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6.

     Sie singt aus ehrsuchtsvollem Grimme;
Sie zieht, sie trillert, mengt und paart
Der hellen Kehle starke Stimme
Auf hundert und auf tausend Art.

35
Umsonst ist ihre ganze Müh;

Stets singt das Echo so, wie sie.

7.

     Noch läßt sie sich nicht kraftlos finden,
Sie singt, und will zu ihrer Pein
Eh sterben, als nicht überwinden,

40
Eh siegen, als am Leben seyn.

Sie singt; allein zu ihrer Schmach:
Das Echo wacht, und thut es nach.

8.

     Drauf schießt sie bey dem letzten Zuge,
Die so bethörte Sängerinn,

45
Mit aufgebrachtem schnellen Fluge

Nach der verhaßten Freundinn hin,
Und stößt sich in der Raserey
Am Spiegel Kopf und Hirn entzwey.

9.

     Hier trägt sie Damon aus der Stube,

50
O! spricht er, da er nachgedacht,

O! kämen die in eine Grube,
Die Ehr und Schatten umgebracht:
So würdest du wohl manchem Held,
Und manchem Weisen beygesellt.

Empfohlene Zitierweise:
Christian Fürchtegott Gellert: Fabeln und Erzählungen. M. G. Weidmanns Erben und Reich und Caspar Fritsch, Leipzig 1769, Seite 307. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Gellert_Schriften_1_307.jpg&oldid=- (Version vom 1.1.2026)