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Beurtheilungen
einiger Fabeln aus den Belustigungen.

Damit diejenigen Leser, die meine Fabeln in den Belustigungen immer noch für gut halten, prüfen können, ob ich Recht habe, wenn ich nicht ihrer Meynung bin: so will ich drey derselben, die noch gar nicht die schlechtesten sind, wählen, und sie beurtheilen. Ich hoffe, zu gleicher Zeit Anfängern in der Poesie einen Dienst zu thun, und sie an meinem Exempel zu lehren, wie sie ihre eignen, oder ihrer Freunde Versuche beurtheilen, und sich nicht so fort mit den Gedanken schmeicheln sollen, daß sie für die Welt schreiben können, weil sie schreiben können.

Die erste Fabel, die ich wählen will, um die Fehler, die darinne begangen sind, um das Müßige, Undeutliche, Weitläuftige, und Gereimte zu zeigen, soll die Lerche seyn, weil ich dieses Stück zu der Zeit, da ich es verfertiget, mit einer besondern Autorliebe betrachtet habe.

Die Lerche.

I.

Bey manches Morgens hellem Schimmer
Sang Damons Lerche froh bemüht,
Mit Schmettern durch das ganze Zimmer,
Dem lieben Wirth ein Morgenlied,

5
Und ruhte nicht, bis daß ihr Klang

Das ganze Haus erfüllt durchdrang.

Empfohlene Zitierweise:
Christian Fürchtegott Gellert: Fabeln und Erzählungen. M. G. Weidmanns Erben und Reich und Caspar Fritsch, Leipzig 1769, Seite 305. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Gellert_Schriften_1_305.jpg&oldid=- (Version vom 1.1.2026)