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von einem ernsthaften, oder dem man das Ansehen des Ernstes geben will, verlanget werden kann; und wir haben gute Exempel von dieser Art. Allein in den meisten Fällen verträgt sich der Zwang der Strophen, der sich immer gleichen Zeilen, der bestimmten Ruhepunkte in den Strophen, nicht mit den Tugenden der Erzählung. Man darf, um sich davon zu überzeugen, nur einen Versuch mit einer guten Fabel, die in freyen Versen erzählt ist, machen, und sie in das Versmaaß der Ode übertragen; wie bald wird man sehen, daß die besten Stellen verloren gehen; daß dieser Gedanke in einer längern Zeile gesagt seyn will; daß er oft, wenn er nur ein Wort verliert, nicht mehr so natürlich, oder scherzhaft klingt; daß selbst die Länge und Kürze der Zeilen bald den Nachdruck, bald die Anmuth im Erzählen befördert! Und wo ist in der Strophe der Platz zu den Nebenbetrachtungen, zu einer kleinen, im Vorbeygehen angebrachten Spötterey, zu gewissen Wiederholungen und andern kleinen Schönheiten der Erzählung?
Ich will den Beweis von den Fehlern der Schreibart nunmehr im Kleinen geben.
Erste Strophe. Bey manches Morgens; sehr hart und rauh. Hellem Schimmer; hell, ein überflüßiges Beywort. „Die Lerche sang bey manches Morgens hellem Schimmer froh bemüht dem lieben Wirth ein Morgenlied.“ Was heißt froh bemüht? Mit einer Mühe, die ihr zum Vergnügen
Christian Fürchtegott Gellert: Fabeln und Erzählungen. M. G. Weidmanns Erben und Reich und Caspar Fritsch, Leipzig 1769, Seite 311. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Gellert_Schriften_1_311.jpg&oldid=- (Version vom 2.1.2026)