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„Und stößt sich in der Raserey am Spiegel Kopf und Hirn entzwey.“ In der Raserey; wer wird dieß von der Lerche sagen? Sie ist ja kein Tieger. In der Hitze stößt sie sich also am Spiegel Kopf und Hirn entzwey. Erstlich Kopf; es muß nothwendig den Kopf heißen. Alsdann Hirn für Gehirn ist unerträglich. Und warum muß sich die arme Lerche den Kopf, und auch das Gehirn entzwey stoßen? Ich dächte, das erste wäre genug gewesen. Das Gehirn ist unnöthig, und erweckt einen ekelhaften Begriff. Endlich sagt man nicht, sich das Gehirn entzwey stoßen.

Neunte Strophe. „Hier trägt sie Damon aus der Stube.“ Wozu wird das Leichenbegängniß erwähnt? Um auf die Grube einen Reim zu haben? Warum trug sie Damon aus der Stube? Warum warf er sie nicht zum Fenster hinaus? Müßiger Umstand! O! spricht er, da er nachgedacht. Er muß also erst nachdenken, ehe er seinen Sittenspruch findet? Wäre es nicht natürlicher, er fiele ihm gleich ein? O! kämen die in eine Grube. Das doppelte O! scheint mir zu wichtig für diesen Fall zu seyn. Aber wem sagt er diese Betrachtung? Sich selber, oder sind Leute um ihn? Sollte Damon so figürlich mit sich selbst reden? Das ist nicht wahrscheinlich. Genug er sagt: „O kämen die in eine Grube, die Ehr und Schatten umgebracht, so würdest du wohl manchem Held und manchem Weisen beygesellt.“ Was bedeutet Schatten? Den eigentlichen Schatten in Ansehung der Lerche, und den figürlichen in Ansehung

Empfohlene Zitierweise:
Christian Fürchtegott Gellert: Fabeln und Erzählungen. M. G. Weidmanns Erben und Reich und Caspar Fritsch, Leipzig 1769, Seite 317. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Gellert_Schriften_1_317.jpg&oldid=- (Version vom 2.1.2026)