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Zuerst will ich die Handlung ausziehen. Eine Lerche singt oft ihrem lieben Wirthe, dem Damon, früh ihr Morgenlied. Einst macht er ihr bey dem Füttern aus Gefälligkeit den Bauer nicht wieder zu, damit sie herausfliegen kann; und nun singt sie noch stärker, setzt sich gegen den Spiegel über, und sieht ihr eignes Bild für einen Nebenbuhler an. Sie singt. Damon öffnet darauf die Thüre, und das Echo dringt aus dem gewölbten Saale in die Stube. Die Lerche glaubt also ihren Nebenbuhler im Spiegel zu hören, und läßt sich mit ihm in einen Wettstreit ein, bis sie endlich, da sie ihn nicht überwinden kann, in der Hitze nach dem Spiegel fliegt, und sich den Kopf zerstößt.

Die Moral. Wenn alle diejenigen, die der Ehrgeiz und ein Schatten umgebracht, sagt Damon, in eine Grube kämen, so müßtest du bey manchem Helden und Weisen liegen.

Die Handlung, an und für sich betrachtet, scheint das Anziehende zu haben, in so weit sie selten, unerwartet, und doch wahrscheinlich, und endlich ein sinnliches Bild des menschlichen Ehrgeizes ist; betrachtet mit der Moral, scheint sie gewisse Züge, oder Theile zu haben, davon man die Deutung nicht wohl einsehen kann. Die Lerche sieht sich selbst im Spiegel, und hält sich für eine fremde Lerche. Recht gut! Sie hört das Echo ihrer Stimme, und hält es für die Stimme ihres Nebenbuhlers. Auch gut! Die Lerche kann beides in der Fabel thun, weil sie

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Christian Fürchtegott Gellert: Fabeln und Erzählungen. M. G. Weidmanns Erben und Reich und Caspar Fritsch, Leipzig 1769, Seite 308. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Gellert_Schriften_1_308.jpg&oldid=- (Version vom 1.1.2026)