Seite:GN.A.250 Gemein-Nachrichten 1788,5.pdf/744
Geschwister in der Kirche communicirten, merkte er sein herannahendes Ende, u. daß er den Morgen nicht erleben würde. Da ich also vom Saal herunterkam, wo wir das Anbeten gehalten hatten, schickte er zu mir, u. ich begab mich sogleich zu ihm. Auf die Frage: wie sieht es aus? Der Abschied ist nahe, ist auch das Herz getrost u. freudig zum Heimgange? antwortete er sehr wehmüthig u. ängstlich: Nein! Daran fehlt mirs, ich bin in großer Dunkelheit, u. habe keine gewisse Versicherung von der Vergebung meiner Sünden. Ich fragte, was ihn eigentlich drückte u. ängstigte? Er sagte: „Daß ich mich gegen meine Frau nicht als ein Bruder bewiesen, u. immer mit ihr gekrickelt habe, da ich ihr doch ein Vorgänger zum Heiland hätte seyn sollen.“ Die Frau kam dazu, u. sprach: Ach lieber Mann, ich habe dir ja alles schon vielmal von Herzen vergeben, u. habe
: Gemein-Nachrichten - Beylagen I-IV 1788,5. , Herrnhut 1788, Seite 738. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:GN.A.250_Gemein-Nachrichten_1788,5.pdf/744&oldid=- (Version vom 23.8.2025)