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| Hugo Friedländer: Interessante Kriminal-Prozesse von kulturhistorischer Bedeutung, Band 9 | |
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wie den Schlesischen, den Stettiner und den Lehrter Bahnhof, als Operationsfeld erkoren. Vor einiger Zeit kam ein junger Schlossergeselle aus Westfalen auf dem Lehrter Bahnhof in Berlin an. Er war im Begriff nach Danzig zu fahren, da er dort ,auf Verschreibung’ Arbeit erhalten hatte. Er fuhr mit seinen Habseligkeiten nach dem Schlesischen Bahnhof und wartete dort im Wartesaal vierter Klasse auf den nächsten, nach Danzig fahrenden Personenzug.
Plötzlich wurde der junge Schlosser von einem fremden Mann auf die Schulter geklopft. Wo fährst du hin, Landsmann, fragte der Fremde. Ich will mit dem nächsten Zuge nach Danzig fahren, da ich dort ,auf Verschreibung’ Arbeit bekommen habe. Was bist du, forschte der Fremde weiter. Ich bin Schlosser, versetzte recht treuherzig der biedere Westfale. Das trifft sich ja großartig, sagte der fremde Mann. Ich bin nämlich Monteur und muß nach Langfuhr fahren, um dort in der Wohnung des Kronprinzen die elektrische Leitung zu reparieren. Ich wollte eigentlich erst heute abend fahren. Da ich aber gern in Gesellschaft reise, so werde ich auch mit dem nächsten Zuge fahren. Ich werde mir sofort meinen Koffer holen. Komm mit in meine Wohnung, du kannst mir den Koffer tragen helfen und dir bei dieser Gelegenheit noch das Dienstmannsgeld verdienen. Ich wohne ganz in der Nahe. Der vertrauensvolle Provinziale folgte sofort der Aufforderung. Nachdem er mit dem fremden Mann etwa fünf Minuten gegangen war, nahm letzterer sein Portemonnaie aus der Tasche und ließ einige Hundertmarkscheine, die wahrscheinlich Blüten waren, sehen. Kannst du mir einen Hundertmarkschein wechseln, fragte der Fremde. Ich habe 82 Mark bei meiner Wirtin zu zahlen und die wird jedenfalls nicht wechseln können. Ich bedaure, meine ganze Barschaft betragt 85 Mark, erwiderte der Schlosser. Da pump mir einmal 82 Mark, ich werde am Billettschalter wechseln und dir alsdann das Geld sofort wiedergeben. Der Schlosser händigte dem Fremden
Hugo Friedländer: Interessante Kriminal-Prozesse von kulturhistorischer Bedeutung, Band 9. Hermann Barsdorf, Berlin 1913, Seite 146. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Friedlaender-Interessante_Kriminal-Prozesse-Band_9_(1913).djvu/150&oldid=- (Version vom 9.1.2026)