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und verursacht eine Dunkelheit. In den Wettstreit; nicht den, sondern einen; ist wider die Sprache.

Sechste Strophe. „Sie singt aus ehrsuchtsvollem Grimme.“ Grimm scheint zu viel für das Singen einer Lerche zu seyn. Vor Grimme nach dem Spiegel fliegen, dieses würde man eher sagen. „Sie zieht, sie trillert, mengt und paart der hellen Kehle starke Stimme auf hundert und auf tausend Art.“ Diese drey Verse betrügen auf den ersten Anblick, und scheinen harmonisch zu seyn. Sie zieht und trillert; gehen diese Worte auch auf die Stimme? Sie zieht und trillert die Stimme; das kann wohl nicht seyn. Aber sie stehen doch so, und also sind es ambigue dicta. Sie mengt die Stimme der Kehle, und paart sie. Wie kann ich eine Stimme mengen? Töne möchten wohl gemenget werden können; und doch wollen mir die gemengten und gepaarten Töne auf hundert und tausend Art gar nicht gefallen. Man sagt auf hunderttausend oder tausenderley Art im gemeinen Leben; und wenn dieses richtig ist, so ist es doch ganz prosaisch. Der Poet muß sich von der Prosa zu entfernen wissen, auch da, wenn er den niedrigsten Styl redet.

Le Stile le moins noble a pourtant sa noblesse.

Siebente Strophe. Noch läßt sie sich nicht kraftlos finden; ist gezwungen gesagt. Es soll heißen: dennoch fährt sie herzhaft fort. Sie singt und will zu ihrer Pein eh sterben, als nicht überwinden, eh siegen, als am Leben seyn. Sehr heroisch von der Lerche. Aber worauf geht das zu ihrer Pein?

Empfohlene Zitierweise:
Christian Fürchtegott Gellert: Fabeln und Erzählungen. M. G. Weidmanns Erben und Reich und Caspar Fritsch, Leipzig 1769, Seite 315. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Gellert_Schriften_1_315.jpg&oldid=- (Version vom 2.1.2026)