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offen lassen? Das erste deswegen, damit sie Damon heraus lassen kann; und das andre deswegen, damit sie in dem Zimmer frey sitzen, und sich im Spiegel sehen kann. War das nöthig in Ansehung des Erfolgs? Nein, sie durfte nur gleich frey im Zimmer seyn, und dem Spiegel gegen über sitzen. Dieses ist also der Punkt, wo die Handlung hätte anfangen sollen, damit sie die Kürze, die nöthige Tugend der Erzählung, erhielte. Folglich sind beynahe die drey ersten Strophen müßig. Die andern Theile sind zwar nothwendig, aber mit verschiednen kleinen Umständen beladen, welche das Stück nur erweitern, ohne es zu verschönern. Hieher gehört insbesondere die siebente Strophe.

Aus diesen Critiken lassen sich die übrigen von der Art zu erzählen größten Theils schließen. Sie ist weitschweifig, und eben deswegen matt. Sie will sich durch eingeschaltete Beschreibungen beleben; aber diese Beschreibungen sind zu leer, und ermüden. Sie enthalten nichts, als das ewige Gesinge der Lerche, das eben nicht schön beschrieben ist.

In der Schreibart selbst fehlt das Leichte, Freywillige und Muntre. Braucht man noch zu fragen, warum die Fabel nichts taugt, wenn auch ihr Innhalt noch so gut wäre? Ist es nicht Fehler genug, ängstlich, und gezwungen zu erzählen? Sie ist, wie viele andre aus den Belustigungen, in dem Versmaaße der Ode erzählet. Ich will gern zugeben, daß diese Versart zuweilen von dem Innhalte, zumal

Empfohlene Zitierweise:
Christian Fürchtegott Gellert: Fabeln und Erzählungen. M. G. Weidmanns Erben und Reich und Caspar Fritsch, Leipzig 1769, Seite 310. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Gellert_Schriften_1_310.jpg&oldid=- (Version vom 2.1.2026)