte mir sodann ein Spiel vor und gewann solange, bis er erklärte: „So, nun müssen Sie auch mal gewinnen.“ Die nächste Karte fiel zu meinen Gunsten aus. Reuter erzählte mir dann, daß er beim Mischen der Karten mit großer Fingerfertigkeit die Karten „gepackt“ habe, das heißt die Reihenfolge kenne. Es sei auch durch den sogenannten „Naturpunkt“, der sich auf der gravierten Rückseite einer jeden Karte befinde, die Karte zu erkennen, es gehöre aber ein scharfes Auge und lange Übung dazu. Weitere Enthüllungen habe Reuter nicht machen wollen. – Der Vorsitzende ersuchte den Kriminalkommissar, dem Gerichtshof das Reutersche Kunststück vorzuführen. v. Manteuffel machte, unter wiederholter Heiterkeit
Hugo Friedländer: Interessante Kriminal-Prozesse von kulturhistorischer Bedeutung, Band 7. Hermann Barsdorf, Berlin 1912, Seite 302. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Friedlaender-Interessante_Kriminal-Prozesse-Band_7_(1912).djvu/306&oldid=- (Version vom 18.5.2025)