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| Hugo Friedländer: Interessante Kriminal-Prozesse von kulturhistorischer Bedeutung, Band 9 | |
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arglos 82 Mark ein. Nun warte einige Minuten, ich hole mir nur schnell meinen Koffer, versetzte der angebliche Monteur. In demselben Augenblick war er in einem Hause der Andreasstraße verschwunden. Der Schlosser wartete volle zwei Stunden, der neue Freund ließ sich aber nicht mehr sehen. Schließlich trat der Schlosser an einen Schutzmann heran und erzählte diesem das Vorkommnis. Der Schutzmann stellte sofort fest, daß das Haus, in das sich der angebliche Monteur begeben, noch einen Ausgang nach einer anderen Straße hatte. Der arme Schlosser war um eine Erfahrung reicher und um 82 Mark armer. Er besaß nur noch drei Mark, die selbstverständlich nicht reichten, um nach Danzig zu fahren. Wenige Tage darauf ging der junge Schlosser tiefbetrübt durch die Breslauer Straße. Da begegnete er plötzlich dem angeblichen Monteur. Dieser wollte sich wahrscheinlich nach dem Schlesischen Bahnhof begeben, um sich ein neues Opfer zu suchen. Der Schlosser wandte sich an einen Schutzmann, der den frechen Gauner verhaftete. Letzterer war ein der Polizei langst bekannter, mehrfach mit Gefängnis und Zuchthaus bestrafter, gemeingefährlicher Bauernfänger. Der junge Schlosser war nur eins von vielen Opfern, die er in jüngster Zeit in ähnlicher Weise gerupft hatte. Der Gauner war nicht Monteur, sondern Pferdehändler. Er hatte die Frechheit, als er sich Ende Juli 1912 vor der zehnten Ferienstrafkammer des Landgerichts Berlin I wegen einer ganzen Reihe solcher Gaunereien zu verantworten hatte, zu behaupten: Die Zeugen müssen sich in seiner Person irren, denn er sei, als die Gaunereien passierten, in Gnesen auf dem Pferdemarkt gewesen. Einen Beweis konnte der Mann aber nicht führen. Außerdem erkannten ihn fünfzehn Leute, die er in ganz ähnlicher Weise wie den Schlosser gerupft hatte, mit vollster Bestimmtheit wieder. Er wurde zu mehrjährigem Zuchthaus, Ehrverlust und Polizeiaufsicht verurteilt.
Es ware ein großer Irrtum, wenn man annehmen wollte,
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Hugo Friedländer: Interessante Kriminal-Prozesse von kulturhistorischer Bedeutung, Band 9. Hermann Barsdorf, Berlin 1913, Seite 147. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Friedlaender-Interessante_Kriminal-Prozesse-Band_9_(1913).djvu/151&oldid=- (Version vom 9.1.2026)